Beifuß – Die kraftvolle Mutter aller Kräuter
Das Wichtigste in Kürze: Beifuß – Die vergessene Kraft für Frauen
Beifuß (Artemisia vulgaris) ist das große Frauenkraut bei Menstruationsbeschwerden, Unfruchtbarkeit und Wechseljahresbeschwerden. Die wärmende Wirkung der ätherischen Öle und Bitterstoffe bringt Bewegung dorthin, wo Kälte und Stagnation herrschen. Traditionell wird er als Sitzbad angewendet – besonders wirksam bei ausgebliebener Menstruation und bei unerfülltem Kinderwunsch.
✨ Minerva VISION Insight: Das traditionelle Sitzbad nach Maria Treben – zwölf Stunden kalt angesetzt, dann erwärmt und zwanzig Minuten gesessen – hat schon vielen Frauen mit Unfruchtbarkeit geholfen, indem es die “kalte Gebärmutter” von innen wärmt.
Aber lies weiter…
Artemisia vulgaris nennt man ihn in der Gelehrtensprache. Artemisia nach der griechischen Göttin Artemis, der Jägerin, der Mondgöttin, der Beschützerin der Frauen. Vulgaris bedeutet gewöhnlich, allgemein, überall wachsend. Eine Göttin für die gewöhnlichen Menschen. Eine Pflanze für die Frauen, die gebären, die leiden, die leben.
Der Beifuß ist das große Frauenkraut. Bei Menstruationsbeschwerden, bei Geburt, bei Unfruchtbarkeit, bei Wechseljahren. Er wärmt von innen, wo Kälte sich festgesetzt hat. Er öffnet, wo etwas stockt. Er schützt, wo Schwäche ist. Seit Jahrtausenden begleitet er die Frauen durch alle Wechsel des Lebens.
Heute ist er fast vergessen. Man sieht ihn am Wegrand stehen und achtet nicht auf ihn. Aber die alten Hebammen kannten ihn. Maria Treben kannte ihn. Und ich möchte, dass auch du ihn kennenlernst. Denn der Beifuß ist eine Pflanze von großer Kraft. Eine Pflanze, die Frauen hilft, wenn die moderne Medizin ratlos ist.
Die Pflanze der Göttin Artemis
Der Beifuß ist eine mehrjährige Staude. Er wächst Jahr für Jahr wieder aus derselben Wurzel. Im Frühling treibt er aus, im Sommer wächst er hoch, im Herbst blüht er, im Winter zieht er sich zurück in die Wurzel. Ein Rhythmus wie der Zyklus einer Frau. Wie der Mond, der zu- und abnimmt.
Die Wurzel ist holzig, faserg, mit vielen Ausläufern. Sie gräbt sich tief in den Boden, holt Kraft aus der Erde. Aus dieser Wurzel wächst im Frühjahr der Stängel. Fest, aufrecht, kantig. Oft rotbraun bis purpurn überlaufen. Das ist ein wichtiges Erkennungszeichen. Der rote Stängel weist auf die Kraft hin, die in dieser Pflanze steckt. Rot wie Blut, rot wie Leben, rot wie die Menstruation.
Die Blätter sind gefiedert, tief eingeschnitten, fast zerschlitzt. Oben dunkelgrün, fast schwärzlich. Unten silbrig-weiß, filzig behaart. Wenn du ein Blatt umdrehst, siehst du diese silbrige Unterseite. Das ist typisch für den Beifuß. Keine andere Artemisia-Art hat diese Färbung so deutlich. Dunkel und hell, oben und unten, Sonne und Mond. Die Signatur ist klar: Diese Pflanze steht zwischen den Welten.
Von Juli bis September blüht der Beifuß. Die Blüten sind klein, unscheinbar, grau-gelb, in langen Rispen angeordnet. Nichts Spektakuläres. Aber wenn du die Blüten zwischen den Fingern zerreibst, riecht es stark, aromatisch, leicht kampferartig. Das sind die ätherischen Öle, die in der Pflanze stecken.
