Ringelblume – Calendulas goldene Heilkraft
Das Wichtigste in Kürze: Ringelblume für Wundheilung
Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist die Wundheilerin schlechthin. Ihre goldenen Blüten enthalten Triterpene, Flavonoide und Carotinoide, die Wunden schneller heilen lassen, Entzündungen hemmen und Narbenbildung minimieren. Die klassische Ringelblumensalbe nach Maria Treben – hergestellt mit Schweineschmalz – hilft bei Schnittwunden, Verbrennungen, Ekzemen, trockener Haut und sogar bei schlecht heilenden Wunden.
✨ Minerva VISION Insight: Schweineschmalz ist der menschlichen Hautstruktur am ähnlichsten – deshalb schwor Maria Treben darauf und keine andere Fettgrundlage kommt für Heilsalben an seine Wirksamkeit heran.
Aber lies weiter…
Wenn ich im Juni in meinen Garten gehe und die ersten Ringelblumen blühen sehe, dann danke ich von Herzen für diese Pflanze. Leuchtend gelb bis tiefes Orange strahlen ihre Blüten. Wie kleine Sonnen im Blumenbeet. Manche nennen sie auch Goldblume, und das ist kein Zufall. In diesen goldenen Blütenblättern steckt eine Heilkraft, die seit Jahrhunderten bekannt ist.
Die Ringelblume ist die Wundheilerin schlechthin. Bei Schnittwunden, bei Schürfwunden, bei Verbrennungen, bei Ekzemen. Überall dort, wo die Haut verletzt oder entzündet ist, entfaltet die Calendula ihre sanfte, aber kraftvolle Wirkung. Sie lässt Wunden schneller heilen, verhindert Narbenbildung, nimmt Entzündungen den Schmerz.
Schon Hildegard von Bingen wusste um diese Pflanze. Sie nannte sie Ringula und empfahl sie gegen Hautleiden und Ekzeme. Im Mittelalter gehörte die Ringelblume zu jeder Klosterapotheke. Die Nonnen machten Salben daraus für die Kranken. Und Maria Treben hat diese alte Tradition fortgeführt. Ihr Ringelblumen-Balsam ist bis heute eines der bekanntesten Heilmittel aus der Natur.
Ich möchte dir heute zeigen, wie du diese wunderbare Pflanze für dich nutzen kannst. Wie du selbst eine Salbe herstellst, die in jede Hausapotheke gehört. Wie du Tinkturen machst, Tee zubereitest, Sitzbäder nimmst. Die Ringelblume ist ein Geschenk. Ein goldenes Geschenk für deine Haut, für deine Gesundheit, für deine Heilung.
Was die Ringelblume so besonders macht
Die Ringelblume trägt viele Namen. Calendula officinalis ist ihr botanischer Name. Calendula von calendae, dem ersten Tag des Monats. Denn diese Pflanze blüht und blüht, Monat um Monat, unermüdlich. Und officinalis weist auf ihre Bedeutung als Heilpflanze hin: das lateinische Wort officina bezeichnete den Raum, in dem die Apotheker ihre Arzneien herstellten.
Im Volksmund heißt sie Goldblume, Sonnenwendblume, Ringelrose, Totenblume, Studentenblume. Der Name Ringelblume kommt von den Samen. Wenn du eine Ringelblume aussäst und später die Samen sammelst, wirst du sehen: Sie sind nicht glatt und rund, sondern gebogen, geringelt, manchmal wie kleine Halbmonde geformt. Daher der Name.
Die Ringelblume ist eine einjährige Pflanze. Sie wächst aus Samen, blüht, bildet neue Samen und stirbt mit dem ersten Frost. Aber sie sät sich oft selbst wieder aus, sodass du Jahr für Jahr Ringelblumen im Garten hast, ohne neu säen zu müssen.
