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Johanniskraut – Sonnenlicht für dunkle Tage

Das Wichtigste in Kürze: Warum Johanniskraut dein Begleiter durch dunkle Zeiten sein kann

Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist nachweislich wirksam bei leichten bis mittelschweren Depressionen und wirkt genauso gut wie synthetische Antidepressiva – nur besser verträglich. Die Pflanze hebt die Stimmung, lindert Angstzustände und nervöse Unruhe, hilft bei Erschöpfung und Schlafstörungen. Das berühmte Rotöl wirkt äußerlich bei Wunden, Verbrennungen, Nervenschmerzen und Verspannungen. Wichtig: Die Wirkung setzt erst nach 2-3 Wochen ein – Geduld ist nötig.

⚠️ Aber Vorsicht: Johanniskraut kann die Wirkung vieler Medikamente beeinflussen – besonders die Antibabypille, Blutverdünner und Immunsuppressiva. Auch macht es die Haut lichtempfindlicher. Sprich mit deinem Arzt, wenn du Medikamente nimmst.

Minerva VISION Insight: Zerreibe eine Johanniskrautblüte zwischen den Fingern – sie färben sich blutrot! Das ist Hypericin, das gespeicherte Sonnenlicht der Sommersonnenwende. Paracelsus schrieb: “Gott hat ein großes Geheimnis in dieses Kraut gelegt gegen die Verzweiflung.”
💡 Redaktions-Tipp: Bei ersten Anzeichen von Winterblues oder Verstimmung: 2-3 Tassen Johanniskrauttee täglich über mindestens 4 Wochen. Durchhalten lohnt sich – viele berichten, dass die Welt nach einigen Wochen wieder Farbe bekommt.

Aber lies weiter…

  • Teil 1: Schafgarbe – Das vergessene Frauenkraut der Achilles
  • Teil 2: Brennnessel – Die unterschätzte Königin der Heilpflanzen
  • Teil 3: Johanniskraut – Sonnenlicht für dunkle Tage ← Du bist hier
  • Teil 4: Frauenmantel – Schutzmantel für jede Lebensphase (erscheint nächste Woche)
  • Teil 5: Spitzwegerich – Der Hustenheiler am Wegesrand (in 2 Wochen)
  • Teil 6: Ringelblume – Calendulas goldene Heilkraft (in 3 Wochen)
  • Teil 7: Beifuß – Die kraftvolle Mutter aller Kräuter (in 4 Wochen)
  • Teil 8: Gänsefingerkraut – Der Krampflöser aus der Wiese (in 5 Wochen)

Die Pflanze des Lichts und der Sommersonnenwende

Es gibt Pflanzen, die tragen das Licht in sich. Das Johanniskraut ist so eine. Wenn du eine Blüte zwischen den Fingern zerreibst, färben sie sich rot. Blutrot. Das ist das gespeicherte Sonnenlicht, das die Pflanze für uns bereithält. Für die dunklen Tage, wenn die Seele schwer wird. Für die Zeiten, wenn wir das Gefühl haben, in einem Tunnel zu sein ohne Ausgang.

Ich habe in meinen über vierzig Jahren mit Heilkräutern viele Menschen erlebt, denen das Johanniskraut geholfen hat. Menschen, bei denen die Freude verloren gegangen war. Menschen, die nur noch Grau sahen, wo früher Farben waren. Und das Johanniskraut hat ihnen das Licht zurückgebracht. Nicht von heute auf morgen. Aber langsam, beständig, zuverlässig.

Paracelsus, der große Arzt und Naturkundige, schrieb schon im sechzehnten Jahrhundert: Gott hat ein großes Geheimnis in dieses Kraut gelegt, allein wegen der Geister und tollen Fantasien, die den Menschen in Verzweiflung bringen. Er erkannte, was wir heute wissen: Das Johanniskraut ist Medizin für die Seele. Es ist Licht für den Geist. Es ist Hoffnung für die Verzweifelten.

Der Name Johanniskraut kommt von Johannes dem Täufer, dessen Geburt am vierundzwanzigsten Juni gefeiert wird. Genau zu dieser Zeit, zur Sommersonnenwende, wenn die Sonne am höchsten steht, beginnt das Johanniskraut zu blühen. Das ist kein Zufall. Diese Pflanze ist verbunden mit dem Licht, mit der Sonne, mit der längsten Zeit des Tages im Jahr.

