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Hilfe – ich habe ein „Lieblingskind“! Was neue Forschung über elterliche Vorlieben verrät

„Warum darf sie das und ich nicht?“

Vielleicht hast du diesen Satz schon mal von deinem Kind gehört. Oder dich selbst als Kind gefragt, warum Geschwister scheinbar mehr Freiheiten oder Zuwendung bekommen. Dieses Gefühl, nicht gleich behandelt zu werden, trifft viele Familien und meistens passiert es unbewusst.

Eine aktuelle Metaanalyse aus dem Jahr 2025 hat genau das untersucht: Wie stark behandeln Eltern ihre Kinder unterschiedlich? Und welche Rolle spielen Persönlichkeit, Geschlecht oder die Geschwisterreihenfolge dabei?

Was die große Metaanalyse herausgefunden hat

Die Psychologen Alexander C. Jensen und McKell A. Jorgensen-Wells haben in einer umfassenden Analyse Daten aus 30 Studien zusammengetragen. Insgesamt wurden fast 20.000 Eltern und Kinder ausgewertet ein beeindruckendes Sample, das einen selten so breiten Einblick in Familienstrukturen bietet (Quelle: Psychological Bulletin, 2025).

Das Team wollte herausfinden, ob es wirklich so ist, dass Eltern manchmal, bewusst oder unbewusst, ein Lieblingskind haben. Dabei haben sie besonders die Big-Five-Persönlichkeitseigenschaften der Kinder betrachtet, also Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Extraversion und emotionale Stabilität.

Verträgliche Kinder kommen oft besser an

Das Ergebnis: Kinder, die von Natur aus kooperativer, hilfsbereiter und anpassungsfähiger sind, also eine hohe Verträglichkeit zeigen, werden von Eltern tendenziell bevorzugt. Sie lösen weniger Konflikte aus, erfüllen eher Erwartungen und „funktionieren“ im Alltag reibungsloser.

Auch Kinder, die gewissenhaft sind, also zuverlässig, ordentlich und verantwortungsbewusst, wirken auf Eltern oft angenehmer. Diese Kinder verstärken das Gefühl der Eltern, gute Arbeit zu leisten, was wiederum ihre Zuwendung stärkt.

Töchter genießen oft mehr Freiheit

Die Studie zeigte außerdem eine leichte Bevorzugung von Töchtern. Mädchen gelten kulturell häufig als verantwortungsvoller, ruhiger und emotional zugänglicher. Diese gesellschaftlichen Zuschreibungen führen dazu, dass Töchter häufiger mehr Autonomie bekommen und Eltern ihnen schneller vertrauen.

Interessant: Viele Töchter berichten später trotzdem nicht davon, dass sie sich „bevorzugt“ gefühlt hätten. Manche empfinden diese hohe Erwartungshaltung sogar als Belastung, weil sie sich stärker für die Harmonie in der Familie verantwortlich fühlen.

Geschwisterdynamik: Erstgeborene dürfen oft mehr

Auch die Geschwisterposition spielt eine Rolle. Ältere Kinder bekommen oft mehr Freiraum, dürfen Dinge zuerst ausprobieren oder selbst entscheiden. Jüngere Geschwister erleben dagegen häufiger Kontrolle und Einschränkungen.

Dieser Unterschied formt das Selbstbild: Wer mehr Verantwortung trägt, entwickelt eher ein Gefühl von Kompetenz und Selbstwirksamkeit. Wer dagegen häufiger kontrolliert wird, kann schneller in Zweifel geraten.

Was bedeutet das für dich als Mutter oder Vater?

Du musst nicht perfekt sein und es ist auch nicht möglich, immer alles genau gleich zu machen. Aber du kannst bewusster hinschauen:

  • Schenke jedem Kind individuelle Aufmerksamkeit.
  • Frage dich: „Traue ich diesem Kind weniger zu? Und warum?“
  • Gib jedem Kind Raum, sich auf seine eigene Art zu entfalten.

Kleine Rituale, in denen du mit jedem Kind alleine Zeit verbringst, helfen dabei, Unterschiede auszugleichen. Wichtig ist, dass dein Kind spürt: „Ich werde gesehen und ernst genommen, so wie ich bin.“

Unterschiedlich, aber gleich wertvoll

Die Forschung von Jensen und Jorgensen-Wells zeigt, dass es normal ist, Kinder unterschiedlich zu behandeln, abhängig von Temperament, Persönlichkeit und Geschwisterkonstellation. Entscheidend ist aber, dass du immer wieder zeigst: „Du bist genauso wertvoll wie dein Bruder oder deine Schwester.“

Denn das Gefühl, geliebt zu werden, ist die stärkste Basis für ein gesundes Selbstwertgefühl, egal, wie unterschiedlich Kinder sind.

Der Kommentar von Nina, unserem Mental-Health-Coach:

Wir alle wünschen uns, unsere Kinder gleich zu behandeln. Aber die Wahrheit ist: Eltern sind keine Maschinen. Sie reagieren auf die Persönlichkeit ihrer Kinder, oft unbewusst. Wichtiger als absolute Gleichbehandlung ist es, jedem Kind zu vermitteln: „Du bist genau richtig, so wie du bist.“ Denn Kinder brauchen keinen Vergleich, sie brauchen Verbindung.

Wenn wir lernen, unsere eigenen Muster zu erkennen und den Wert jedes Kindes zu sehen, ohne es mit dem Geschwister zu messen, schaffen wir die Basis für ein stabiles Selbstwertgefühl.

Am Ende ist es nicht entscheidend, ob dein Kind „pflegeleicht“ oder „kompliziert“ ist. Entscheidend ist, ob es sich bedingungslos gesehen und geliebt fühlt.

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