Die Pflanze wird dreißig bis sechzig Zentimeter hoch. Der Stängel ist aufrecht, fest, im oberen Bereich verzweigt. Er ist kantig und mit feinen Härchen besetzt, die sich leicht klebrig anfühlen. Die Blätter sind lanzenförmig, länglich, ganzrandig. Die unteren Blätter sind gestielt, die oberen sitzen direkt am Stängel. Sie sind mittelgrün bis hellgrün und ebenfalls leicht behaart.
Aber das Besondere sind die Blüten. Von Juni bis Oktober blüht die Ringelblume unermüdlich. Manche Pflanzen bis zum ersten Frost. Die Blütenköpfe sind fünf bis sieben Zentimeter groß. Sie bestehen aus vielen einzelnen Blüten, wie es typisch ist für Korbblütler. Die äußeren Blüten sind Zungenblüten, lang und schmal, leuchtend gelb bis tiefes Orange. Die inneren Blüten sind Röhrenblüten, kleiner, meist dunkler.
Es gibt ungefüllte und gefüllte Sorten. Bei den gefüllten Sorten sind die Röhrenblüten teilweise oder ganz durch Zungenblüten ersetzt. Der Blütenkorb ist dann dicht gefüllt, fast wie eine kleine Kugel. Diese gefüllten Sorten sind besonders ergiebig für die Salbenherstellung, denn sie enthalten mehr Blütenblätter.
Die Ringelblume hat eine besondere Eigenschaft: Sie folgt der Sonne. Morgens, wenn die Sonne aufgeht, öffnet sie ihre Blüten. Den ganzen Tag über wendet sie sich nach der Sonne. Und abends, wenn die Sonne untergeht, schließt sie ihre Blüten wieder. Bauern beobachteten früher: Wenn die Ringelblumenblüten morgens nach sieben Uhr noch geschlossen sind, wird es Regen geben. Sind sie schon früh geöffnet, verspricht das einen sonnigen Tag.
Dieses Gehen mit der Sonne, wie ein Kalender, hat der Pflanze ihren Namen gegeben. Calendula – von den Kalenden, den ersten Tagen des Monats. Eine Pflanze, die die Zeit anzeigt, die mit der Sonne lebt, die uns zeigt: Heute ist ein neuer Tag, heute ist Licht.
Die Heilkräfte in den goldenen Blüten
Was macht die Ringelblume zu einer solchen Wundheilerin?
Triterpene und Triterpenalkohole sind die wichtigsten Wirkstoffe. Sie sind es, die hauptsächlich für die entzündungshemmende und wundheilende Wirkung verantwortlich sind. Faradiol ist der aktivste Stoff unter ihnen. Er wirkt ähnlich stark entzündungshemmend wie manche chemischen Medikamente. Diese Triterpene fördern die Bildung von neuem, gut durchblutetem Gewebe. Sie beschleunigen die Wundheilung nachweislich.
Triterpensaponine sind mit zwei bis zehn Prozent reichlich vorhanden. Sie werden auch Calenduloside genannt. Diese Saponine wirken antimikrobiell – sie hemmen das Wachstum von Bakterien und Pilzen. Sie unterstützen die Wundreinigung und verhindern Infektionen.
Flavonoide sind zu etwa einem halben bis einem Prozent enthalten. Quercetin und Isorhamnetin sind die wichtigsten. Diese sekundären Pflanzenstoffe wirken antioxidativ, sie schützen die Zellen vor Schäden. Sie stärken die Blutgefäße, fördern die Durchblutung, unterstützen das Immunsystem.
Carotinoide geben der Ringelblume ihre leuchtende Farbe. Bis zu drei Prozent enthält sie davon. Orange Carotine und gelbe Xanthophylle. Diese Farbstoffe sind nicht nur schön anzusehen. Sie schützen die Haut vor UV-Strahlung, unterstützen die Zellregeneration, wirken entzündungshemmend.
Polysaccharide, etwa fünfzehn Prozent, sind komplexe Zuckermoleküle. Sie regen das Immunsystem an, unterstützen die Bildung von neuem Gewebe, haben eine leicht schleimbildende Wirkung, die beruhigend und schützend wirkt.