Die alten Germanen nannten diese Zeit die Sonnenwende. Sie feierten das Licht, entzündeten Feuer, tanzten um die Flammen. Und sie wussten: Das Johanniskraut, das jetzt blüht, trägt die Kraft der Sonne in sich. Sie hängten es über die Türen, um böse Geister fernzuhalten. Sie trugen es bei sich als Schutz. Es war eine heilige Pflanze, eine magische.

Im Volksmund heißt das Johanniskraut auch Herrgottsblut oder Johannisblut. Wenn du die gelben Blüten zerreibst, tritt ein tiefroter Saft aus. Die Menschen früher glaubten, das sei das Blut von Johannes dem Täufer. Heute wissen wir: Es ist Hypericin, ein roter Farbstoff, der in den Öldrüsen der Blütenblätter steckt. Aber die Symbolik bleibt stark: Blut ist Leben. Rot ist Kraft. Das Johanniskraut gibt uns diese Lebenskraft, wenn wir sie verloren haben.

Der lateinische Name Hypericum perforatum erzählt eine andere Geschichte. Perforatum bedeutet durchlöchert. Wenn du ein Blatt gegen das Licht hältst, siehst du unzählige kleine durchscheinende Pünktchen. Das sind Öldrüsen. Sie sehen aus, als hätte jemand das Blatt mit Nadeln durchstochen. Diese Öldrüsen speichern die Wirkstoffe, die ätherischen Öle, die heilenden Substanzen.

Und Hypericum? Das Wort kommt vielleicht von Hyperion, dem Titanen der griechischen Mythologie, der mit der Göttin Theia den Sonnengott Helios zeugte. Hyperion bedeutet der Obere, der über allem Stehende. Das passt zu einer Pflanze, die das Licht liebt, die zur Sonne strebt, die uns aus der Dunkelheit herausholt.

Das Johanniskraut wächst an sonnigen Orten. An Wegrändern, auf trockenen Wiesen, an Waldrändern, auf Böschungen. Es mag keine Schatten. Es will Licht, so viel Licht wie möglich. Und was es aufnimmt, gibt es an uns weiter. Das ist das Wunderbare daran.

So erkennst du das Johanniskraut überall

Das Echte Johanniskraut ist eine ausdauernde Pflanze, die bis zu einen Meter hoch wird. Aus einem verzweigten Wurzelstock wachsen im Frühjahr mehrere Stängel. Diese Stängel sind besonders: Sie haben zwei Längskanten, sind zweikantig. Das ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Andere Johanniskrautarten haben runde oder vierkantige Stängel. Beim Echten Johanniskraut sind es genau zwei Kanten.

Die Blätter sind länglich-oval, bis zu drei Zentimeter lang, ohne Stiel direkt am Stängel ansitzend. Sie stehen gegenständig, paarweise. Und sie haben diese charakteristischen durchscheinenden Pünktchen, die Öldrüsen. Halte ein Blatt gegen das Licht! Wenn du die vielen kleinen Punkte siehst, hast du ein Johanniskraut vor dir.

Von Juni bis August, manchmal bis September, blüht die Pflanze. Die Blüten sind das Prächtigste. Goldgelb, leuchtend, fast strahlend. Fünf Blütenblätter, die sich wie ein Stern öffnen. In der Mitte ragen unzählige lange Staubfäden heraus, ebenfalls gelb, wie kleine Sonnenstrahlen. Die Blüten stehen in lockeren Dolden zusammen, an den Enden der verzweigten Stängel.

Und nun das Besondere: Zerreibe eine Blüte oder eine Knospe zwischen den Fingern. Deine Finger färben sich rot! Dieses Rot ist das Hypericin, der heilende Farbstoff, der in den dunklen Pünktchen der Blütenblätter gespeichert ist. Das ist die Sonne, die die Pflanze für uns festgehalten hat. Das ist die Kraft, die sie uns geben will.

Nach der Blüte bilden sich kleine, eiförmige Kapselfrüchte mit vielen winzigen Samen. Aber die meiste Heilkraft steckt in den blühenden Triebspitzen, in Blüten und obersten Blättern. Das ist es, was wir sammeln und nutzen.