Der Beifuß wächst überall. An Wegrändern, auf Schuttplätzen, an Bahndämmen, auf Brachflächen. Er liebt nährstoffreiche Böden, aber er kommt auch auf kargen Plätzen zurecht. Er ist zäh, anspruchslos, unverwüstlich. Wie eine Frau, die durchs Leben geht und nicht aufgibt.
In vielen Kulturen war der Beifuß heilig. Die Griechen weihten ihn der Artemis. Die Römer nannten ihn Diana, nach ihrer Mondgöttin. Die Germanen nannten ihn Mugwurz, vom Wort mug für wärmen, kräftigen. Bei den indigenen Völkern Nordamerikas wurde er zum Räuchern verwendet, um die Anderswelt zu erreichen. Überall, wo Menschen lebten, kannten sie den Beifuß.
Die Heilkräfte, die in dieser Mutterpflanze wohnen
Was ist es, das den Beifuß zu einer solchen Kraft für Frauen macht?
Bitterstoffe sind reichlich vorhanden. Sie regen die Verdauung an, fördern den Gallenfluss, stärken den Magen. Aber ihre Wirkung geht tiefer. Bitterstoffe reinigen, sie öffnen, sie setzen in Bewegung, was stockt. Im Körper und im Gemüt.
Ätherische Öle machen etwa null Komma zwei Prozent aus. Thujon ist der Hauptbestandteil, dazu Campher und Cineol. Diese Öle wirken stark. Sie wärmen, sie entspannen, sie öffnen. Aber Vorsicht: In hohen Dosen ist Thujon giftig. Deshalb darf Beifuß nicht überdosiert und nicht zu lange genommen werden.
Flavonoide schützen die Zellen, wirken entzündungshemmend, stärken die Blutgefäße. Sie unterstützen die Wirkung der anderen Stoffe.
Cumarine haben eine blutverdünnende Wirkung. Das ist wichtig bei Durchblutungsstörungen, bei Stauungen, bei allem, was stockt und nicht fließt.
Aber die wichtigste Wirkung des Beifußes lässt sich nicht an Einzelstoffen festmachen. Es ist die wärmende Kraft. Der Beifuß bringt Wärme dorthin, wo Kälte sich festgesetzt hat. Im Unterleib, in der Gebärmutter, in den Füßen. Kälte ist nach alter Vorstellung eine Ursache vieler Frauenleiden. Kalte Füße, kalter Unterleib, kalte Gebärmutter. Der Beifuß wärmt von innen.
Und der Beifuß öffnet. Er bringt in Bewegung, was stockt. Ausgebliebene Menstruation, festgehaltene Nachgeburt, stagnierendes Blut. Darum ist er das Kraut für Übergänge. Für die Menarche, wenn die Blutung zum ersten Mal kommt. Für die Geburt, wenn das Kind kommen soll. Für die Wechseljahre, wenn die Blutung aufhört.
Bei welchen Leiden der Beifuß seine Kraft entfaltet
Der Beifuß ist vor allem ein Frauenkraut. Aber nicht nur.
Bei Menstruationsproblemen
Ausgebliebene Menstruation, schwache Menstruation, schmerzhafte Menstruation – der Beifuß reguliert. Er bringt die Blutung in Gang, wenn sie ausbleibt. Er lindert Krämpfe, wenn sie schmerzhaft ist. Er wärmt den Unterleib, wo Kälte die Ursache ist.
Eine Tasse Beifußtee zwei- bis dreimal täglich in der zweiten Zyklushälfte hilft vielen Frauen. Oder ein Sitzbad mit Beifuß, wenn die Menstruation ausbleibt oder schwach ist.
Bei Unfruchtbarkeit
Wenn eine Frau nicht schwanger wird, kann der Beifuß helfen. Er reinigt die Gebärmutter, er wärmt sie, er entspannt sie. Er macht sie bereit, ein Kind zu empfangen. Ein Sitzbad mit Beifuß zwei- bis dreimal wöchentlich über mehrere Monate kann Wunder wirken.
Das wussten schon die alten Kräuterärzte. Otto Brunfels schrieb 1534: Eine Abkochung als Sitzbad für Unfruchtbare reinigt, entspannt und wärmt den Uterus.
