Kolumnen

Bei Fuhuuuußßßß! Unsere Anfänge waren … emotionsflexibel

Die mit dem Hund geht… Wie das Leben mit Hund wirklich abläuft.


Hier schreibt: Birgit Jaklitsch. Als die Juristin mit ihrem Golden Retriever Rüden Finley einen “vollkommen unerziehbaren Hund” hatte, entschloss sie sich, selbst eine Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen. Ihren kritischen Blick als Gerichtsreporterin hat sie sich erhalten und gewinnt dadurch immer wieder humorvolle Erkenntnisse auf das Leben mit dem Hund. Birgit Jaklitsch hat eine Kolumne im Magazin Hundewelt und ist Buch-Autorin.

Leinenführigkeit und bei Fuß gehen sind meine persönlichen Alptraumbegriffe.

Für Finley grenzt bei Fuß zu gehen an Freiheitsberaubung, überhaupt ist an der Leine zu gehen für ihn eine Majestätsbeleidigung. Während ich mich immer noch an dem Glauben festbeiße, dass da noch was geht, befindet sich mein Hund seit 12 Jahren imWiderstand. Motto: Ich könnte ja, aber ich will halt nicht! Was das angeht, ist Finley wahrscheinlich schon längst Mitglied der französischen Ehrenlegion und trägt stolz die „Medaille de la rèsistance“.

Auf meiner verzweifelten Suche nach dem Schalter, den ich bei meinem Hund umlegen musste, damit er gewillt war, ordentlich an der Leine zu gehen, entdeckte ich vor allem meine ungeahnte Fähigkeit Schmerzen zu ertragen. Wenn 38 Kilo Muskelmasse in die Leine gehen, dann zwiebelt das – und wie.

Für mich begann eine Odyssee durch unzählige Hundeschulen. Ich musste mit einem am Kurzführer hängenden, empörten Finley 45 Minuten im Stechschritt auf- und ablaufen. „Der gibt schon irgendwann auf“, brüllte der Platzchef. Pustekuchen, nicht mein Rüde!

Der nächste Trainer verlangte von mir, ein Baum zu sein. Ich sollte jedes Mal, wenn ich Zug auf der Leine spürte, konsequent stehen bleiben und erst dann weitergehen, wenn mein Rüde lockerließ. Freiwillig! Raten Sie mal – richtig! Finley und ich verbrachten die Unterrichtsstunde im Stehen, während die anderen Teilnehmer und ihre Streberhunde um uns herumflanierten.

Die nächste Trainerin, Gisela, eine ehemalige Sozialpädagogin sagte: „Du musst Deinen Hund zuerst im Universum treffen.“ Ich sollte was? Ach, was soll’s, dachte ich. Ich war verzweifelt, zu allem bereit, wenn ich nur einmal 100 schmerzfreie Meter schaffen könnte, würde ich mich dafür mental auch in den Orbit schießen. Gisela weiter: „Wir bauen jetzt Deine Chakren auf.“ Ich sollte die Arme ausbreiten, über den Platz schreiten und dabei folgende Sätze rufen: „Ich KANN das“, „Folge mir“ und „ICH bin das Universum!“ Ziel war es, dass Finley von mir so hingerissen sein sollte, dass er mir fortan bedingungslos folgen würde. Also stolzierte ich wie eine bekiffte Sektenchefin, kurz bevor sie ihre Anhänger in den kollektiven Selbstmord trieb, über das grüne Gras. Derweil hatte sich mein Rüde am Rasenrand niedergelegt und beäugte mich skeptisch. Bedingungsloses Folgen, keine Spur.

Ich war erschöpft, Finley auch, wir brauchten eine Pause. Die Ruhe verschaffte mir einen freieren Blick auf die Realität. Kadavergehorsam war von Finley nicht zu erwarten und den wollte ich auch nicht. Ich musste lernen, ihn besser zu verstehen, dann würden wir gemeinsam einen Weg finden. Ich besuchte Seminare zum Thema Hundeverhalten. Dort lernte ich die Signale meines Hundes zu deuten, seine Aufmerksamkeit bei mir zu halten. Und je besser ich ihn verstand, desto kooperativer wurde Finley. Und viel wichtiger, wir hatten plötzlich viel mehr Spaß miteinander.

Lust auf mehr? Dann empfehlen wir “Dickes Fell und langer Atem” – Vom Überleben an der Schleppleine. Die Leserkommentare: “Zum Brüllen komisch”, “Einfach herrlich”, “Habe mich wieder erkannt” und “Wann kommt der nächste Jaklitsch?”. Birgit Jaklitschs Buch erschien im Minerva-Verlag und ist in jedem Buchhandel erhältlich oder direkt im Minervastore. www.Minervastore.de.

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