Das Johanniskraut kann mit anderen Arten der Gattung Hypericum verwechselt werden. Es gibt fast fünfhundert verschiedene Johanniskrautarten weltweit. Aber die meisten davon wachsen in den Tropen. Bei uns sind etwa neun heimisch. Das Echte Johanniskraut erkennst du an den zweikantigen Stängeln, den durchlöcherten Blättern und dem roten Saft der Blüten. Wenn diese drei Merkmale zusammenkommen, kannst du sicher sein.

Die Heilkräfte, die die Natur hineingelegt hat

Was macht das Johanniskraut zu einem solchen Lichtbringer für die Seele?

Hypericin und Pseudohypericin sind die roten Farbstoffe, die Naphthodiantrone. Diese Stoffe haben eine antidepressive Wirkung. Sie greifen in den Stoffwechsel der Nervenbotenstoffe im Gehirn ein, hemmen bestimmte Systeme, die bei Depressionen aus dem Gleichgewicht geraten sind. Das Hypericin braucht Licht, um zu wirken. Es ist lichtaktiv, photosensibel. Es nimmt Licht auf und gibt seine Kraft ab.

Hyperforin ist ein Phloroglucin, ebenfalls in hoher Konzentration vorhanden. Hyperforin ist besonders wichtig für die antidepressive Wirkung. Es hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und anderen Nervenbotenstoffen im Gehirn. Dadurch stehen diese Stoffe länger zur Verfügung, die Stimmung hebt sich, die Antriebslosigkeit vergeht. Hyperforin ist so kraftvoll, dass es mit synthetischen Antidepressiva mithalten kann. Aber es wirkt sanfter, verträglicher, natürlicher.

Flavonoide, besonders Hyperosid und Rutin, sind ebenfalls reichlich vorhanden, ein bis zwei Prozent. Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe mit vielfältigen Wirkungen. Sie wirken antioxidativ, schützen die Zellen, verbessern die Löslichkeit der anderen Wirkstoffe. Sie sind die Helfer, die dafür sorgen, dass alles zusammenwirkt.

Dazu kommen ätherische Öle, Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate. Alles in perfekter Zusammensetzung. Keine Substanz wirkt allein. Es ist das Zusammenspiel, die Synergie, die die Kraft ausmacht. Deshalb sind Extrakte aus der ganzen Pflanze wirksamer als einzelne isolierte Wirkstoffe.

Die Wissenschaft hat in vielen Studien gezeigt: Johanniskrautextrakte wirken bei leichten bis mittelschweren Depressionen genauso gut wie synthetische Antidepressiva. Aber sie haben weniger Nebenwirkungen, sind besser verträglich, belasten den Körper nicht so sehr. Das ist keine Einbildung, keine Esoterik. Das ist nachgewiesen, wissenschaftlich belegt, anerkannt.

Und doch: Die Pflanze bewahrt ein Geheimnis. Forscher haben herausgefunden, dass im Rotöl nicht das reine Hypericin vorliegt, sondern Derivate davon, abgeleitete Moleküle. Welche genau, wissen sie nicht. Die Natur gibt eben nicht alle ihre Geheimnisse preis.

Bei welchen Leiden das Johanniskraut seine Kraft entfaltet

Nun zum Wichtigsten: Wofür kannst du das Johanniskraut nutzen? Bei welchen Beschwerden entfaltet es seine volle Heilkraft?

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen

Das ist die Hauptanwendung, die wichtigste. Wenn die Seele schwer wird, wenn die Freude verschwindet, wenn alles grau und sinnlos erscheint – dann ist das Johanniskraut da. Es hebt die Stimmung, bringt Licht zurück, lässt die Farben wiederkehren.

Wichtig: Das Johanniskraut wirkt nicht sofort. Du trinkst nicht eine Tasse Tee und fühlst dich besser. Die Wirkung setzt erst nach zwei bis drei Wochen ein. Das ist typisch für Antidepressiva, auch für natürliche. Der Körper braucht Zeit, um sich umzustellen, um ins Gleichgewicht zu kommen. Du musst Geduld haben. Aber wenn du durchhältst, kommt die Wirkung. Zuverlässig, nachhaltig, tief.

