Größenwahn im Glitzeranzug: Was kann sich dieser Gianni Infantino eigentlich noch leisten?
Sommer an der Mosel und ein FIFA-Skandal: Wenn der Fußball seine Seele verliert
Es ist eine Hitze da draußen, bei der man jeden schweren Rotwein sofort strecken muss. Deshalb sitze ich heute Nachmittag im Schatten auf der Terrasse und habe mir einen eisgekühlten Weißwein eingegossen. Und was für einen! Er schmeckt nach purem Sommer, nach Sonne und ehrlicher Arbeit. „Der Sommer war sehr groß“ heißt der Tropfen – eine wunderbare Verneigung vor Rilke. Ich habe ihn bei einem sympathischen Winzerpaar in Bremm an der Mosel entdeckt. Steillage. Wunderbar.
Während ich also an diesem kühlen Moselwein nippe und ab und zu einen simplen, guten Käsewürfel aufspieße, schlage ich die Zeitung auf. Und im nächsten Moment verschlucke ich mich fast, setze das Glas hart ab und frage mich ernsthaft, ob mir die Sommerhitze nicht doch zu Kopf gestiegen ist.
Ich frage dich jetzt mal ganz direkt, ohne jeden diplomatischen Weichspüler: Was kann sich dieser Gianni Infantino eigentlich noch leisten, bevor ihn endlich jemand vom Platz stellt?!
Wir erleben gerade dieses riesige WM-Spektakel, und anstatt dass es um Fußball geht – um den Geruch von nassem Rasen, um ehrlichen Schweiß, um das Drama von Niederlage und Triumph –, dreht sich alles nur noch um das bodenlose Ego eines einzigen Mannes, der die FIFA endgültig mit seinem privaten Selbstbedienungsladen verwechselt.
Regelbruch bei der WM: Wie für Gianni Infantino eine Rote Karte gelöscht wird
Da rackern sich Sportler ab wie die Winzer im Bremmer Calmont, und was macht der Chef? Er bricht alle Regeln! Der US-Stürmer Folarin Balogun kassiert im Viertelfinale eine glasklare Rote Karte. Im normalen Leben heißt das: Sperre, ab auf die Tribüne, Nachdenken. Aber was passiert heute? Das Weiße Haus greift zum Hörer, ruft in Zürich an, und – simsalabim! – friert die FIFA die Sperre über irgendeinen obskuren Paragrafen 27 einfach ein! Ein rotes Tuch wird weiß gezaubert, weil es der Macht gerade in den Kram passt. Wo sind wir denn eigentlich gelandet?!
FIFA-Friedenspreis und 64-Teams-WM: Der grenzenlose Größenwahn im Fußball
Als ob das nicht reichte, erfindet dieser Mann im Alleingang einen „FIFA-Friedenspreis“ – eine Auszeichnung, die die Welt so dringend braucht wie eine Fußpilz-App –, nur um ihn dann salbungsvoll an Politiker zu überreichen und sich im Glanz der Mächte zu sonnen. Oder wie er versucht hat, Israel und Palästina auf einer Bühne zu einen…. Fassungslos saß ich vor dem Bildschirm. Und jetzt droht er uns allen Ernstes schon mit einer WM aus 64 Teams für die Zukunft! Warum nicht gleich 128? Warum lassen wir nicht demnächst jede Sparkassen-Filiale und jeden Schrebergarten-Verein mitspielen, Hauptsache, das Konto quillt über vor neuen Daten-Deals und TV-Verträgen?
Kommerz statt Charakter
Es ist zum aus der Haut fahren! Dieser Mann repräsentiert exakt jene sterile, künstliche VIP-Logen-Welt, die mir so unendlich zuwider ist. Das ist dieselbe Mentalität, die uns weismachen will, man müsse sein Gesicht mit Botox glattbügeln, sein Leben per Smartphone optimieren und in klinisch reinen Safespaces hocken, statt sich dem echten Leben zu stellen. In Infantinos Welt gibt es keine klaren Regeln mehr, keine Kanten, keine verdiente Niederlage. Alles scheint käuflich, alles wird verhandelt, alles wird dem Kommerz untergeordnet.
Der große Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt hat einmal geschrieben: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“ Bei Infantino vermute ich eher: „Was einmal gepfiffen wurde, wird solange gedreht, bis der Kontostand stimmt.“
Wann haben wir eigentlich aufgehört, dem Größenwahn ins Gesicht zu lachen und laut „Stopp!“ zu rufen? Warum knicken Verbände, Sponsoren und Politik vor einem Funktionär ein, der sich aufführt wie ein absolutistischer Sonnenkönig im maßgeschneiderten Zweireiher? Ein Mann, der wahrscheinlich noch nie in seinem Leben mit schlammigen Schuhen auf einem Ascheplatz stand und den Ball einfach nur geliebt hat?
Rote Karte für Infantino: Zeit für echte Haltung statt Glitzer-Fußball
Echte Kultur – egal ob in der Literatur, im Weinbau oder eben im Sport – lebt von der Integrität und dem Respekt vor dem Handwerk. Ein Spiel verliert seine Seele, wenn die Regeln nur noch für die Kleinen gelten und die Großen sie sich in den klimatisierten Hinterzimmern der Macht zurechtbiegen.
Ich für meinen Teil ziehe jetzt die Konsequenzen. Den Fernseher lasse ich heute Abend aus. Ich nehme mir noch ein paar Käsewürfel, schenke mir ein weiteres Glas von diesem großartigen Mosel-Weißwein ein und lese ein gutes, altes Buch. Eins mit Haltung.
Und Herrn Infantino rufe ich aus der Ferne zu: Rote Karte! Und zwar lebenslang! Man kann sich die Welt nicht einfach kaufen, du Glitzer-König – auch nicht mit 64 Mannschaften! Aber das ist eben nur meine Meinung. Und darauf habe ich ein gutes Recht!
Ehrliche Worte ohne Weichspüler: Ute Lindner liebt Katzen und will verstehen, was hinter ihren Köpfen vor sich geht. Außer Katzen liebt sie Bücher, guten Rotwein und Gespräche, die auch mal wehtun dürfen, am liebsten mit ihrer Seelenkatze Trudi auf dem Schoß. Vom Schönheitswahn und von Fitness-Apps hält sie nichts, dafür umso mehr von klaren Worten, warmem Apfelkuchen mit Sahne und einer Katze, die ihr ohne ein einziges Wort sagt, was sie von ihr hält.