Ätherische Öle sind nur in geringer Menge vorhanden, etwa null Komma zwei bis null Komma drei Prozent. Sie bestehen vor allem aus Sesquiterpenen wie Cadinol. Diese Öle wirken antimikrobiell, entzündungshemmend, und sie geben der Ringelblume ihren charakteristischen, leicht harzigen Duft.
Calendulasäure kommt besonders in den Samen vor. Diese seltene Fettsäure lindert Entzündungen, fördert die Wundheilung, macht die Haut geschmeidig und zart. Aus den Samen lässt sich ein wertvolles Öl pressen, das in der Hautpflege sehr geschätzt wird.
All diese Wirkstoffe arbeiten zusammen. Synergistisch, wie man sagt. Das bedeutet: Die Wirkung des Ganzen ist mehr als die Summe der Einzelteile. Die Ringelblume ist mehr als eine Ansammlung von Wirkstoffen. Sie ist ein Lebewesen mit einer inneren Ordnung, einer inneren Weisheit.
Bei diesen Beschwerden entfaltet die Ringelblume ihre Kraft
Die Ringelblume ist vor allem eine Pflanze für die Haut. Aber nicht nur.
Bei Wunden aller Art
Das ist die Hauptanwendung. Schnittwunden, Schürfwunden, Risswunden, Quetschungen – die Ringelblumensalbe gehört auf jede dieser Verletzungen. Sie fördert die Bildung von neuem Gewebe, beschleunigt den Wundverschluss, verhindert Infektionen. Selbst bei schlecht heilenden Wunden, bei Wunden, die sich immer wieder entzünden, bei Wunden, die nicht zugehen wollen – die Ringelblume hilft.
Die Salbe legt sich wie ein schützender Film über die Wunde. Die Wirkstoffe dringen tief ein. Die Entzündung geht zurück. Neues, gesundes Gewebe bildet sich. Die Narbenbildung wird minimiert. Ringelblumensalbe ist das Beste, was du für eine Wunde tun kannst.
Bei Verbrennungen und Verbrühungen
Kleine Verbrennungen in der Küche, Verbrühungen mit heißem Wasser, Sonnenbrand – sofort Ringelblumensalbe auftragen. Sie nimmt den Schmerz, kühlt, beruhigt die Haut. Sie verhindert Blasenbildung, fördert die Heilung, lässt oft keine Narben zurück.
Bei großflächigen oder schweren Verbrennungen gehörst du natürlich zum Arzt. Aber bei kleinen Verbrennungen ersten Grades ist die Ringelblumensalbe oft alles, was du brauchst.
Bei trockener, rissiger Haut
Rissige Hände im Winter, spröde Lippen, trockene Fersen – die Ringelblume pflegt und heilt. Sie macht die Haut wieder geschmeidig, lindert das Spannen, fördert die Regeneration. Regelmäßig angewendet, verwandelt sie trockene, raue Haut in weiche, gepflegte Haut.
Bei Ekzemen und Hautausschlägen
Neurodermitis, Schuppenflechte, Kontaktekzeme, allergische Hautausschläge – die Ringelblume beruhigt entzündete Haut. Sie nimmt den Juckreiz, lindert die Rötung, fördert die Heilung. Sie ersetzt keine medizinische Behandlung, aber sie kann begleitend sehr helfen.
Bei Akne und unreiner Haut
Die antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften machen die Ringelblume zu einer guten Helferin bei Akne. Sie hemmt die Bakterien, die Entzündungen verursachen. Sie beruhigt die Haut, fördert die Abheilung, vermindert Narbenbildung.
Bei Windeldermatitis
Maria Treben empfahl Ringelblumen-Balsam besonders für wunde Babypopos. Die Salbe ist sanft, verträglich, hochwirksam. Sie schützt die empfindliche Babyhaut, nimmt die Rötung, heilt schnell ab. Viele Mütter schwören darauf.
