Mein Leben mit MS: Gleichstellung – der kleine Bruder des Schwerbehindertenausweises
Das Wichtigste in Kürze: Was bringt mir die Gleichstellung mit GdB 30 oder 40?
Die Gleichstellung gibt dir den gleichen Kündigungsschutz wie bei einem Schwerbehindertenausweis – aber ohne Zusatzurlaub und Steuervorteile. Sie macht Sinn, wenn dein Arbeitsplatz wegen MS gefährdet ist oder du einen neuen Job suchst. Du bekommst Unterstützung vom Integrationsamt und Hilfen zur Arbeitsplatzausstattung. Beantragen kannst du sie bei der Agentur für Arbeit mit Nachweis deines GdB 30 oder 40.
✨ Minerva VISION Insight: Arbeitgeber müssen eine Schwerbehindertenquote erfüllen – mit Gleichstellung zählst du dazu, was deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern kann.
Aber lies weiter…
Willkommen bei MS-Voices
Hallo und herzlich willkommen bei MS-Voices! Ich bin Irene, und hier dreht sich alles um das Leben mit Multipler Sklerose (MS). Als ich vor einigen Jahren die Diagnose erhielt, hat sich mein Alltag auf den Kopf gestellt – und ich war plötzlich mit unzähligen Fragen, Ängsten und Herausforderungen konfrontiert.
In diesem Blog möchte ich meine persönlichen Erfahrungen mit euch teilen und Menschen eine Stimme geben, die unter MS leiden. Wie ist das wirklich, mit MS zu leben? Wie verändert es den Alltag, die Beziehungen und die Zukunftsplanung? Hier gibt es ehrliche Einblicke, praktische Tipps und die ein oder andere Anekdote aus meinem Leben – direkt aus dem Herzen einer Betroffenen.
GdB 30 oder 40 – und jetzt?
Du hast einen GdB von 30 oder 40. Keinen Schwerbehindertenausweis.
Aber du kannst eine Gleichstellung beantragen.
Was heißt das?
Du wirst rechtlich einem schwerbehinderten Menschen gleichgestellt. Mit fast denselben Rechten.
Fast. Nicht ganz. Aber nah genug, um dir im Job zu helfen.
Wann macht eine Gleichstellung Sinn?
Wenn dein Arbeitsplatz gefährdet ist. Weil du aufgrund deiner MS nicht mehr so leistungsfähig bist wie früher. Weil du öfter ausfällst. Weil dein Chef ungeduldig wird.
Wenn du einen Arbeitsplatz suchst. Weil Arbeitgeber eine Schwerbehindertenquote erfüllen müssen. Und mit Gleichstellung zählst du dazu.
Was bekommst du durch die Gleichstellung?
Besonderer Kündigungsschutz. Wie bei GdB 50. Der Arbeitgeber braucht die Zustimmung des Integrationsamts, bevor er dir kündigen kann. Das ist eine echte Hürde.
Unterstützung durch das Integrationsamt. Die können deinen Arbeitsplatz technisch anpassen, ergonomische Möbel bezahlen, Hilfsmittel finanzieren.
Hilfen zur Arbeitsplatzausstattung. Alles, was dir das Arbeiten erleichtert – vom höhenverstellbaren Schreibtisch bis zur speziellen Software.
Was bekommst du NICHT?
Zusatzurlaub. Den gibt es nur ab GdB 50. Mit Gleichstellung hast du keinen Anspruch auf die fünf zusätzlichen Urlaubstage.
Steuervorteile. Auch die nur ab GdB 50. Der Pauschbetrag für behinderte Menschen greift erst ab einem höheren GdB.
Ermäßigungen im öffentlichen Nahverkehr. Nur ab GdB 50 mit bestimmten Merkzeichen. Die Gleichstellung bringt dir hier nichts.
Wo beantragst du die Gleichstellung?
Bei der Agentur für Arbeit. Mit Nachweis deines GdB. Mit Begründung, warum dein Arbeitsplatz gefährdet ist.
Du musst glaubhaft machen: Ohne Gleichstellung bin ich meinen Job los. Mit Gleichstellung kann ich ihn behalten.
Wichtig zu wissen
Die Gleichstellung ist keine automatische Sache. Die Agentur für Arbeit prüft, ob du sie wirklich brauchst. Ob dein Arbeitsplatz tatsächlich gefährdet ist.
Wenn du arbeitslos bist und keine konkrete Jobperspektive hast, wird die Gleichstellung oft abgelehnt. Sie ist ein präventives Instrument – kein nachträglicher Schutz.
Mein Fazit: Besser als nichts
Gleichstellung ist der kleine Bruder des Schwerbehindertenausweises. Nicht so umfassend, aber besser als nichts.
Wenn du im Job bist und dein Arbeitsplatz wackelt – beantrage die Gleichstellung. Sie kann dir den entscheidenden Schutz geben.
Wenn du arbeitslos bist oder keine akute Gefährdung vorliegt – dann lohnt sich der Aufwand vielleicht nicht.
Aber eins ist klar: Kündigungsschutz ist Gold wert. Und den bekommst du mit der Gleichstellung.
Über die Autorin
Irene ist die Stimme hinter MS-Voices. Nach ihrer MS-Diagnose vor einigen Jahren hat sie beschlossen, ihre Erfahrungen zu teilen und anderen Betroffenen Mut zu machen. Auf ihrem Blog schreibt sie ehrlich und direkt über den Alltag mit Multipler Sklerose – mit all seinen Höhen, Tiefen und überraschenden Wendungen.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Beitrag zu lesen! Ich hoffe, dass meine Erfahrungen dir ein Stück Klarheit oder Ermutigung schenken konnten. Als ich die Diagnose MS bekam, fühlte ich mich oft allein und überfordert. Genau deshalb habe ich ein Buch geschrieben, das ich selbst damals so dringend gebraucht hätte. „Spring, damit du fliegen kannst.: Ein Selbsthilfe-Ratgeber für MS-Erkrankte und ihre Angehörigen.“ Es ist bei Minerva-Vision erschienen. Wenn du Interesse hast, schau es dir gerne an – vielleicht ist es genau das, was auch dir weiterhelfen kann. Oder hör dir meinen Podcast „MS-Voices“ an. Bis zum nächsten Mal!
Du hast auch MS und möchtest mit mir in meinem Podcast darüber sprechen? Dann schreib mir eine Mail an: redaktion@minerva-vision.de.




