Gesund bleiben

Brüchige Knochen mit 45? Warum Osteoporose-Vorsorge jetzt beginnt – und nicht erst mit 65

Du fühlst dich gesund. Du gehst joggen, du isst Joghurt zum Frühstück, du nimmst die Treppe statt den Aufzug. Wer denkt mit fünfundvierzig schon an Knochen? Und genau das ist das Problem. Denn ab vierzig beginnt etwas, das du nicht siehst, nicht spürst und auch nicht merken sollst: Dein Skelett baut langsam ab. Und wenn du erst mit fünfundsechzig draufschaust, ist die Hälfte des Spiels gelaufen.

Die gute Nachricht: Du kannst eine Menge tun. Die schlechte: Du musst es jetzt tun, nicht in zwanzig Jahren. Osteoporose ist eine der am meisten unterschätzten Erkrankungen der Lebensmitte. Etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland leben mit der Diagnose. Achtzig Prozent davon sind Frauen. Ab fünfzig ist jede dritte Frau betroffen. Höchste Zeit zu verstehen, was passiert. Und was hilft.

Was im Knochen passiert

Knochen ist kein totes Material. Er wird ständig umgebaut, abgebaut und neu aufgebaut. Bis etwa zum dreißigsten Lebensjahr nimmt die Knochenmasse zu. Danach herrscht für einige Jahre Gleichgewicht. Etwa ab dem vierzigsten Lebensjahr beginnt ein langsamer Verlust. Das ist normal und gehört zum Älterwerden. Gefährlich wird es, wenn der Abbau ein bestimmtes Tempo überschreitet.

Bei Frauen kommt ab den Wechseljahren ein Beschleuniger dazu: das sinkende Östrogen. Östrogen schützt den Knochen, indem es den Abbau bremst. Wenn der Östrogenspiegel in der Menopause stark sinkt, beschleunigt sich der Knochenabbau. Frauen verlieren in dieser Phase im Durchschnitt zwei bis vier Prozent ihrer Knochenmasse pro Jahr. Pro Jahr. Das ist viel.

Etwa 30 bis 40 Prozent aller gesunden Frauen entwickeln nach der letzten Regelblutung eine Osteoporose. Die Krankheit ist also keine seltene Randerscheinung. Sie ist statistische Normalität, wenn man nichts tut.

Wer besonders gefährdet ist

Manche Risikofaktoren kannst du nicht beeinflussen: eine familiäre Häufung, eine frühe Menopause unter fünfundvierzig, eine Entfernung der Eierstöcke. Andere kannst du sehr wohl beeinflussen. Untergewicht erhöht das Risiko deutlich (Body-Mass-Index unter zwanzig), aber auch extremes Übergewicht (BMI über vierzig). Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und einseitige Ernährung gehören ebenfalls dazu.

Auch chronische Erkrankungen und bestimmte Medikamente können den Knochenabbau beschleunigen. Wer langfristig Cortison nimmt, gehört regelmäßig auf den Knochenstatus geschaut. Dasselbe gilt für Frauen mit Schilddrüsenüberfunktion oder bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen, die die Aufnahme von Kalzium und Vitamin D beeinträchtigen.

Die drei Säulen der Vorsorge

Die erste Säule ist Kalzium. Empfohlen wird eine Aufnahme von etwa 1000 Milligramm täglich. Das schaffst du gut über die Ernährung: kalziumreiches Mineralwasser, Milchprodukte, grünes Blattgemüse, Sesam, Mandeln. Wer keine Milchprodukte verträgt, sollte besonders auf andere Quellen achten.

Die zweite Säule ist Vitamin D. Es sorgt dafür, dass das Kalzium aus dem Darm überhaupt aufgenommen wird. Empfohlen werden 1000 bis 2000 Internationale Einheiten pro Tag. In Deutschland ist die Versorgung über Sonnenlicht im Winter unzureichend – eine Supplementierung über die dunklen Monate ist für die meisten Frauen sinnvoll. Die genaue Dosierung gehört in ärztliche Hände, denn auch zu viel Vitamin D ist nicht gesund.

Die dritte Säule ist Bewegung. Und zwar nicht irgendeine. Knochen reagieren auf Belastung. Sie werden stärker, wenn sie gefordert werden. Das heißt: Gewichtstragende Bewegung. Gehen, joggen, Treppensteigen, Tanzen. Besonders wirksam ist Krafttraining. Schon nach dem dreißigsten Lebensjahr nimmt die Muskelmasse pro Jahr um bis zu ein Prozent ab. Wer dem Muskelabbau und damit auch dem Knochenabbau entgegenwirken will, kommt um gezieltes Krafttraining nicht herum.

Was die Hormonersatztherapie damit zu tun hat

Die Hormonersatztherapie (HRT) wird in den aktuellen Leitlinien als wirksame Option zur Prävention osteoporosebedingter Knochenbrüche bei Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko genannt – vor allem, wenn diese Frauen unter sechzig Jahre alt sind oder sich innerhalb der ersten zehn Jahre nach Eintritt der Menopause befinden. In dieser Lebensphase ist eine HRT laut aktueller Leitlinie der Internationalen Menopause-Gesellschaft die Therapie der ersten Wahl zur Knochenprävention bei betroffenen Frauen.

Eine große Auswertung mit fast 650.000 Frauen ab vierzig zeigte: Frauen unter laufender Hormonersatztherapie hatten ein deutlich geringeres Frakturrisiko als Frauen ohne HRT. Nach dem Absetzen stieg das Risiko allerdings im ersten Jahr stark an. Frauenärzte sehen darin einen Hinweis, dass am Ende einer HRT der Knochenstatus genau beobachtet und die Präventionsstrategie angepasst werden sollte. Ob eine HRT für dich infrage kommt, ist eine individuelle Entscheidung, die nur deine Gynäkologin treffen kann.

Knochendichtemessung – ab wann sinnvoll

Die Knochendichtemessung mit DXA (Dual-Energy X-Ray Absorptiometry) ist das Mittel der Wahl, um Osteoporose zu diagnostizieren. Sie wird in der Regel von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, wenn ein begründeter Verdacht besteht oder bereits ein Knochenbruch nach geringem Anlass aufgetreten ist. Manche Ärzte bieten sie auch als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) zur Früherkennung an – dann zahlst du selbst.

Eine Messung ist nicht für jede Frau ab vierzig nötig. Sinnvoll wird sie bei erhöhtem Risiko: familiäre Vorbelastung, frühe Menopause, lange Cortisontherapie, deutliches Untergewicht oder bereits aufgetretene Knochenbrüche nach Bagatellverletzungen. Sprich mit deiner Ärztin, ob eine Basiswertbestimmung in deiner Situation sinnvoll ist.

Geh lieber jetzt! Sorge für dich!

Knochen sind das stille Gerüst deines Lebens. Du merkst sie nicht, solange sie funktionieren. Wenn sie aber brechen, dann oft an Stellen, die deine Selbstständigkeit kosten – Wirbelsäule, Hüfte, Handgelenk. Vorsorge ist deshalb keine Frage des Alters, sondern der Vernunft. Mit fünfundvierzig hast du noch alle Stellschrauben in der Hand. Mit fünfundsechzig sind viele davon nicht mehr da. Bewegung, ausreichend Kalzium und Vitamin D und ein offenes Gespräch mit deiner Gynäkologin über deine individuelle Situation – das ist das beste Geschenk, das du deinen Knochen machen kannst. Und dir selbst.

Autorenzeile: Petra von Hofen schreibt über die unsichtbaren Themen der Lebensmitte – die, über die niemand spricht und die später am teuersten werden. Knochen gehören dazu.

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