Finley der HoviPudel, Rassestandards frei interpretiert
Die mit dem Hund geht… Wie das Leben mit Hund wirklich abläuft.

Hier schreibt: Birgit Jaklitsch. Als die Juristin mit ihrem Golden Retriever Rüden Finley einen “vollkommen unerziehbaren Hund” hatte, entschloss sie sich, selbst eine Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen. Ihren kritischen Blick als Gerichtsreporterin hat sie sich erhalten und gewinnt dadurch immer wieder humorvolle Erkenntnisse auf das Leben mit dem Hund. Birgit Jaklitsch hat eine Kolumne im Magazin Hundewelt und ist Buch-Autorin.
Manchmal ist es zum Mäusemelken.
Neulich ging ich mit Finley in unser Dorf. Plötzlich stand meine Nachbarin Frau Nörgel neben mir. Sie hatte ihre in Lavendelduft getauchten Freundinnen dabei.
„Guten Tag, Frau Nachbarin“, sagte sie. Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte sie sich an ihr Gefolge und stellte mich vor. „Das ist meine Nachbarin mit dem Bretterzaun, ihr wisst schon und ihr Hund.“
Eine Dame in Hellblau sagte mit Blick auf Finley: „Was bist Du denn für einer?“ „Oh, das ist Finley“, antwortete ich, in der Hoffnung, dass wir nun einfach weitergehen konnten. „Soso, Du bist ein Finley, ahaaa“, sagte sie, „ein Finley welcher Rasse? Haben wir denn überhaupt eine Rasse?“ Ist das nicht eigentlich sch*#*egal, dachte ich. Laut antwortete ich: „Er ist ein Golden Retriever.“
„Oh nein, das kann nicht sein“, mischte sich die Dame, links neben ihr ein. Sie strich sich energisch eine blondierte Haarsträhne aus dem Gesicht und sah Finley prüfend an. Nun entbrannte eine hitzige Diskussion über Finleys Rassezugehörigkeit zwischen Frau Nörgel und ihren Freundinnen, die allesamt soviel Ahnung von Hunden hatten, wie ich vom Schiffsbau. Meine Versuche auf Richtigstellung waren kläglich, aber letztlich zählt ja das Finale.„Die Schwägerin meiner Tochter hatte mal so einen Hund. Das war ein Hovawart“, sagte die hellblaue Dame.
„Nein, die sind größer“, entgegnete ich. „Der von der Schwägerin meiner Tochter nicht“, konterte sie. Daraufhin Frau Nörgel: „Genau, ein Goldi hat viel helleres Fell. Bei uns um die Ecke wohnt einer, der ist fast weiß.“
Ich: „Das hat doch nichts zu sa…“
Finley hatte sich hingelegt, sein Blick sagte: „Sieh zu, wie du da wieder rauskommst.“ Ich kam nicht zum Nachdenken, denn die blondierte Dame hatte noch etwas zu sagen:
„Ob der überhaupt reinrassig ist? Mein Sohn sagt, heutzutage ist fast überall ein Pudel drinnen.“
Ich: „Doch, ist er. Reinrassig, meine ich. Ich habe das schriftlich, äh, eine Ahnentafel.“
Frau Nörgel: „Ach meine Liebe, Papier ist geduldig.“ Mein Eispickel nicht, dachte ich.
Ich sagte: „Vom Verein, ehrlich. Die Eltern kenn ich auch, reinrassige Goldis.“
„Ach herrje“, rief die blondierte Dame, „machen sie sich doch nichts draus, wenn sie die richtigen Eltern nicht kennen.“
Das war der Moment, in dem sich mein inneres Ooohhmmm einschaltete: „Nicht ärgern, Birgit. Sie meinen es nicht böse, sie wollen nur spielen.“ Also nahm ich den alten Damen den Wind aus den Segeln und sagte:
„Sie haben ja sooo recht! Sein Vater war ein Hovipudel und seine Mutter eine Perserkatze MIT Stammbaum. Oh, schon so spät! Ich muss jetzt leider weiter. Der Schwager meines Onkels, mütterlicherseits hat uns zum Geburtstag seiner Nichte, väterlicherseits eingeladen. Zur Feier des Tages wollen wir die Hunde in ihrer Straße kreuzen. Wir nennen das Hunderoulette.“ Als die Damen gingen, hinterließen sie ihren Lavendelduft, gepaart mit einem feinen Hauch von Entrüstung in der Herznote.

Lust auf mehr? Dann empfehlen wir “Dickes Fell und langer Atem” – Vom Überleben an der Schleppleine. Die Leserkommentare: “Zum Brüllen komisch”, “Einfach herrlich”, “Habe mich wieder erkannt” und “Wann kommt der nächste Jaklitsch?”. Birgit Jaklitschs Buch erschien im Minerva-Verlag und ist in jedem Buchhandel erhältlich oder direkt im Minervastore. www.Minervastore.de.