Bei der Geburt
Der Beifuß fördert die Wehen. Er macht die Geburt leichter, schneller, weniger schmerzhaft. Früher gaben die Hebammen der Gebärenden ein Büschel Beifuß in die Hand. Die Kraft der Pflanze ging über in die Frau. Oder sie machten einen starken Tee, den die Frau in den letzten Tagen vor der Geburt trank.
Aber Achtung: Beifuß darf nicht in der Schwangerschaft genommen werden! Nur in den allerletzten Tagen, wenn die Geburt nahe ist. Sonst kann er eine Fehlgeburt auslösen.
Nach der Geburt hilft Beifuß, die Nachgeburt zu lösen. Er fördert den Abgang der Plazenta. Er reinigt die Gebärmutter. Ein Sitzbad in den ersten Tagen nach der Geburt unterstützt die Heilung.
Bei Wechseljahresbeschwerden
Wenn die Menstruation unregelmäßig wird, wenn Hitzewallungen kommen, wenn die Stimmung schwankt – der Beifuß kann helfen. Er reguliert, er wärmt, er entspannt. Er begleitet die Frau durch diesen Übergang.
Eine Kur mit Beifußtee über drei Wochen, dann zwei Wochen Pause, dann wieder drei Wochen – das hilft vielen Frauen. Nicht zu lange, nicht zu hoch dosiert. Aber regelmäßig angewendet über Monate hinweg.
Bei Blasenentzündung und Unterleibsentzündungen
Die wärmende Wirkung des Beifußes hilft bei allen Entzündungen, die durch Kälte entstanden sind. Blasenentzündung, Eierstockentzündung, chronischer Ausfluss. Ein Sitzbad mit Beifuß wärmt, reinigt, heilt.
Bei Verdauungsproblemen
Die Bitterstoffe des Beifußes regen Magen, Leber und Galle an. Bei Blähungen, bei Völlegefühl, bei schwacher Verdauung – ein Tee nach dem Essen hilft. Nicht umsonst wird Beifuß traditionell zum Gänsebraten gegessen. Er macht fette Speisen bekömmlich.
Bei müden, geschwollenen Füßen
Früher legten sich Wanderer Beifuß in die Schuhe. Das sollte müde Füße munter machen, Blasen verhindern, die Kraft erhalten. Heute macht man ein Fußbad mit Beifuß. Bei geschwollenen Füßen kalt, bei müden Füßen warm. Die durchblutungsfördernde Wirkung zeigt sich schnell.
Oder man macht ein Öl aus Beifuß und reibt damit abends die Füße ein. Das entspannt, das wärmt, das hilft beim Einschlafen.
Wie du den Beifuß für dich nutzen kannst
Jetzt zeige ich dir, wie du den Beifuß anwendest.
Beifußtee – die einfachste Anwendung
Für eine Tasse Tee nimmst du einen Teelöffel getrocknetes Beifußkraut. Übergieße es mit kochendem Wasser. Lass den Tee nur zwei bis drei Minuten ziehen. Nicht länger! Beifuß ist sehr kräftig. Ein zu langer Auszug wird zu bitter und zu stark.
Trinke maximal drei Tassen täglich. Nicht länger als drei Wochen am Stück. Dann mindestens zwei Wochen Pause machen. Das ist wichtig wegen des Thujongehalts.
Der Tee hilft bei Menstruationsbeschwerden, bei Verdauungsproblemen, bei allgemeiner Kälte und Schwäche.
Beifuß-Sitzbad – die klassische Frauenmedizin
Das Sitzbad ist die traditionelle Anwendung für Frauenleiden. Es wärmt, es entspannt, es heilt.
Nimm zweihundertfünfzig Gramm getrocknetes Beifußkraut oder eine große Handvoll frisches Kraut. Gib es in einen Topf mit zwei Litern kaltem Wasser. Lass es zugedeckt zwölf Stunden stehen. Das ist der Kaltansatz.
Am nächsten Tag erwärme den Ansatz bis zum Sieden. Nicht kochen! Nur sieden lassen für etwa zehn Minuten. Dann abseihen. Den Absud gib in eine Wanne oder große Schüssel. Fülle mit warmem Wasser auf, bis die Flüssigkeit die Nieren bedeckt, wenn du dich hineinsetzt.