Bei schweren Depressionen reicht Johanniskraut allein nicht aus. Da gehörst du zu einem Arzt, brauchst professionelle Hilfe, vielleicht stärkere Medikamente. Johanniskraut ist kein Wundermittel für alle seelischen Leiden. Aber für die vielen Menschen, die unter leichten Verstimmungen leiden, unter Winterblues, unter Antriebslosigkeit, unter dem Gefühl, dass das Leben seine Leichtigkeit verloren hat – für die ist das Johanniskraut ein Geschenk.

Bei Angstzuständen und nervöser Unruhe

Das Johanniskraut beruhigt das Nervensystem. Es nimmt die innere Anspannung, die Rastlosigkeit, die ständige Sorge. Viele Menschen mit Ängsten finden in dieser Pflanze einen stillen Begleiter, der ihnen hilft, wieder ruhiger zu werden.

Bei Erschöpfung und Überlastung

Wenn du dich ausgebrannt fühlst, leer, kraftlos – das Johanniskraut stärkt von innen. Es gibt nicht schnelle Energie wie Koffein. Es baut langsam auf, gibt dem Körper zurück, was er braucht, um weiterzumachen.

Bei Schlafstörungen aus nervöser Unruhe

Wenn du nachts wach liegst, weil die Gedanken kreisen, weil die Sorgen nicht loslassen – das Johanniskraut kann helfen. Es beruhigt den Geist, macht ihn friedlicher. Der Schlaf kommt leichter, ist tiefer, erholsamer.

Bei Wechseljahresbeschwerden

Viele Frauen in den Wechseljahren leiden unter Stimmungsschwankungen, unter depressiven Verstimmungen. Die Hormone spielen verrückt, und die Seele leidet mit. Das Johanniskraut kann diese schwierige Zeit begleiten, kann die emotionalen Wellen glätten.

Äußerlich als Rotöl bei vielen Leiden

Das Johanniskrautöl, das rote Öl, ist ein Schatz für sich. Es hilft bei Wunden, bei Verbrennungen, bei Sonnenbrand. Es lindert Nervenschmerzen, Hexenschuss, Ischias. Es lockert verspannte Muskeln, beruhigt schmerzende Gelenke. Es fördert die Narbenbildung, macht alte Narben weicher, geschmeidiger. Es hilft bei Ekzemen, bei Neurodermitis, bei gereizter Haut.

Das Rotöl ist wundheilungsfördernd, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, antibakteriell und schmerzlindernd. All diese Eigenschaften in einem einzigen Öl! Es sollte in keiner Hausapotheke fehlen.

Wie du das Johanniskraut für dich nutzen kannst

Jetzt zeige ich dir, wie du diese Pflanze konkret anwendest. Für die Seele und für den Körper.

Johanniskrauttee – die innere Anwendung

Für eine Tasse Tee nimmst du einen gehäuften Teelöffel getrocknetes Johanniskraut. Übergieße es mit kochendem Wasser. Decke die Tasse zu und lass den Tee zehn Minuten ziehen. Dann seihe ab.

Trinke zwei bis drei Tassen täglich über mindestens vier Wochen. Morgens und abends, vielleicht noch mittags eine. Die Wirkung kommt nicht sofort, sondern nach zwei bis drei Wochen. Du musst durchhalten. Geduld ist nötig. Aber dann merkst du: Es wird leichter. Die Gedanken werden heller. Die Welt bekommt wieder Farbe.

Der Geschmack ist herb, leicht bitter, nicht unangenehm. Du kannst etwas Honig dazugeben, wenn du möchtest. Aber versuche, dich an den reinen Geschmack zu gewöhnen. Er erinnert dich daran: Das ist Medizin. Das ist Heilung.

Wichtig: Johanniskrauttee ist keine schnelle Lösung für einen schlechten Tag. Es ist eine Kur, eine Behandlung über Wochen. Nimm es ernst, nimm es regelmäßig. Dann wirkt es.

Johanniskraut-Fertigpräparate

In der Apotheke bekommst du Johanniskraut als Kapseln, Tabletten, Tropfen. Diese sind standardisiert, haben einen garantierten Wirkstoffgehalt. Bei mittelschweren Depressionen sind sie sogar verschreibungspflichtig, weil sie als richtiges Arzneimittel gelten.