Bei Krampfadern und Venenleiden
Die Ringelblume fördert die Durchblutung, stärkt die Venenwände, lindert Beschwerden. Bei Krampfadern wird die Salbe sanft aufgetragen – niemals massiert! Nur sanft auftragen, nicht einreiben. Das ist wichtig. Die durchblutungsfördernde Wirkung hilft, Schwellungen und Schmerzen zu lindern.
Bei Hämorrhoiden
Die zusammenziehende, adstringierende Wirkung macht die Ringelblume wertvoll bei Hämorrhoiden. Sitzbäder mit Ringelblumen-Tinktur oder das Auftragen von Salbe lindern Brennen, Juckreiz und Schmerzen.
Bei Entzündungen im Mund und Rachen
Zahnfleischentzündungen, Aphthen, Mundschleimhautentzündungen – mit Ringelblumen-Tinktur oder Tee gurgeln hilft. Die entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung zeigt sich schnell. Die Schmerzen lassen nach, die Heilung wird gefördert.
Bei Frauenleiden
Die Ringelblume hat auch eine ausgleichende, krampflösende Wirkung bei Frauenproblemen. Schmerzhafte oder starke Regelblutungen, Wechseljahresbeschwerden, Brustschwellungen – eine Teekur mit Ringelblumen kann Linderung bringen. Diese Anwendung ist fast in Vergessenheit geraten, aber sie ist wertvoll.
Bei Magen-Darm-Beschwerden
Innerlich als Tee eingenommen, wirkt die Ringelblume entzündungshemmend und krampflösend. Bei Magenschleimhautentzündung, bei Verdauungsstörungen, bei leichten Krämpfen – der Tee kann helfen. Die Wirkung ist mild, sanft, aber oft ausreichend.
So stellst du Ringelblumensalbe selbst her
Jetzt zeige ich dir, wie du diese goldene Heilkraft konkret anwendest. Von der Salbe über die Tinktur bis zum Tee.
Ringelblumensalbe nach Maria Treben – die klassische Methode
Das ist das wichtigste Rezept. Maria Treben hat ihre Ringelblumensalbe ausschließlich mit Schweineschmalz hergestellt. Schweineschmalz von natürlich gefütterten Schweinen, am besten vom Bio-Bauern. Manche sagen, Darmfett sei noch besser, aber Schweineschmalz tut es auch.
Warum Schweineschmalz? Weil es der menschlichen Hautstruktur am ähnlichsten ist. Es zieht gut ein, verstopft die Poren nicht, ist gut verträglich. Andere Fette – Kokosfett, Sheabutter, Kakaobutter – haben ihre Vorzüge, aber Schweineschmalz ist für Heilsalben unübertroffen.
So stellst du die Salbe her:
Du brauchst:
- Zweihundertfünfzig Gramm Schweineschmalz
- Eine Handvoll frische Ringelblumenblüten (etwa vierzig bis sechzig Gramm)
Und so gehst du vor:
Erhitze das Schweineschmalz in einem Topf bei mittlerer Hitze. Nicht zu heiß! Es sollte nicht rauchen, nur schmelzen und sanft brutzeln.
Wenn das Schmalz flüssig ist, gibst du die Ringelblumenblüten hinein. Nimm die ganzen Blütenköpfe, nicht nur die Blütenblätter. Auch die grünen Kelchblätter und der Blütenboden enthalten Wirkstoffe.
Rühre gut um. Die Blüten sollten vollständig vom Fett bedeckt sein. Lasse alles bei ganz schwacher Hitze etwa eine Stunde lang ziehen. Rühre immer wieder um. Das Fett sollte leicht blubbern, aber nicht kochen. Die Blüten werden langsam braun, das Fett nimmt eine goldgelbe bis grünliche Farbe an.
Nach einer Stunde nimmst du den Topf vom Herd. Decke ihn zu und lasse alles über Nacht stehen. Das ist wichtig! Die Wirkstoffe brauchen Zeit, um vollständig ins Fett überzugehen. Vierundzwanzig Stunden sind ideal.
