Kolumnen

Einmal Bratwurst mit Burger-Resten und scharfer Sauce bitte

Die mit dem Hund geht… Wie das Leben mit Hund wirklich abläuft.


Hier schreibt: Birgit Jaklitsch. Als die Juristin mit ihrem Golden Retriever Rüden Finley einen “vollkommen unerziehbaren Hund” hatte, entschloss sie sich, selbst eine Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen. Ihren kritischen Blick als Gerichtsreporterin hat sie sich erhalten und gewinnt dadurch immer wieder humorvolle Erkenntnisse auf das Leben mit dem Hund. Birgit Jaklitsch hat eine Kolumne im Magazin Hundewelt und ist Buch-Autorin.

Ein Restaurantbesuch mit Hund braucht vor allem eines, gute Nerven!

Neulich nahmen meine Tochter und ich, Finley mit ins Louisianna, dem mit Abstand hundefreundlichsten Restaurant in unserem Ort. Finley hatte sich neben mir abgelegt. Die nette Kellnerin, hatte meinen Dicken mit Wasser und einer Kaustange versorgt, das gehörte dort zum Service.

Als wir unser Essen bestellten, kamen Herbert und Luise, zwei ehemalige Kunden mit ihrem Beagle Gaston in das Restaurant. Gaston erspähte mich, wedelte mit dem Schwanz und wollte mich begrüßen. Das gefiel seinen Menschen nicht wirklich, aus Gründen. „Gaston, die Birgit möchte das nicht, die ist privat hier“, sagte sein Frauchen. Ich liebe es, wenn man mir Worte in den Mund legt, die ich nicht mal denken würde. Das Lehrerehepaar nickte mir kurz zu und suchte sich dann einen Tisch am anderen Ende des Raumes.

Ich hatte damals beim Training alle Mühe gehabt, den Beiden zu erklären, dass es Geduld und Zeit brauchte, einem Hund seine Marotten abzugewöhnen und ihm stattdessen gutes Benehmen beizubringen. Es hatte nicht gefruchtet. Luise hatte damals das Training nach vier Stunden abgebrochen, weil Gaston seine Macken nicht so schnell losgeworden war.

Gaston war ein Entfesselungskünstler, ein Körbchenverteidiger, ein Allesverwerter. Kurz ein Beagle wie aus dem Bilderbuch. Es gab kein Halsband und kein Geschirr aus dem er sich nicht befreien konnte. Er duldete es nicht, wenn sich der Enkel der Beiden in sein Körbchen legte. Meinen Vorschlag, dem Enkel zu untersagen, sich dort einzukuscheln, fand Luise nur so semigut. Sie wollte, dass der Beagle das tolerierte. Den fünfjährigen Torben Theodor aufzuklären und ein wenig einzuschränken, kam für sie nicht in Frage. Da konnte ich mir den Mund fusselig reden.

Und dann war da ja noch die Speisekammer, das Schlaraffenland, wie Gaston sie nannte. Nur abgetrennt durch einen stylischen Vorhang, weil Luise und Herbert „ein offenes Wohnkonzept“ bevorzugten, war es ein Leichtes für Gaston dort einzudringen und die Vorräte zu plündern. Das tat er ausgiebig. Auch hier wurde jede von mir vorgeschlagene Maßnahme in ihr kühles Grab diskutiert. Deshalb war ich fast froh, als Luise das Training mit den Worten, „Wir machen das lieber alleine“, beendetet hatte. Man musste als Trainer auch mal loslassen können.

Ich beobachtete, wie das Lehrerehepaar die Speisekarte studierte und wie Gaston sich zeitgleich aus dem Geschirr pellte, geräuschlos. Dann startete er eine kulinarische Reise von Tisch zu Tisch. Er bekam Würstchen, Burger-Reste und Pommes. Ein Stück Gurke lehnte er dankend ab. Dann legte er sich neben meiner Tochter ab. Finley legte vorsichtshalber beide Vorderpfoten auf seine Kaustange. Ja, ich hätte etwas sagen können … hab‘ ich aber nicht. Dass ihr Beagle abgängig war, bemerkten Luise und Herbert erst, als die Kellnerin die Kaustange vor ein verwaistes Geschirr legen musste.

Als Trainerin freue ich mich, wenn ich ehemalige Kunden treffe und sehen kann, dass unser Training geholfen hatte. In diesem Fall freute ich mich auch, irgendwie. Ich bin auch nur ein Mensch.

Lust auf mehr? Dann empfehlen wir “Dickes Fell und langer Atem” – Vom Überleben an der Schleppleine. Die Leserkommentare: “Zum Brüllen komisch”, “Einfach herrlich”, “Habe mich wieder erkannt” und “Wann kommt der nächste Jaklitsch?”. Birgit Jaklitschs Buch erschien im Minerva-Verlag und ist in jedem Buchhandel erhältlich oder direkt im Minervastore. www.Minervastore.de.

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