Die Dosierung ist höher als beim Tee. Oft dreimal täglich eine Kapsel oder Tablette, insgesamt etwa sechshundert bis neunhundert Milligramm Extrakt pro Tag. Auch hier: Die Wirkung kommt erst nach einigen Wochen. Aber sie kommt zuverlässig.

Johanniskrautöl – das kostbare Rotöl

Das Rotöl ist äußerlich anzuwenden. Du stellst es selbst her oder kaufst es in der Apotheke.

Zur Herstellung brauchst du frische Johanniskrautblüten, am besten zur Mittagszeit an einem sonnigen Tag gesammelt. Die Blüten müssen trocken sein, kein Tau, kein Regen. Sonst kann das Öl schimmeln.

Zupfe die Blüten von den Stängeln. Ein paar Blättchen können dabei sein. Fülle ein sauberes Schraubglas etwa zur Hälfte mit den Blüten. Übergieße sie vollständig mit einem guten Pflanzenöl – Olivenöl, Mandelöl, Sonnenblumenöl. Alle Blüten müssen bedeckt sein.

Verschließe das Glas. Stelle es an einen sonnigen, warmen Platz. Eine Fensterbank, die nach Süden zeigt, ist ideal. Das Licht ist wichtig! Die Sonne muss auf das Glas scheinen. Nur so können sich die Wirkstoffe richtig lösen.

Lass das Glas vier bis sechs Wochen stehen. Schüttle es täglich einmal. Du wirst sehen: Nach etwa einer Woche beginnt sich das Öl rot zu färben. Nach vier Wochen ist es tief dunkelrot, fast wie Blut. Dann ist es fertig.

Seihe das Öl durch ein feines Tuch oder einen Kaffeefilter ab. Fülle es in dunkle Flaschen. Beschrifte sie mit Name und Datum. Dunkel und kühl gelagert hält sich das Rotöl etwa ein Jahr.

Zur Anwendung trägst du das Öl auf die betroffenen Stellen auf. Bei Verbrennungen, bei Sonnenbrand, bei Wunden. Bei Nervenschmerzen, bei Hexenschuss, bei verspanntem Rücken. Massiere es sanft ein. Die Wärme und die Wirkstoffe dringen tief ein, heilen, beruhigen, lindern.

Für Rückenschmerzen gibt es die Breuss-Massage, benannt nach dem Heiler Rudolf Breuss. Dabei wird der Rücken mit viel Johanniskrautöl massiert, die Wirbelsäule sanft bearbeitet, die Muskulatur gelockert. Es ist eine wunderbare Behandlung, die ich vielen Menschen empfohlen habe.

Johanniskraut-Tinktur

Eine Tinktur ist konzentrierter als Tee und länger haltbar. Du stellst sie her wie das Öl, nur mit Alkohol statt Pflanzenöl.

Fülle ein Glas mit frischen, kleingeschnittenen Johanniskrautblüten und -blättern. Übergieße sie mit Kornbranntwein, mindestens achtunddreißig Prozent Alkohol. Verschließe das Glas. Lass es drei Wochen an einem warmen Ort stehen. Schüttle täglich. Dann seihe ab und fülle in dunkle Tropfflaschen.

Zur Anwendung nimmst du dreimal täglich zehn bis zwanzig Tropfen in etwas Wasser. Die Tinktur ist eine Alternative zum Tee, wenn du unterwegs bist oder den Teegeschmack nicht magst.

Sammeln und Aufbewahren

Wenn du Johanniskraut selbst sammeln möchtest, beachte einige wichtige Dinge.

Die beste Sammelzeit ist zur Sommersonnenwende, um den vierundzwanzigsten Juni herum, wenn die Pflanze in voller Blüte steht. Dann ist die Heilkraft am größten. Sammle zur Mittagszeit, bei trockenem Wetter, wenn die Sonne hoch steht. Dann sind die Wirkstoffe in höchster Konzentration.

Schneide die oberen zehn bis fünfzehn Zentimeter der blühenden Triebe ab. Nimm Blüten, Knospen und die obersten Blätter. Sammle nur von gesunden Pflanzen, die fernab von Straßen wachsen.

Prüfe, ob du wirklich das Echte Johanniskraut vor dir hast: Zweikantiger Stängel, durchlöcherte Blätter, roter Saft beim Zerreiben der Blüten. Wenn diese drei Merkmale stimmen, kannst du sammeln.

