Nicht mit meinen Welpen … äh, Kindern
Die mit dem Hund geht… Wie das Leben mit Hund wirklich abläuft.

Hier schreibt: Birgit Jaklitsch. Als die Juristin mit ihrem Golden Retriever Rüden Finley einen “vollkommen unerziehbaren Hund” hatte, entschloss sie sich, selbst eine Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen. Ihren kritischen Blick als Gerichtsreporterin hat sie sich erhalten und gewinnt dadurch immer wieder humorvolle Erkenntnisse auf das Leben mit dem Hund. Birgit Jaklitsch hat eine Kolumne im Magazin Hundewelt und ist Buch-Autorin.
„Caruso ist ein Schlittenhund“ sagte Bruni mit Überzeugung.
Es war einer dieser Winter gewesen, in dem viel Schnee gefallen war in Hamburg. Bruni wollte ihrem großen Schweizer eine Aufgabe geben. Ihr Mann hatte einen Doppelsitzerschlitten aus Holz gebaut, in dem zwei Kinder sitzen konnten. Bruni wollte meine Kinder. Dann sollte Caruso in einem Geschirr vor den Schlitten geschnallt werden und meine Mädchen immer im Kreis durch unseren Ring ziehen. Soweit ihr Plan. Finley sah Bruni an, als wollte er als nächstes fragen: „Dein Ernst?“
Wer hier schon länger mitgelesen hat, weiß ja, dass unsere Familie ein kompliziertes Verhältnis zu Caruso hatte. Meine Kinder hatten Angst vor ihm, Finley hasste ihn aus tiefstem Herzen. Ich war überwiegend damit beschäftigt, Caruso in seine Schranken zu weisen und mein Mann fragte jede zweite Woche nach, ob der große, dunkle Hund aus 27b noch am Leben war. Caruso, ja der machte keine Unterschiede, er hasste uns alle abgrundtief.
Finley stupste mich an, als wollte er sagen, „Mach keinen Quatsch, Frauchen, nicht meine Welpen“. Ich tätschelte seinen Kopf und lehnte Brunis Angebot dankend ab und schlug ihr vor, sie möge dieses Vergnügen doch ihren Enkeln gönnen. „Das geht nicht, mein Sohn hat es verboten, dieser Helikopter-Papa“, antwortete sie. „Naja, es ist ja auch nicht ganz ungefährlich“, antwortete ich. „Papperlapapp“, entgegnete sie, „das hat Caruso doch in seiner DNA.“
„Aber das weiß Caruso doch nicht“, entgegnete ich. „Lass‘ deine Kinder doch mitmachen“, bat Bruni noch einmal.
Ich wechselte spontan hinüber in die Helikoptergruppe für verängstigte Elternteile und sagte wieder nein. Mein Ruf als coole Mutter war mir gerade pupsegal. So ist das, wenn man der letzte Schutzwall zwischen seinen Kindern und einem Genickbruch ist.
Zwei Tage später lockte mich lautes Gejohle an den Straßenrand. Ein außer sich geratener Caruso, flitzte mit Fullspeed, den Selfmade-Schlitten hinter sich herschleifend, unsere Straße entlang. Im Schlitten saßen Theo und Hans, die Söhne einer anderen Nachbarin. Der Schlitten schlingerte gefährlich, weil Caruso im Zickzack lief. Offensichtlich hatte er seine „DNA“ nicht gecheckt, bevor er losgelaufen war. Der Schlitten verfehlte meinen Berlingo, prallte dafür an den Sharan der Familie Maier, um gleich danach die Hecke der Familie Hendriksen zu dezimieren. Dann gab es einen großen Knall. Caruso war ausgerutscht, der Schlitten hatte ihn überholt und war mit voller Wucht in die Fahrerseite des VW-Kombis meiner Freundin Suse gekracht.
Ich lief vorbei an Caruso, um nach den Jungs zu sehen. Die zwei kleinen Haudegen kamen mir unverletzt entgegen. Ich brachte die Beiden zu ihrer Mutter und empfahl ihr eine Mitgliedschaft in meiner Helikoptergruppe. Caruso hatte sich auch berappelt. Auf dem Weg nach Hause fragte ich mich, wie Bruni ihrer Hundehalterhaftpflicht wohl erklären würde, was geschehen war. Und Bruni? Die stand mit blassem Gesicht am Straßenrand und wisperte: „Aber er hat es doch in seiner DNA.“

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