Trinkt euch schlank – oder wie der Winterschlaf unser Hüftgold erklärt
Ihr Lieben, ich muss euch etwas gestehen: Als ich neulich vor meinem Wasserglas saß – ihr wisst schon, so einem dieser riesigen Zwei-Liter-Krüge, die einem von allen Seiten als Wundermittel angepriesen werden – da dachte ich: Ach, komm schon. Das kann doch nicht wahr sein. Wasser soll jetzt auch noch gegen Übergewicht helfen?
Tja. Und dann stolperte ich über diese Studie. Und musste schlucken. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn was Forscherinnen und Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien da herausgefunden haben, das hat mich ehrlich gesagt umgehauen. Setzt euch hin, nehmt euch ein Glas Wasser – ja, wirklich! – und lasst mich erzählen.
Es war einmal ein Murmeltier
Stellt euch vor: Da liegt so ein putziges Tierchen, dick und rund wie eine pelzige Kugel, und macht Winterschlaf. Monatelang. Ohne einen Schluck zu trinken! Wie macht es das bloß?
Nun, die Natur ist schlauer als wir alle zusammen. Das Fett, das sich unser Murmeltier im Herbst so fleißig angefressen hat, wird im Winter zu – haltet euch fest – Wasser umgewandelt. Ja, ihr habt richtig gelesen! Der Körper ist eine kleine Recycling-Fabrik. Aus Fett wird Wasser. Genial, oder?
Und jetzt kommt der Clou, meine Lieben: Bei uns Menschen funktioniert das ganz ähnlich. Nur dass wir dummerweise keinen Winterschlaf halten.
Wenn der Körper denkt, es ist November
Was passiert, wenn wir zu wenig trinken? Unser kluger, aber manchmal etwas begriffsstutziger Körper denkt: Oje! Wasserknappheit! Gefahr! Ich muss Vorräte anlegen!
Und was macht er? Er schüttet ein Hormon namens Vasopressin aus, das uns erstens durstig macht und zweitens – jetzt wird’s unangenehm – die Fettspeicherung ankurbelt.
Ihr versteht, worauf das hinausläuft? Trinken wir zu wenig, glaubt unser Organismus, er müsse sich auf harte Zeiten vorbereiten. Wie ein Murmeltier vor dem Winter. Nur dass bei uns der Winter nie kommt, in dem wir das Fett wieder verbrennen würden. Stattdessen tragen wir es mit uns herum. Zur Arbeit. In den Urlaub. Auf die Waage. Seufz.
Die Sache mit dem Salz und dem Zucker
Aber wartet, es wird noch besser! Oder schlimmer, je nachdem, wie man es sieht.
Die Wiener Forscherinnen haben nämlich auch herausgefunden, dass Fruktose und Salz diesen ganzen Mechanismus noch befeuern. Der Fruchtzucker in unserer Ernährung – und der lauert mittlerweile ja wirklich überall, vom Fruchtjoghurt bis zur Tomatensauce – treibt die Vasopressin-Produktion an.
Und Salz erst! Ein Teufelskreis: Wir essen salzig, werden durstig, der Körper gerät in Panik und denkt: Fett speichern! Sofort! Da sitzt man dann abends mit seinen Salzstangen vor dem Fernseher und ahnt nicht, dass der Körper gerade in den Murmeltier-Modus schaltet.
Was tun? Trinken, trinken, trinken!
Die gute Nachricht – denn die gibt es, versprochen! – lautet: Ausreichend Wasser zu trinken könnte tatsächlich schützend wirken. Wenn wir unseren Körper davon überzeugen, dass alles in Ordnung ist, dass kein Wassermangel droht, dann lässt er vielleicht auch die panische Fettspeicherung sein.
Klingt fast zu einfach, oder?
Natürlich ist es nicht ganz so simpel. Aber die Forschung zeigt, dass gut hydrierte Menschen niedrigere Spiegel dieser problematischen Hormone haben. Und in Zeiten des Klimawandels, wo es immer wärmer wird und wir alle mehr schwitzen, ist das Thema wichtiger denn je. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, mein Wasserglas ab jetzt mit anderen Augen zu sehen.
Und wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet – ich muss dringend nachschenken.
Prost!
Hier schreibt: Marlene Sommer übersetzt komplizierte Forschungsergebnisse in unterhaltsame Kolumnen, die zeigen, dass die Natur oft absurder ist als jede Dating-App. Nach ihrer eigenen chaotischen Scheidung vor drei Jahren hat sie ein besonderes Gespür für die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen entwickelt.