Zum Trocknen bindest du kleine Bündel und hängst sie kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort auf. Nicht in der prallen Sonne! Das Licht, das die Pflanze gesammelt hat, soll im Kraut bleiben, nicht verdampfen. Ein Dachboden oder ein gut belüfteter Raum sind ideal.

Das Johanniskraut ist trocken, wenn es raschelt und leicht bricht. Dann füllst du es in dunkle, gut verschließbare Gläser. Beschrifte sie. Lagere sie kühl und dunkel. So hält sich das getrocknete Kraut etwa ein Jahr.

Für das Rotöl sammelst du nur die frischen Blüten und verarbeitest sie sofort. Für Tee und Tinktur kannst du das ganze obere Drittel mit Blüten und Blättern nehmen.

Wann du vorsichtig sein solltest

Hypericin macht die Haut lichtempfindlicher. Das ist bekannt und wird oft erwähnt. Bei innerlicher Anwendung, also bei Tee oder Kapseln, kann es passieren, dass du schneller einen Sonnenbrand bekommst oder Pigmentflecken entwickelst.

Aber: Die Gefahr wird oft übertrieben. Neuere Studien zeigen, dass die üblichen Dosierungen weit unter der kritischen Grenze liegen. Trotzdem: Sei vorsichtig. Meide intensive Sonnenbestrahlung, Höhensonne und Solarium während der Einnahme. Gerade hellhäutige Menschen sollten aufpassen.

Bei äußerlicher Anwendung, also beim Rotöl, ist die Gefahr noch geringer. Das Öl dringt nur in die oberen Hautschichten ein. Trotzdem rate ich: Trage das Rotöl abends auf, nicht morgens vor dem Gang in die Sonne. Sicher ist sicher.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Das ist sehr wichtig! Johanniskraut aktiviert bestimmte Enzyme in der Leber, die für den Abbau von Medikamenten zuständig sind. Dadurch werden manche Medikamente schneller abgebaut und verlieren ihre Wirkung.

Betroffen sind unter anderem: die Antibabypille, Blutverdünner, Immunsuppressiva nach Organtransplantationen, HIV-Medikamente, manche Krebsmedikamente, Herzmedikamente wie Digoxin.

Wenn du solche Medikamente nimmst, darfst du Johanniskraut nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen. Das ist ernst. Die Wechselwirkungen können gefährlich sein.

Kombination mit anderen Antidepressiva

Johanniskraut nicht zusammen mit synthetischen Antidepressiva nehmen! Es kann zu einer Überstimulation kommen, zu einem sogenannten serotonergen Syndrom. Das ist selten, aber gefährlich.

Wenn du von einem Antidepressivum auf Johanniskraut umsteigen willst, sprich mit deinem Arzt. Es braucht eine Übergangszeit, in der das alte Medikament ausgeschlichen wird, bevor du mit dem Johanniskraut beginnst.

In Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft solltest du vorsichtig sein mit Johanniskraut. Es gibt Hinweise, dass es die Gebärmutter anregen könnte. Das ist nicht sicher belegt, aber Vorsicht ist besser. In der Stillzeit sprich mit deiner Hebamme oder deinem Arzt.

Bei Kindern

Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es zu wenig Erfahrungen. Gib ihnen lieber kein Johanniskraut ohne ärztlichen Rat.

Susanne kam zu mir als sie 51 war.

Sie war in den Wechseljahren, und es ging ihr nicht gut. Nicht körperlich – die Hitzewallungen und Schlafstörungen waren erträglich. Aber seelisch.

Sie stand morgens auf und fragte sich: Wozu? Die Kinder waren aus dem Haus. Die Arbeit war Routine geworden, keine Herausforderung mehr. Die Ehe war nicht schlecht, aber auch nicht erfüllt. Alles war grau, flach, sinnlos. Sie weinte oft, ohne zu wissen warum. Sie hatte keine Energie, keine Freude, keine Hoffnung.

Der Arzt wollte ihr Antidepressiva verschreiben. Aber sie wollte keine Chemie. Sie hatte Angst vor Nebenwirkungen, vor Abhängigkeit. Also kam sie zu mir.