Sitze zwanzig Minuten im Bad. Das Wasser sollte warm sein, nicht heiß. Nach dem Bad trockne dich nicht ab. Wickle dich in einen Bademantel und lege dich für eine Stunde ins Bett. Schwitze nach. Das ist wichtig. Die Wärme soll tief eindringen.
Dieses Sitzbad hilft bei ausgebliebener Menstruation, bei Unfruchtbarkeit, bei Unterleibsentzündungen, bei Blasenproblemen. Zwei- bis dreimal wöchentlich angewendet über Wochen oder Monate.
Beifuß-Fußbad – für warme Füße und warmen Unterleib
Wer kalte Füße hat, hat oft auch einen kalten Unterleib. Die Reflexzonen der Füße sind verbunden mit den Organen. Ein warmes Fußbad mit Beifuß wärmt nicht nur die Füße, sondern auch die Gebärmutter.
Nimm zwei Handvoll frisches oder getrocknetes Beifußkraut. Gib es in einen Topf mit zwei bis drei Litern Wasser. Bringe es zum Kochen. Lass es zugedeckt fünf Minuten kochen. Dann gieße es in eine Fußbadewanne. Fülle mit warmem Wasser auf.
Bade deine Füße fünfzehn bis zwanzig Minuten. Genieße die Wärme. Spüre, wie sie in die Beine aufsteigt, in den Unterleib.
Dieses Fußbad kannst du täglich machen. Besonders gut abends vor dem Schlafengehen. Es entspannt, es wärmt, es hilft beim Einschlafen.
Beifuß-Öl – für müde Beine und Füße
Ein Ölauszug aus Beifuß ist einfach herzustellen und vielfältig anwendbar.
Nimm ein Schraubglas. Fülle es zur Hälfte mit frischen, kleingeschnittenen Beifußblättern. Gieße kaltgepresstes Olivenöl darüber, bis alle Blätter bedeckt sind. Verschließe das Glas.
Stelle es an einen warmen, hellen Ort. Lass es vier Wochen ziehen. Schüttle täglich einmal. Dann seihe ab. Drücke die Blätter aus. Fülle das Öl in dunkle Flaschen.
Dieses Öl verwendest du zum Einreiben müder Beine und Füße. Bei Muskelkater, bei Verspannungen, bei Krämpfen. Die durchblutungsfördernde und entspannende Wirkung zeigt sich schnell.
Beifuß-Tinktur – die konzentrierte Form
Eine Tinktur ist länger haltbar und stärker wirksam als Tee.
Fülle ein Schraubglas locker mit frischem Beifußkraut. Gieße vierzigprozentigen Alkohol darüber, bis alles bedeckt ist. Verschließe das Glas.
Lass die Tinktur zwei bis drei Wochen ziehen. Schüttle täglich. Dann seihe ab. Fülle in dunkle Tropfflaschen.
Diese Tinktur ist jahrelang haltbar. Du kannst sie innerlich nehmen: Zwanzig bis vierzig Tropfen in Wasser verdünnt, zwei- bis dreimal täglich. Oder äußerlich zum Einreiben.
Beifuß zum Räuchern – die spirituelle Anwendung
Seit Jahrtausenden wird Beifuß geräuchert. Er reinigt die Atmosphäre, er vertreibt negative Energien, er schafft einen heiligen Raum. Bei Übergängen, bei Ritualen, bei der Geburt.
Nimm getrocknete Beifußblätter und -blüten. Zünde sie an einer Kerzenflamme an, sodass sie glimmen. Lass den Rauch durch die Räume ziehen. Oder über den Körper einer Person, die gereinigt werden soll.
Der Rauch des Beifußes hat einen würzigen, leicht kampferartigen Geruch. Er wirkt klärend, öffnend, schützend.
Sammeln und Aufbewahren
Der Beifuß wächst wild und ist leicht zu finden. Die beste Sammelzeit ist Juli bis August, kurz vor oder während der Blüte. Dann ist der Gehalt an Wirkstoffen am höchsten. Sammle an sauberen Orten, fern von Straßen und gedüngten Feldern. Der Beifuß wächst oft an Wegrändern, aber wähle ruhige Wege, nicht stark befahrene Straßen.