Am nächsten Tag erwärmst du die Mischung noch einmal. Diesmal nur kurz, bis das Fett wieder flüssig ist. Dann seihst du durch ein feines Sieb oder ein dünnes Baumwolltuch ab. Drücke die Blüten gut aus, damit auch die letzten Wirkstoffe ins Fett gelangen.
Fülle die noch flüssige Salbe in saubere Schraubgläser oder Salbentiegel. Lasse sie offen stehen, bis sie vollständig erkaltet ist. Dann verschließe die Gläser.
Diese Salbe hält sich, kühl und dunkel gelagert, bis zu einem Jahr. Im Kühlschrank noch länger. Sie wird mit der Zeit fester, das ist normal.
Alternative mit Olivenöl und Bienenwachs
Wer kein Schweineschmalz verwenden möchte, kann die Salbe auch mit Olivenöl und Bienenwachs herstellen. Das Ergebnis ist etwas anders in der Konsistenz, aber ebenfalls wirksam.
Du brauchst:
- Hundertfünfundzwanzig Milliliter Olivenöl (kaltgepresst)
- Fünfundzwanzig Gramm Bienenwachs
- Eine Handvoll Ringelblumenblüten
Erwärme das Olivenöl mit den Blüten im Wasserbad. Lasse es etwa dreißig Minuten bei niedriger Temperatur ziehen. Das Öl färbt sich goldgelb. Seihe durch ein Tuch ab.
Erwärme das gefilterte Öl erneut im Wasserbad. Füge das Bienenwachs hinzu und lasse es schmelzen. Rühre gut um. Wenn alles geschmolzen ist, teste die Konsistenz: Tropfe etwas auf einen kalten Teller. Wenn die Salbe dir zu fest ist, füge mehr Öl hinzu. Ist sie zu weich, füge mehr Wachs hinzu.
Fülle die fertige Salbe in Gläser. Lasse sie offen erkalten, dann verschließen. Diese Salbe hält sich etwa drei Monate.
Ringelblumen-Öl – die Grundlage für viele Anwendungen
Ringelblumen-Öl ist vielseitig einsetzbar. Du kannst es pur verwenden, daraus Salben herstellen, oder es in Cremes und Lotionen mischen.
Die Herstellung ist einfach:
Nimm ein Schraubglas. Fülle es zur Hälfte mit frischen Ringelblumenblüten. Gieße kaltgepresstes Olivenöl darüber, bis alle Blüten bedeckt sind. Verschließe das Glas.
Stelle es an einen warmen, hellen Ort. Eine Fensterbank in der Sonne ist ideal. Lasse das Öl vier bis sechs Wochen ziehen. Schüttle täglich einmal.
Das Öl färbt sich intensiv goldgelb bis orangerot. Die Wirkstoffe gehen ins Öl über. Nach vier bis sechs Wochen seihst du ab. Drücke die Blüten aus. Fülle das fertige Öl in dunkle Flaschen.
Dieses Öl ist mehrere Monate haltbar. Du kannst es direkt auf die Haut auftragen, zur Massage verwenden, oder daraus Salben herstellen.
Ringelblumen-Tinktur – für Umschläge und Mundspülungen
Eine Tinktur ist ein alkoholischer Auszug. Sie ist lange haltbar und vielseitig einsetzbar.
Nimm ein Schraubglas. Fülle es locker mit frischen Ringelblumenblüten. Gieße vierzigprozentigen Alkohol (Wodka oder Korn) darüber, bis alle Blüten bedeckt sind. Verschließe das Glas.
Lasse die Tinktur zwei bis drei Wochen an einem warmen Ort ziehen. Schüttle täglich. Dann seihst du ab und füllst die Tinktur in dunkle Flaschen.
Diese Tinktur ist jahrelang haltbar. Du kannst sie für Umschläge verwenden: Ein bis zwei Teelöffel auf ein Glas Wasser. Das Tuch damit tränken und auf die betroffene Stelle legen.