Ich riet ihr zum Johanniskraut. Dreimal täglich eine Tasse Tee, konsequent über mindestens zwei Monate. Und dazu einmal pro Woche eine Massage mit Johanniskrautöl, am ganzen Körper, um die Verbindung zum eigenen Leib wiederzufinden.

In der dritten Woche bemerkte sie eine kleine Veränderung. Sie wachte morgens auf, und der erste Gedanke war nicht mehr: Ich will nicht. Es war einfach… neutraler. Weniger schwer.

In der vierten Woche lachte sie über einen Witz im Radio. Das hatte sie seit Monaten nicht mehr getan. Sie erschrak selbst darüber.

Nach zwei Monaten sagte sie: Die Farben sind zurück. Ich sehe wieder Farben. Die Welt ist nicht mehr nur grau. Das Gelb der Narzissen im Garten, das Blau des Himmels – ich sehe es wieder. Ich fühle es wieder.

Sie setzte die Kur noch einen Monat fort. Dann hörte sie langsam auf. Die Wirkung blieb. Sie hatte wieder Boden unter den Füßen. Die Wechseljahre waren nicht vorbei, die Lebensumstände hatten sich nicht geändert. Aber etwas in ihr hatte sich verschoben. Das Licht war zurückgekommen.

Heute, drei Jahre später, macht Susanne jeden Herbst und Frühling eine kurze Johanniskrautkur, zwei, drei Wochen. Prophylaktisch, wie sie sagt. Damit die Dunkelheit nicht wiederkehrt. Und sie hat immer eine Flasche Rotöl zu Hause. Für den Rücken ihres Mannes, für ihre eigenen Verspannungen, für kleine Wunden. Sie nennt es ihr Notfalllicht in der Flasche.

Das ist typisch für das Johanniskraut. Es begleitet Menschen durch dunkle Zeiten. Es bringt das Licht zurück, langsam, beständig, zuverlässig. Und das ist mehr wert als jeder schnelle Kick.

Ein Wort zum Schluss

Das Johanniskraut blüht zur hellsten Zeit des Jahres. Wenn die Sonne am höchsten steht, wenn die Tage am längsten sind. Und es speichert dieses Licht für uns. Für die dunklen Monate, für die schweren Stunden, für die Zeiten, wenn wir das Gefühl haben, wir finden den Ausgang nicht mehr.

Paracelsus hatte recht. Gott hat ein großes Geheimnis in diese Pflanze gelegt. Ein Geheimnis gegen Verzweiflung, gegen Hoffnungslosigkeit, gegen die Dunkelheit der Seele.

Ich bitte dich: Wenn die Tage kürzer werden, wenn das Leben schwer wird, wenn die Freude schwindet – denke an das Johanniskraut. Hole dir diese Pflanze. Mache dir Tee daraus. Trinke ihn regelmäßig, geduldig, vertrauensvoll. Gib der Natur Zeit zu wirken.

Und wenn du im Sommer an blühenden Johanniskräutern vorbeikommst, bleib stehen. Schau sie dir an. Diese goldgelben Blüten, die das Sonnenlicht einfangen. Berühre sie. Zerreibe eine Blüte zwischen den Fingern und sieh das Rot, das herauskommt. Das ist gespeicherte Sonne. Das ist Hoffnung in Pflanzenform. Das ist ein Geschenk für dich.

Du bist nicht allein mit deiner Dunkelheit. Viele Menschen kennen sie. Und für viele ist das Johanniskraut ein Licht gewesen, das ihnen den Weg zurück gezeigt hat. Es kann auch dein Licht sein. Wenn du es lässt. Wenn du vertraust. Wenn du Geduld hast.

In der kommenden Woche erzähle ich dir vom Frauenmantel, dem Schutzmantel für jede Lebensphase. Von einer Pflanze, die Frauen durch alle Zeiten ihres Lebens begleitet, von der ersten Periode bis ins hohe Alter.

Bis dahin: Wenn du dunkle Tage hast, denke an das Johanniskraut. An das Licht, das es für dich bereithält.

Über die Autorin

Elisabeth Bergmann (geb. 1952 im Salzburger Land) wuchs auf einem Bergbauernhof auf. Über vierzig Jahre lang sammelte sie Erfahrungen mit Heilpflanzen und half unzähligen Menschen mit ihrem Wissen.

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