Mindful Moments

So geht’s – aber anders geht’s auch: Warum es nie nur eine Lösung gibt

Von Julia Klimt

Kennst du das? Du liegst nachts wach und grübelst über ein Problem. In deinem Kopf rattert es unaufhörlich: “Es MUSS eine Lösung geben! Und zwar die eine, perfekte, beste Lösung!” Je mehr du darüber nachdenkst, desto blockierter fühlst du dich. Am Ende stehst du da wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg.

Dabei übersiehst du etwas Entscheidendes: Es gibt nicht DIE eine Lösung. Es gibt viele. Und das ist die beste Nachricht, die du heute hören wirst.

Zwei Frauen, zwei Welten

Lass mich dir von zwei völlig unterschiedlichen Typen erzählen. Da ist Sandra, die sich jede Nacht den Kopf zermartert. Wenn sie vor einer Herausforderung steht, fühlt sie sich völlig gelähmt. “Wie soll ich bloß meinen schweren Karren da hinaufbringen?”, denkt sie dann. Der Druck im Magen am nächsten Morgen ist ihr ständiger Begleiter.

Und dann ist da ihre beste Freundin Anne. Die kauft sich in ihrer Freizeit komplizierte 3D-Puzzles – aus Spaß! Für sie sind Probleme wie spannende Rätsel. Wenn etwas zu einfach zu lösen ist, ist sie sogar enttäuscht. “Das macht nur Spaß, wenn es eine richtig harte Nuss ist!”, sagt sie.

Beide schauen auf dieselbe Welt – aber sie sehen sie völlig unterschiedlich.

Was ein Problem wirklich ist

Hier wird es interessant: Ein Problem ist nichts anderes als ein Hindernis zwischen dem, wo du jetzt stehst, und dem, wo du hinwillst. Du hast eine unbefriedigende Ausgangssituation und möchtest zu einer befriedigenden Zielsituation gelangen.

Das Hindernis kannst du überwinden, umgehen, beseitigen oder verändern. Schon allein diese vier Möglichkeiten zeigen: Es gibt nie nur einen Weg.

Die Perfektionismus-Falle

Sandra war gefangen in der Überzeugung, dass es für jedes Problem die eine, allerbeste und einzige Lösung geben müsse. Diese Denkweise lähmte sie völlig. Statt kreativ zu werden, verkrampfte sie sich in der Suche nach DER perfekten Antwort.

Das Verrückte daran: Ihr Gehirn wollte ihr sogar helfen. Es bot ihr ständig neue Ideen an – auch unlogische, unrealistische, fantastische, abenteuerliche. Aber Sandra blockte alle ab, die nicht ihrem Anspruch nach der “bestmöglichen Lösung” entsprachen.

Sie erlaubte sich keinen “kleinen Sturm im Gehirn”, weil das ihrem Leistungsanspruch widersprach, schnell und effektiv zum Ziel zu kommen. Ironie des Schicksals: Genau dadurch kam sie gar nicht voran.

Der Zauber des “Aber anders geht’s auch”

Alles änderte sich, als Sandra einen neuen Leitsatz für sich entdeckte: “So geht’s – aber anders geht’s auch.”

Diese fünf Wörter befreiten sie aus ihrer selbstgemachten Gefangenschaft. Plötzlich stand sie nicht mehr unter dem Druck, die eine, einzige, allerbeste Lösung finden zu müssen. Sie konnte leichteren Herzens nach einer für sie gangbaren Lösung suchen.

Warum Störungen normal sind

Ein weiterer Durchbruch war Sandras neue Grundeinstellung: “Störungen sind ein natürlicher Teil innerhalb jedes Unternehmens und innerhalb jeder Unternehmung.”

Das klingt erstmal banal, ist aber revolutionär. Denn wenn Störungen normal sind, dann müssen wir nicht in Panik geraten, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Dann können wir gelassen bleiben und kreativ werden.

Die Kunst des kreativen Brainstormings

Vielleicht kennst du das Wort “Brainstorming”, aber setzt es nie um? Sandra ging es genauso. Die Idee, ihre Gedanken auch mal unlogische, unrealistische oder abenteuerliche Wege gehen zu lassen, erschien ihr ineffizient.

Dabei ist genau das der Schlüssel: Erlaube dir eine “bunte Artenvielfalt” bei der Lösungssuche. Lass verrückte Ideen zu. Sammle erst mal alles, was dir einfällt – ohne es sofort zu bewerten.