Schneide das blühende Kraut etwa zehn Zentimeter über dem Boden ab. Lass die Wurzel stehen. Die Pflanze wächst nächstes Jahr wieder.
Auch die Wurzeln können im Herbst ausgegraben werden. Sie haben eigene Heilkräfte, werden aber seltener verwendet.
Trocknen
Binde die Beifußzweige in lockeren Büscheln zusammen. Hänge sie kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort auf. Nicht in der Sonne! Die ätherischen Öle würden verdunsten.
Der Beifuß ist trocken, wenn er knistert und raschelt. Das dauert etwa zwei Wochen. Dann streife die Blätter und Blüten von den Stängeln ab. Fülle sie in dunkle, gut verschließbare Gläser. Beschrifte mit Name und Datum.
Lagere kühl und dunkel. So hält sich das getrocknete Kraut etwa ein Jahr.
Verwechslungsgefahr
Der Beifuß kann mit anderen Artemisia-Arten verwechselt werden. Wermut sieht ähnlich aus, ist aber noch bitterer und stärker. Die Blätter sind heller, grau-grün. Der Eisenhut, der tödlich giftig ist, hat eine entfernte Ähnlichkeit. Aber seine Blätter sind anders geformt, handförmig geteilt, nicht gefiedert.
Wichtigstes Erkennungszeichen des Beifußes: Der rötliche Stängel und die silbrig-weiße Blattunterseite. Wenn du unsicher bist, lass die Pflanze stehen. Oder hole dir Hilfe von jemandem, der sich auskennt.
Wann du sehr vorsichtig sein musst
Der Beifuß ist eine kraftvolle Pflanze. Kraft kann heilen, aber Kraft kann auch schaden, wenn sie falsch angewendet wird.
In der Schwangerschaft
Das ist das Wichtigste: Beifuß darf nicht in der Schwangerschaft genommen werden! Er fördert die Wehentätigkeit. Er kann eine Fehlgeburt auslösen. Nur ganz am Ende der Schwangerschaft, wenn die Geburt nahe ist, kann eine erfahrene Hebamme Beifuß einsetzen.
Wenn du schwanger bist oder sein könntest, nimm keinen Beifuß. Weder als Tee noch als Sitzbad. Sei vorsichtig.
In der Stillzeit
Beifuß geht in die Muttermilch über. Er kann sie bitter machen. Das Baby trinkt dann nicht mehr gern. Deshalb solltest du in der Stillzeit keinen Beifuß innerlich nehmen. Äußerlich, als Öl für müde Füße, ist er unbedenklich.
Bei Kindern
Kinder sollten keinen Beifuß bekommen. Die ätherischen Öle sind zu stark für sie. Erst ab etwa zwölf Jahren, und dann nur in sehr niedrigen Dosen.
Bei Epilepsie
Thujon kann in hohen Dosen Krampfanfälle auslösen. Menschen mit Epilepsie sollten Beifuß meiden. Auch Menschen, die zu Krampfanfällen neigen, sollten vorsichtig sein.
Bei Allergien gegen Korbblütler
Wer allergisch ist gegen Kamille, Arnika, Beifußpollen, Löwenzahn oder andere Korbblütler, kann auch auf Beifuß reagieren. Taste dich vorsichtig heran. Beginne mit einer schwachen Dosis.
Nicht zu lange, nicht zu hoch dosiert
Thujon reichert sich im Körper an. Deshalb darf Beifuß nicht länger als drei Wochen am Stück genommen werden. Dann mindestens zwei Wochen Pause. Nicht mehr als drei Tassen Tee täglich. Nicht überdosieren.
Bei längerer, unkontrollierter Einnahme kann Thujon die Leber schädigen. Kann Halluzinationen auslösen. Kann Krämpfe verursachen. Respektiere die Kraft dieser Pflanze. Nutze sie weise.