Oder zum Gurgeln: Ein Teelöffel auf ein Glas lauwarmes Wasser. Mehrmals täglich gurgeln bei Zahnfleischentzündung oder Halsschmerzen.
Oder für Sitzbäder: Drei bis vier Esslöffel Tinktur auf fünf Liter warmes Wasser. Zwanzig Minuten baden bei Hämorrhoiden oder Unterleibsbeschwerden.
Ringelblumen-Tee – für innerliche und äußerliche Anwendung
Für eine Tasse Tee nimmst du ein bis zwei Teelöffel getrocknete Ringelblumenblüten. Übergieße sie mit kochendem Wasser. Lass den Tee zehn bis fünfzehn Minuten ziehen. Seihe ab.
Trinke zwei bis drei Tassen täglich bei Magen-Darm-Beschwerden, bei Regelschmerzen, bei Wechseljahresbeschwerden.
Du kannst den Tee auch äußerlich verwenden: Zum Gurgeln bei Zahnfleischentzündung. Zum Abtupfen von Wunden. Als Zusatz für Gesichtsdampfbäder bei unreiner Haut.
Für Umschläge machst du einen stärkeren Aufguss: Ein Esslöffel Blüten auf eine Tasse Wasser. Lasse ihn abkühlen. Tränke ein Tuch damit und lege es auf die betroffene Stelle.
Sammeln und Aufbewahren
Die Ringelblume ist leicht im Garten anzubauen. Sie stellt keine besonderen Ansprüche. Sie braucht nur Sonne und einigermaßen guten Boden. Sie wächst schnell, blüht reichlich, sät sich oft selbst wieder aus.
Aussaat und Anbau
Ab April kannst du Ringelblumen direkt ins Freiland säen. Mit etwa zwanzig Zentimetern Abstand. Sie keimen zuverlässig nach ein bis zwei Wochen. Du kannst auch im August noch einmal säen für eine Herbstblüte.
Die Ringelblume mag es nicht zu trocken. Bei Trockenheit gießen. Aber keine Staunässe! Das verträgt sie nicht. Düngen ist nicht nötig. Höchstens etwas Kompost zu Beginn.
Für die Salbenherstellung sind gefüllte, orangefarbene Sorten am besten. Sie enthalten mehr Blütenblätter und mehr Wirkstoffe. Die Sorte Regina ist besonders für die Heilanwendung geeignet.
Ernte und Trocknung
Von Juni bis Oktober kannst du ernten. Am besten an einem trockenen, sonnigen Tag. Mittags, wenn der Tau verdunstet ist. Pflücke die Blütenköpfe, wenn sie voll aufgeblüht sind. Nicht die welken, nicht die noch geschlossenen Knospen.
Für die Salbenherstellung verwendest du die Blüten frisch. Für Tee und Tinktur kannst du sie auch trocknen.
Zum Trocknen breitest du die Blütenköpfe auf einem Tuch oder Gitter aus. An einem luftigen, schattigen Ort. Nicht in der Sonne! Die Farbe würde ausbleichen, die Wirkstoffe würden leiden.
Die Blüten sind trocken, wenn sie rascheln und sich leicht zerbröckeln lassen. Das dauert etwa eine Woche. Dann füllst du sie in dunkle, gut verschließbare Gläser. Beschrifte mit Name und Datum. Lagere kühl und dunkel. So halten sie sich etwa ein Jahr.
Du kannst auch nur die Blütenblätter sammeln. Das ist mühsamer, aber die Blütenblätter enthalten die meisten Wirkstoffe. Zupfe die orangefarbenen Zungenblüten ab. Lasse die grünen Kelchblätter und den Blütenboden zurück. Trockne nur die Blütenblätter.
Wann du vorsichtig sein solltest
Die Ringelblume ist eine sehr sichere Heilpflanze. Nebenwirkungen sind selten. Aber es gibt einige Dinge zu beachten.