Du wirst überrascht sein, wie oft aus einer zunächst völlig absurd erscheinenden Idee der Kern einer praktikablen Lösung entsteht.

Wenn gar nichts geht: Die radikale Akzeptanz

Manchmal – und das ist wichtig zu verstehen – gibt es Situationen, die sich wirklich nicht überwinden, umgehen, beseitigen oder verändern lassen. Stell dir vor, du hast dir kurz vor einem wichtigen Sportwettkampf die Schulter gebrochen.

Hier kommt die radikale Akzeptanz ins Spiel. Manchmal ist die beste “Lösung”, die Situation so anzunehmen, wie sie ist. Das ist kein Aufgeben, sondern Weisheit.

Deine neue Lösungsstrategie

Schritt 1: Bye-bye, Perfektionismus
Verabschiede dich von der Idee, dass es DIE eine perfekte Lösung gibt. Es gibt viele gute Lösungen.

Schritt 2: Brainstorm ohne Bewertung
Sammle alle Ideen, die dir einfallen – auch die verrückten. Bewerte erst später.

Schritt 3: Denk in Alternativen
Frag dich: “Wie könnte es noch gehen? Und noch anders? Und ganz anders?”

Schritt 4: Probiere aus
Du musst nicht die perfekte Lösung finden, bevor du anfängst. Probiere eine aus, die dir gut erscheint. Du kannst immer noch anpassen.

Die Befreiung im “Auch anders”

Wenn du anfängst, in Alternativen zu denken, passiert etwas Wunderbares: Der Druck fällt ab. Du wirst kreativer. Du siehst Möglichkeiten, die vorher unsichtbar waren.

Und das Beste: Du kannst dich auch für deine Kolleginnen und Freunde freuen, die andere Lösungswege finden. Du musst nicht mehr neidisch sein auf ihre Ideen, weil du weißt: Es gibt genug Lösungen für alle.

Störungen als Chancen sehen

Mit deiner neuen Einstellung werden Störungen zu dem, was sie eigentlich sind: normale Bestandteile des Lebens. Statt dich aufzuregen, wenn etwas nicht nach Plan läuft, kannst du neugierig werden: “Interessant! Wie löse ich das denn jetzt?”

Praktische Übungen für mehr Lösungsvielfalt

Die 10-Ideen-Regel:
Wenn du vor einem Problem stehst, zwing dich dazu, mindestens 10 verschiedene Lösungsansätze zu sammeln. Die ersten fünf sind meist die naheliegenden. Ab Nummer sechs wird es kreativ.

Der Perspektivenwechsel:
Frag dich: “Wie würde meine beste Freundin das lösen? Wie mein Chef? Wie mein Kind?” Verschiedene Blickwinkel bringen verschiedene Lösungen.

Das “Worst-Case-Spiel”:
Mal dir den schlimmsten Fall aus – und dann überleg dir, wie du auch damit umgehen könntest. Oft merkst du: So schlimm ist es gar nicht.

Wenn andere deine Vielfalt kritisieren

Manche Menschen werden dich vielleicht kritisieren, weil du nicht mehr verbissen nach DER einen Lösung suchst. Sie könnten sagen: “Du nimmst das nicht ernst genug” oder “Du solltest strukturierter vorgehen.”

Lass dich nicht beirren. Du nimmst es sehr ernst – nur eben entspannter und kreativer.

Leichteren Herzens durchs Leben

Stell dir vor, du könntest jede Herausforderung mit dem Gedanken angehen: “Das kriege ich schon hin. Und wenn nicht auf die eine Art, dann eben anders.”

Diese Einstellung macht nicht nur gelassener, sondern auch erfolgreicher. Denn Menschen, die flexibel denken können, finden öfter Wege, wo andere nur Sackgassen sehen.

Dein neues Mantra

Das nächste Mal, wenn du vor einem Problem stehst und dich der alte Perfektionismus packen will, erinnere dich an Sandras Weisheit: “So geht’s – aber anders geht’s auch.”

Diese fünf Wörter können dein Leben verändern. Sie nehmen den Druck raus und machen Platz für Kreativität, Leichtigkeit und – ja – für Lösungen, an die du nie gedacht hättest.

Es gibt immer einen Weg. Meist sogar mehrere. Du musst nur bereit sein, sie zu sehen.


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