Katharinas Unterleibsprobleme
Ich möchte dir von Katharina erzählen. Sie war fünfunddreißig, als sie zu mir kam. Seit sieben Jahren versuchte sie, schwanger zu werden. Nichts half. Die Ärzte fanden keine körperliche Ursache. Alles war in Ordnung. Aber sie wurde nicht schwanger.
Katharina war verzweifelt. Sie hatte schon drei künstliche Befruchtungen hinter sich. Alle waren gescheitert. Sie wusste nicht mehr weiter. Sie weinte oft. Sie fühlte sich als Versagerin, obwohl sie wusste, dass das nicht stimmte.
Als sie zu mir kam, hörte ich ihr erst einmal zu. Dann schaute ich sie an. Sie war blass, hatte dunkle Ringe unter den Augen. Ihre Hände waren kalt. Eiskalt. Ich fragte: Hast du oft kalte Füße? Sie nickte. Immer. Seit sie denken konnte.
Ich erklärte ihr: Nach alter Vorstellung ist Kälte im Unterleib oft eine Ursache für Unfruchtbarkeit. Die Gebärmutter ist zu kalt, um ein Kind zu empfangen. Der Beifuß kann helfen. Er wärmt von innen.
Ich gab ihr ein Säckchen getrockneten Beifuß mit. Ich erklärte ihr genau, wie sie Sitzbäder machen sollte. Zweimal wöchentlich, mindestens drei Monate lang. Und jeden Abend ein warmes Fußbad mit Beifuß. Und warme Socken, auch im Bett.
Katharina war skeptisch. Aber sie war auch bereit, alles zu versuchen. Sie begann mit den Bädern.
Nach einem Monat kam sie wieder. Sie sagte: Ich spüre etwas. Mein Unterleib fühlt sich anders an. Wärmer. Lebendiger. Meine Menstruation kam diesen Monat stärker, mit weniger Schmerzen.
Sie machte weiter mit den Bädern. Nach drei Monaten wurde sie schwanger. Einfach so. Auf natürlichem Weg. Sie konnte es kaum glauben.
Die Schwangerschaft verlief gut. Sie stellte die Beifuß-Bäder natürlich sofort ein, sobald sie wusste, dass sie schwanger war. Sie bekam ein gesundes Mädchen.
Ich sage immer: Es war nicht nur der Beifuß. Es war auch Katharinas Bereitschaft, sich zu öffnen. Ihre Geduld. Ihr Vertrauen. Aber der Beifuß hat geholfen. Das ist sicher.
Ein Wort zum Schluss
Der Beifuß ist die Mutter aller Kräuter. So nannten ihn die Alten. Er ist eine Pflanze von großer Macht. Eine Pflanze für Übergänge. Für die Menarche, wenn ein Mädchen zur Frau wird. Für die Geburt, wenn eine Frau ihr Kind zur Welt bringt. Für die Wechseljahre, wenn eine Frau zur Weisen wird.
Er begleitet die Frauen durch alle Phasen ihres Lebens. Er wärmt, wo Kälte ist. Er öffnet, wo etwas stockt. Er schützt, wo Schwäche ist.
Die Göttin Artemis, nach der er benannt ist, war die Beschützerin der Frauen. Sie half bei der Geburt. Sie jagte in den Wäldern. Sie war wild, frei, unabhängig. Der Beifuß trägt ihre Kraft in sich.
In einer Zeit, in der so viele Frauen unter Menstruationsproblemen leiden. In der Unfruchtbarkeit zunimmt. In der Geburten schwierig sind. In der die Wechseljahre als Krankheit behandelt werden. In dieser Zeit brauchen wir den Beifuß wieder. Als Unterstützer. Als Kraftspender. Der Beifuß kann nicht alles heilen. Aber er kann helfen. Oft mehr, als man denkt.
In der nächsten Woche erzähle ich dir vom Gänsefingerkraut, dem Krampflöser aus der Wiese.
Über die Autorin
Elisabeth Bergmann (geb. 1952 im Salzburger Land) wuchs auf einem Bergbauernhof auf. Über vierzig Jahre lang sammelte sie Erfahrungen mit Heilpflanzen und half unzähligen Menschen mit ihrem Wissen.