Bei Allergien gegen Korbblütler: Die Ringelblume gehört zur Familie der Korbblütler. Wenn du allergisch bist gegen Kamille, Arnika, Beifuß, Löwenzahn oder andere Korbblütler, könntest du auch auf Ringelblume reagieren. Teste die Salbe zuerst an einer kleinen Hautstelle. Wenn Rötung, Juckreiz oder Ausschlag auftreten, setze sie ab.
Bei längerer Anwendung kann die Ringelblume Kontaktekzeme auslösen. Das ist selten, kommt aber vor. Wenn die Haut sich plötzlich verschlechtert, obwohl du Ringelblumensalbe aufträgst, könnte das eine allergische Reaktion sein. Dann setze ab und verwende ein anderes Mittel.
In Schwangerschaft und Stillzeit: Äußerlich angewendet ist die Ringelblume in Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich. Du kannst die Salbe ohne Sorge verwenden.
Innerlich – als Tee getrunken – solltest du in der Schwangerschaft vorsichtig sein. Traditionell wurde die Ringelblume zur Förderung der Menstruation verwendet. Das bedeutet, sie könnte vorzeitige Wehen auslösen. Es gibt dazu keine modernen Studien, aber aus reiner Vorsicht: Trinke in der Schwangerschaft keinen Ringelblumentee. Nach der Geburt ist er wieder unbedenklich.
Bei Kindern: Äußerlich ist die Ringelblume auch für kleine Kinder geeignet. Maria Treben empfahl ihren Balsam sogar für Säuglinge bei Windeldermatitis. Die Salbe ist sanft und gut verträglich.
Innerlich sollten Kinder unter sechs Jahren keinen Ringelblumentee trinken. Nicht weil er gefährlich wäre, sondern weil es dazu keine Untersuchungen gibt. Ab sechs Jahren ist er unbedenklich.
Bei großen Wunden: Bei großen, tiefen oder stark verschmutzten Wunden gehörst du zum Arzt. Die Ringelblumensalbe unterstützt die Heilung, aber sie ersetzt keine medizinische Versorgung. Wunden, die genäht werden müssen, Bisswunden, stark blutende Wunden – das sind Fälle für den Arzt.
Bei chronischen, schlecht heilenden Wunden ist ein Arztbesuch wichtig, um ernste Ursachen auszuschließen. Diabetes, Durchblutungsstörungen, Hautkrebs – all das kann Wundheilungsstörungen verursachen. Die Ringelblume kann begleitend helfen, aber die Ursache muss geklärt werden.
Bei innerer Anwendung: Saponine, die in der Ringelblume enthalten sind, können in großen Mengen die Leber belasten. Deshalb sollte Ringelblumentee nicht übermäßig getrunken werden. Zwei bis drei Tassen täglich über ein paar Wochen sind unbedenklich. Aber nicht monatelang täglich große Mengen.
Mariannes Geschichte – die Wunde, die nicht heilen wollte
Ich möchte dir von Marianne erzählen. Sie kam zu mir, als sie siebenundfünfzig war. Sie hatte ein Problem, über das sie lange geschwiegen hatte: Ein Unterschenkelgeschwür. Ulcus cruris nennt man das medizinisch. Eine offene Wunde am Unterschenkel, die nicht heilen wollte.
Es hatte klein angefangen, vor zwei Jahren. Ein kleines Ekzem, das aufkratzte. Dann wurde es größer. Die Haut entzündete sich, brach auf. Die Wunde wollte nicht heilen. Sie ging zum Arzt. Der verschrieb Salben, Antibiotika, Kompressionsverbände. Manchmal wurde es besser, dann wieder schlechter. Aber zuheilen wollte die Wunde nicht.
Marianne war verzweifelt. Sie hatte Schmerzen. Sie konnte nicht mehr wandern gehen, was sie so liebte. Sie musste immer lange Hosen tragen, damit niemand die Wunde sah. Sie schämte sich dafür, obwohl sie nichts dafür konnte.
