Sexualität und MS? Ja, das ist ein Thema. Und ja, es ist kompliziert.
Mein Leben mit MS:
Hallo und herzlich willkommen bei MS-Voices! Ich bin Irene, und hier dreht sich alles um das Leben mit Multipler Sklerose (MS). Als ich vor einigen Jahren die Diagnose erhielt, hat sich mein Alltag auf den Kopf gestellt – und ich war plötzlich mit unzähligen Fragen, Ängsten und Herausforderungen konfrontiert. In diesem Blog möchte ich meine persönlichen Erfahrungen mit euch teilen und Menschen eine Stimme geben, die unter MS leiden. Wie ist das wirklich, mit MS zu leben? Wie verändert es den Alltag, die Beziehungen und die Zukunftsplanung? Hier gibt es ehrliche Einblicke, praktische Tipps und die ein oder andere Anekdote aus meinem Leben – direkt aus dem Herzen einer Betroffenen.
Über 70 Prozent der Männer und etwa 50 Prozent der Frauen mit MS haben sexuelle Probleme. Aber darüber reden? Fehlanzeige. Nicht beim Arzt, nicht beim Partner, nicht mal mit sich selbst.
Dabei ist es so: MS greift direkt ins Nervensystem ein. Und genau diese Nerven sind auch für deine Sexualität zuständig. Was passiert also?
Bei Frauen: Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Sex, Probleme beim Orgasmus. Die Erregung kommt nicht so richtig in Gang, und wenn doch, dann fühlt sich alles anders an. Taubheitsgefühle in der Vagina oder Klitoris machen es nicht besser.
Bei Männern: Erektionsstörungen, Probleme mit der Ejakulation, vermindertes sexuelles Verlangen. Die Lust ist da, aber der Körper spielt nicht mit.
Und dann gibt es noch die indirekten Probleme: Fatigue. Du bist so erschöpft, dass du an Sex gar nicht erst denkst. Blasenprobleme. Die Angst, dass beim Sex was schiefgeht, killt jede Stimmung. Spastik. Manche Positionen gehen einfach nicht mehr. Schmerzen. Wer Schmerzen hat, will keinen Sex.
Und dann ist da noch der Kopf: Du fühlst dich nicht mehr attraktiv. Dein Partner wird zum Pfleger, und das passt nicht zusammen mit Liebhaber. Ihr redet nicht mehr darüber, was ihr wollt und braucht. Die MS steht plötzlich im Bett zwischen euch.
Ich erinnere mich an eine Podcast-Folge mit einer Betroffenen, die sagte: “Ich hatte Angst, dass mein Mann mich nicht mehr begehrt, weil ich nicht mehr die bin, die ich war. Bis er mir sagte, dass er Angst hatte, mir wehzutun.” Beide hatten Angst. Beide haben geschwiegen. Bis sie endlich geredet haben.
Was kannst du tun?
Rede darüber. Mit deinem Partner. Mit deinem Arzt. Mit deiner Frauenärztin oder deinem Urologen. Es gibt Lösungen. Gleitgel bei Scheidentrockenheit. Medikamente bei Erektionsproblemen. Beckenbodentraining. Andere Positionen ausprobieren.
Nimm den Druck raus. Sex muss nicht immer mit Orgasmus enden. Zärtlichkeit zählt auch. Körperliche Nähe. Streicheln. Küssen. Das ist alles Sex.
Seid kreativ. Was früher funktioniert hat, muss heute nicht mehr klappen. Aber es gibt so viel mehr zu entdecken. Andere Berührungen, andere Stellungen, andere Wege zur Lust.
Holt euch Hilfe. Paartherapie kann helfen. Sexualtherapie auch. Es gibt Fachleute, die wissen, wie man mit MS und Sexualität umgeht.
Ein Sexualtherapeut sagte mal: “Sexualität ist nicht nur Geschlechtsverkehr. Intimität hat viele Gesichter.” Genau das. Findet eures.
MS verändert vieles. Aber sie muss nicht das Ende eurer Sexualität sein. Redet miteinander. Probiert aus. Und gebt nicht auf.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Beitrag zu lesen! Ich hoffe, dass meine Erfahrungen dir ein Stück Klarheit oder Ermutigung schenken konnten. Als ich die Diagnose MS bekam, fühlte ich mich oft allein und überfordert. Genau deshalb habe ich ein Buch geschrieben, das ich selbst damals so dringend gebraucht hätte. „Spring, damit du fliegen kannst.: Ein Selbsthilfe-Ratgeber für MS-Erkrankte und ihre Angehörigen.“ Es ist bei Minerva-Vision erschienen. Wenn du Interesse hast, schau es dir gerne an – vielleicht ist es genau das, was auch dir weiterhelfen kann. Oder hör dir meinen Podcast „MS-Voices“ an. Bis zum nächsten Mal!
Du hast auch MS und möchtest mit mir in meinem Podcast darüber sprechen? Dann schreib mir eine Mail an: redaktion@minerva-vision.de.




