Osteoporose: Warum fast jede vierte hochaltrige Frau betroffen ist – und was du jetzt tun kannst
Gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Osteoporose-Erkrankungen geht zurück. Trotzdem sind vor allem ältere Frauen massiv betroffen. Was steckt dahinter – und wie kannst du dich schützen?
Das Wichtigste in Kürze: Osteoporose bei Frauen
Die gute Nachricht: Die Osteoporose-Zahlen sinken insgesamt dank gesünderem Lebensstil. Dennoch sind Frauen ab den Wechseljahren aufgrund des sinkenden Östrogenspiegels deutlich häufiger betroffen als Männer – bei den über 90-Jährigen leidet fast jede Vierte an Knochenschwund.
✨ Minerva VISION Insight: Es gibt ein starkes Nord-Süd- und Stadt-Land-Gefälle. Wo viel geraucht wird, brechen statistisch gesehen öfter die Knochen.
Aber lies weiter…
Die Zahlen klingen zunächst beruhigend: 2023 waren in Deutschland 2,15 Millionen Menschen ab 35 Jahren von Osteoporose betroffen – weniger als noch vor ein paar Jahren. Während 2017 noch 4,6 Prozent der Bevölkerung die Diagnose erhielten, waren es 2023 nur noch 4,0 Prozent. Ein erfreulicher Trend, den Experten auf einen veränderten Lebensstil zurückführen: Mögliche Ursachen sind eine calciumreichere Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und zunehmender Rauchverzicht.
Warum es Frauen viermal häufiger trifft
Doch hinter den positiven Zahlen verbirgt sich eine Realität, die wir nicht ignorieren dürfen: Unter den über 90-Jährigen sind 29,2 Prozent der Frauen betroffen – also fast jede Vierte. Bei Männern derselben Altersgruppe sind es gerade mal 7,4 Prozent.
Der Grund liegt in unserer Biologie, genauer gesagt in den Wechseljahren. Wenn der Östrogenspiegel sinkt, verliert der Knochen seinen hormonellen Schutzschild. Die Folge ist, dass mehr Knochensubstanz abgebaut als aufgebaut wird. Bei Männern sinkt das Testosteron – das ähnlich schützend wirkt wie Östrogen – deutlich langsamer. Deshalb öffnet sich die Schere zwischen den Geschlechtern mit zunehmendem Alter immer weiter.
Der Teufelskreis der Angst
Mit der Diagnose Osteoporose geht verständlicherweise ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche einher. Das Problem dabei ist oft psychologischer Natur: Aus der Angst vor Brüchen folgt häufig, dass Patientinnen ihre gewohnten Alltagsaktivitäten einschränken.
Das ist ein fataler Teufelskreis. Denn genau diese Einschränkung der körperlichen Aktivität kann das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen. Wer sich schont, baut schneller ab.
Wo du lebst, macht einen Unterschied
Interessanterweise spielt auch der Wohnort eine Rolle. Die Daten zeigen deutliche regionale Unterschiede:
- In Sachsen-Anhalt sind 5,8 Prozent der Bevölkerung betroffen.
- In Hamburg sind es hingegen nur 2,9 Prozent.
Besonders auffällig ist der Zusammenhang mit dem Lebensstil: In Regionen mit vielen Raucherinnen und Rauchern kommt Osteoporose häufiger vor (4,6 Prozent) als in Regionen mit weniger Rauchenden (3,6 Prozent). Der Grund dafür ist simpel, aber gravierend: Rauchen schadet dem Knochenstoffwechsel und senkt die Knochendichte.
Was du jetzt für dich tun kannst
Die beste Nachricht ist, dass du dem nicht hilflos ausgeliefert bist. Du kannst selbst eine Menge tun, um deine Knochen zu schützen:
- Bewegung ist das A und O: Die Knochendichte wird maßgeblich durch körperliche Aktivität bestimmt. Schon in jungen Jahren – zwischen 20 und 30 – wird die maximale Knochendichte aufgebaut. Aber auch im höheren Alter hilft Bewegung ungemein: Sie stärkt nicht nur die Knochen, sondern auch die Muskulatur und Beweglichkeit. Das wiederum senkt das Sturzrisiko – und damit auch das Risiko für Knochenbrüche.
- Achte auf Calcium und Vitamin D: Ein Mangel an diesen beiden Nährstoffen begünstigt den Knochenabbau. Calciumreiche Lebensmittel wie Milchprodukte, grünes Gemüse oder calciumreiches Mineralwasser sollten regelmäßig auf deinem Speiseplan stehen.
- Lass das Rauchen sein: Die Studie zeigt deutlich, dass Rauchen das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche erheblich erhöht.
- Vorsicht bei Medikamenten: Glukokortikoide (umgangssprachlich Kortison) können die Entstehung von Osteoporose begünstigen. Wenn du solche Medikamente einnehmen musst, sprich mit deiner Ärztin über vorbeugende Maßnahmen.
- Alkohol in Maßen: Auch übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich negativ auf die Knochengesundheit aus.
Ein Blick in die Zukunft
Dass die Osteoporose-Zahlen insgesamt zurückgehen, macht Hoffnung. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, ist in den nächsten Jahren ein weiterer Rückgang zu erwarten. Es ist der Beweis dafür, dass Prävention wirkt – und dass jede von uns etwas für ihre Knochengesundheit tun kann.
Quelle: Gesundheitsatlas Deutschland 2024 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO)
Über die Autorin: Marlene Sommer übersetzt komplizierte Forschungsergebnisse in unterhaltsame Kolumnen, die zeigen, dass die Natur oft absurder ist als jede Dating-App. Nach ihrer eigenen chaotischen Scheidung vor drei Jahren hat sie ein besonderes Gespür für die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen entwickelt.