Als sie zu mir kam, schaute ich mir die Wunde an. Sie war etwa handtellergroß, nässte, die Ränder waren gerötet und entzündet. Es roch unangenehm. Das sind Zeichen einer Infektion.
Ich sagte ihr: Wir werden das mit Ringelblume behandeln. Zusätzlich zur Behandlung, die der Arzt verschrieben hat. Nicht statt dessen, sondern zusätzlich.
Ich gab ihr ein Glas Ringelblumensalbe. Und ich erklärte ihr genau, was sie tun sollte: Morgens und abends die Wunde vorsichtig reinigen mit abgekühltem Ringelblumentee. Dann die Salbe auftragen, großzügig. Einen sterilen Verband darüber. Und die Kompressionsstrümpfe tragen, wie der Arzt es verordnet hatte.
Nach zwei Wochen kam sie wieder. Die Wunde sah schon besser aus. Der Geruch war weg. Die Rötung war zurückgegangen. Die Wunde begann, sich vom Rand her zu schließen. Frisches, rosa Gewebe bildete sich.
Marianne war erstaunt. Sie hatte solche Fortschritte noch nie gesehen. Sie machte weiter mit der Ringelblume.
Nach vier Wochen war die Wunde auf die Hälfte geschrumpft. Nach acht Wochen war sie geschlossen. Frische, zarte Haut hatte sich gebildet. Noch etwas gerötet, noch etwas empfindlich. Aber geschlossen.
Marianne konnte es kaum glauben. Zwei Jahre hatte sie mit dieser Wunde gelebt. Und jetzt, nach acht Wochen Ringelblume, war sie zu. Sie weinte vor Erleichterung.
Sie machte noch vier Wochen weiter mit der Salbe. Um die neue Haut zu pflegen, zu stärken, zu schützen. Dann ließ sie langsam aus.
Heute, drei Jahre später, ist die Stelle verheilt. Man sieht noch eine leichte Verfärbung, aber keine offene Wunde mehr. Marianne kann wieder wandern gehen. Sie trägt im Sommer wieder kurze Hosen. Sie ist glücklich.
Zum Abschluss
Hildegard von Bingen wusste um diese Pflanze. Die Klosterfrauen im Mittelalter kannten sie. Maria Treben hat sie uns wieder nahegebracht. Und wir sollten sie nicht vergessen. In einer Zeit, in der so viele Menschen unter Hautproblemen leiden. In der Ekzeme, Neurodermitis, chronische Wunden zunehmen. In der die Haut durch Stress, durch Umweltgifte, durch falsche Pflege strapaziert ist.
Du kannst selbst eine Salbe daraus machen. Das ist nicht schwer. Das kann jeder. Oder du kaufst eine gute Ringelblumensalbe. Achte darauf, dass sie nach traditionellem Rezept hergestellt ist. Ohne synthetische Zusätze, ohne Konservierungsstoffe, ohne Parfüm. Nur Ringelblume und eine gute Fettgrundlage. Das reicht. Das ist alles, was du brauchst.
Habe immer ein Glas Ringelblumensalbe im Haus. In der Hausapotheke, in der Küche, im Badezimmer. Bei jedem kleinen Schnitt, bei jedem Kratzer, bei jedem trockenen Hautfleck – greife zur Ringelblume. Du wirst sehen: Sie hilft. Sanft, aber kraftvoll. Natürlich, aber wirksam.
In der kommenden Woche erzähle ich dir vom Beifuß, von der kraftvollen Mutter aller Kräuter. Von einer Pflanze, die Frauen durch alle Wechsel des Lebens begleitet.
Über die Autorin
Elisabeth Bergmann (geb. 1952 im Salzburger Land) wuchs auf einem Bergbauernhof auf. Über vierzig Jahre lang sammelte sie Erfahrungen mit Heilpflanzen und half unzähligen Menschen mit ihrem Wissen.



