Warum Brokkoli schlauer ist als wir dachten
Oder: Wie du mit Gemüse mehrere Krankheiten auf einmal austrickst
Stell dir vor, es gäbe ein Medikament, das gleichzeitig vor Krebs, Herzinfarkt UND Diabetes schützt. Die Pharmaindustrie würde Milliarden damit verdienen, und wir würden es für das achte Weltwunder halten. Die gute Nachricht: Es gibt so etwas. Die noch bessere Nachricht: Es wächst im Garten, kostet fast nichts und schmeckt auch noch gut. Die schlechte Nachricht: Es ist Gemüse. Und dagegen sind wir Deutschen seltsam resistent.
400.000 Menschen können nicht irren
Eine große europäische Studie mit über 400.000 Teilnehmern aus sechs Ländern – darunter auch Deutschland – hat etwas herausgefunden, was eigentlich unsere Großmütter hätten schreiben können: Wer mehr Pflanzen isst, wird seltener krank. Aber Moment – es wird noch besser. Die Forscher der Universität Wien fanden heraus, dass eine pflanzenbetonte Ernährung nicht nur einzelne Krankheiten verhindert, sondern das Risiko für sogenannte “Multimorbidität” um 32 Prozent senkt.
Multimorbidität – das klingt wie ein Schimpfwort, ist aber leider Realität für viele Menschen ab 60. Es bedeutet: Sie haben nicht nur EINE chronische Krankheit, sondern gleich mehrere auf einmal. Krebs UND Diabetes UND Herzprobleme. Das ist wie ein Vollsortiment des Leidens.
Die Wahrheit über unseren Körper
Hier wird es interessant: Unser Körper ist kein Auto, wo man einzelne Teile austauschen kann. Er ist eher wie ein Orchester. Und wenn der erste Geiger ausfällt, klingt das ganze Stück schief. Genau deshalb ist es so genial, wenn eine Ernährungsweise gleich mehrere Instrumente gleichzeitig schützt.
“Man muss also nicht vollständig auf tierische Produkte verzichten. Eine stärkere pflanzenbasierte Ernährung kann bereits einen positiven Effekt haben”, sagt Studienleiterin Reynalda Córdova. Das ist doch mal eine Botschaft! Du musst nicht sofort Veganer werden und heimlich von einem Schnitzel träumen. Ein “Mehr” an Pflanzen reicht schon.
Das Geheimnis der bunten Teller
Was macht denn nun so ein “gesundes pflanzliches Ernährungsmuster” aus? Die Forscher zählten dazu: viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen – und sogar vegane Ersatzprodukte wie Würstchen und Burger. Weniger Fleisch und Fleischprodukte. So einfach ist das.
Stell dir vor, dein Teller wäre eine Ampel: Grün sollte dominieren, gelb ist okay in Maßen, und rot sollte die Ausnahme bleiben. Nur dass bei dieser Ampel niemand hupt, wenn du bei Grün nicht sofort losfährst.
Der Alters-Bonus
Besonders schön: Die pflanzenbetonte Ernährung wirkt sowohl bei Menschen unter 60 als auch bei denen über 60. “Unsere Studie unterstreicht, dass eine gesunde, pflanzenbetonte Ernährung nicht nur einzelne chronische Erkrankungen beeinflusst, sondern auch das Risiko für das gleichzeitige Auftreten mehrerer chronischer Krankheiten reduzieren kann und das sowohl bei Menschen mittleren als auch höheren Alters”, fasst Córdova zusammen.
Das heißt: Es ist nie zu spät für mehr Gemüse! Auch wenn du schon 70 bist und bisher geglaubt hast, Brokkoli sei nur grüne Dekoration.
Der Klima-Bonus obendrauf
Karl-Heinz Wagner von der Universität Wien, Mitautor der Studie und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung, bringt es auf den Punkt: “Die Ergebnisse zeigen wie wichtig eine vorwiegend pflanzliche Ernährung für unsere Gesundheit ist und untermauern damit die neuen österreichischen Ernährungsempfehlungen, die pflanzenbetont mit einem geringen Anteil tierischer Lebensmittel sind. Ein positiver Zusatzeffekt einer pflanzenbetonten Ernährung ist eine starke Reduktion der Treibhausgasemissionen sowie der Landnutzung.”
Mit anderen Worten: Wir tun nicht nur uns selbst etwas Gutes, sondern auch dem Planeten. Das ist wie zweimal Lotto spielen und zweimal gewinnen.
Die Sache mit der deutschen Sturheit
Jetzt werden manche sagen: “Also Jonas, das ist ja alles schön und gut, aber ich bin Deutscher. Wir essen Fleisch!” Verstehe ich. Aber schau mal: Diese Studie umfasste auch Deutsche. Und siehe da – auch deutsche Körper freuen sich über mehr Pflanzen. Wer hätte das gedacht?
Das Schöne ist: Niemand verlangt von dir, dass du von heute auf morgen nur noch Gras knabberst. Fang klein an. Montag mal ohne Wurst. Dienstag Linsensuppe statt Gulasch. Mittwoch den Salat nicht nur als Deko betrachten.
Die Medizin der Zukunft wächst im Garten
Was mich besonders freut: Diese Studie zeigt, wie Präventionsmedizin funktioniert. Statt zu warten, bis wir krank sind, und dann mit Pillen zu reparieren, können wir mit dem, was wir essen, dafür sorgen, dass wir gar nicht erst krank werden.
Die Pharmaindustrie wird das nicht gerne hören, aber die beste Apotheke ist der Gemüsegarten. Und die Nebenwirkungen? Sie schmecken gut, machen satt und schonen das Portemonnaie.
Das Fazit für den Kühlschrank
Die 400.000 Menschen dieser europäischen Studie haben uns einen Dienst erwiesen. Sie haben bewiesen, was viele schon ahnten: Mehr Pflanzen auf dem Teller bedeuten weniger Probleme im Körper.
Ihr müsst nicht perfekt werden, nicht sofort alles ändern. Aber ihr könnt heute anfangen. Mit einer Tomate mehr. Einer Scheibe Vollkornbrot. Einem Apfel zwischendurch.
Euer Körper wird es euch danken. Und zwar nicht nur an einer Stelle, sondern überall gleichzeitig. Das ist echte Multitasking – nur diesmal im positiven Sinne.
In diesem Sinne: Ran an die Möhren!
Euer Jonas
P.S.: Die Studie ist übrigens im renommierten Fachmagazin “The Lancet Healthy Longevity” erschienen. Falls ihr das beim nächsten Smalltalk erwähnen möchtet.
Hier schreibt Jonas Weber vom Minerva-Vision-Team. Mit einer Mischung aus fundierter Forschung und einer Portion Humor vermittelt er komplexe Themen verständlich und unterhaltsam. Wenn er nicht gerade über die neuesten Erkenntnisse aus der Gehirnforschung schreibt, findet man ihn bei einem guten Espresso, auf der Suche nach dem perfekten Wortspiel oder beim Diskutieren über die großen Fragen des Lebens – zum Beispiel, warum man sich an peinliche Momente von vor zehn Jahren noch glasklar erinnert, aber nicht daran, wo man den Autoschlüssel hingelegt hat.




