Wie ich gut durch die Wechseljahre gekommen bin – Teil1
Sabine, 51, Architektin – “Ich dachte, ich hätte Alzheimer”
Mit 47 fing es an. Ich stand im Supermarkt und wusste nicht mehr, warum ich da war. Einfach weg. Dann saß ich im Büro und konnte mich nicht mehr an den Namen des Bauherrn erinnern, mit dem ich seit drei Jahren arbeitete. Einfach weg.
Ich bekam Panik. Meine Mutter hatte Alzheimer. Mit 62 fing es bei ihr an. Ich dachte: Das ist es. Jetzt hat es mich erwischt. Mit 47.
Der Weg zum Tiefpunkt
Ich ging zum Neurologen. Er machte Tests. Alles in Ordnung. “Stress”, sagte er. “Sie arbeiten zu viel.”
Ich arbeitete nicht mehr als sonst. Aber ich fühlte mich, als würde ich durch Sirup waten. Alles war zäh. Alles anstrengend. Ich brauchte ewig, um Entscheidungen zu treffen. Skizzen, die ich früher in einer Stunde gemacht hatte, dauerten plötzlich einen halben Tag.
Und dann kamen die Nachtschweiße. Ich wachte auf, komplett durchgeschwitzt. Pyjama nass, Bettwäsche nass. Drei, vier Mal pro Nacht. Am Morgen war ich wie gerädert.
“Das sind die Wechseljahre”, sagte meine Gynäkologin.
“Aber ich hab doch noch meine Periode”, sagte ich.
“Perimenopause”, sagte sie. “Das kann Jahre vor der letzten Periode anfangen.”
Sie bot mir Hormone an. Ich lehnte ab. Ich hatte Angst. Brustkrebs, Thrombose, alles, was man so hört.
“Dann müssen Sie da durch”, sagte sie.
Der Wendepunkt
Ich hielt es nicht aus. Ich funktionierte nicht mehr. Auf der Baustelle vergaß ich Termine. Im Büro saß ich vor dem Computer und starrte ins Leere. Mein Partner fragte, ob bei mir alles okay sei.
Nein, war es nicht.
Ich ging zu einer anderen Ärztin. Einer Hormon-Spezialistin, die mir eine Kollegin empfohlen hatte.
Sie nahm sich Zeit. Eine Stunde. Sie fragte nach allem. Schlaf, Konzentration, Stimmung, Zyklus, Energie.
Sie machte einen großen Bluttest. Nicht nur Östrogen. Auch Progesteron, Testosteron, Schilddrüse, Vitamin D, Eisen, B-Vitamine.
“Ihr Progesteron ist im Keller”, sagte sie. “Das Östrogen schwankt wie verrückt. Und Ihre Schilddrüse ist auch nicht optimal.”
Was mir geholfen hat
Sie verschrieb mir bioidentisches Progesteron. Als Kapsel, abends vor dem Schlafen.
“Das hilft beim Schlaf”, sagte sie. “Und wenn Sie besser schlafen, funktioniert Ihr Gehirn wieder besser.”
Sie hatte recht. Nach zwei Wochen schlief ich durch. Die Nachtschweiße wurden weniger. Nach vier Wochen war mein Kopf wieder klar.
Dann kam das Östrogen dazu. Als Gel. Morgens auf die Haut. Niedrig dosiert.
Und Schilddrüsenhormon. Eine winzige Dosis.
“Wir machen das Schritt für Schritt”, sagte sie. “Schauen, wie Sie reagieren.”
Es dauerte drei Monate, bis alles richtig eingestellt war. Aber dann: Ich war wieder ich. Ich konnte denken. Ich konnte arbeiten. Ich konnte schlafen.
Was ich heute anders mache
Ich nehme meine Hormone. Jeden Tag. Ohne schlechtes Gewissen.
Ich achte auf meinen Schlaf. Nicht mehr bis Mitternacht arbeiten. Nicht mehr abends schwere Essen.
Ich bewege mich. Jeden Tag mindestens 30 Minuten. Laufen, Yoga, Fahrrad. Egal was.
Und ich rede darüber. Mit Kolleginnen, mit Freundinnen. Denn ich habe gemerkt: Fast jede kämpft mit irgendwas. Aber niemand spricht drüber.
Das muss sich ändern.
