Kamikaze-Otto, Meister des Eichhörchen-Bungees
Die mit dem Hund geht… Wie das Leben mit Hund wirklich abläuft.

Hier schreibt: Birgit Jaklitsch. Als die Juristin mit ihrem Golden Retriever Rüden Finley einen “vollkommen unerziehbaren Hund” hatte, entschloss sie sich, selbst eine Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen. Ihren kritischen Blick als Gerichtsreporterin hat sie sich erhalten und gewinnt dadurch immer wieder humorvolle Erkenntnisse auf das Leben mit dem Hund. Birgit Jaklitsch hat eine Kolumne im Magazin Hundewelt und ist Buch-Autorin.
Finley was not amused
Zurzeit müssen Finley und ich aufpassen, dass sich in uns nicht ein archaischer Territorialinstinkt Bahn bricht. Ich erwäge mir eine Axt anzuschaffen, ein Katapult, oder besser noch eine Streckbank. Wir sind da offen für Vorschläge.
Das ist Ottos schuld. Wehe, ich höre jetzt jemanden lachen, Otto ist ein Eichhörnchen. Dieses rothaarige, kleine Biest ist auf eine der hohen Eichen an der Ausfahrt unseres Garagenhofes gezogen. Bitte, niemand sagt jetzt: „Oh, die sind doch niedlich.“ Das hatten Finley und ich auch gedacht, bis wir Kamikaze-Otto kennengelernt hatten.
Zugegeben, die folgende Beschreibung basiert nicht auf fundierten, zoologischen Erkenntnissen, sondern ist subjektiv geprägt. Finleys und meine Eindrücke sind aus dem Vorstadtleben gegriffen, ungefiltert, brutal ehrlich. Kamikaze-Otto ist ein übergewichtiges Eichhörnchen-Machomännchen. Er ist verfressen, manchmal respektlos und komplett angstfrei. Oh, und nicht zu vergessen, Otto denkt ganz offensichtlich, dass er fliegen kann. Glaubt mir, er ist ein Alpha-Hörnchen auf Speed, mit der Lizenz zu nerven.Aus seiner Sicht ist er „König Otto der Einzige“, Herr der Baumwipfel, wild und unerschrocken. Unsere erste Begegnung mit Otto hatten Finley und ich, als wir nach einem langen ereignisreichen Spaziergang nach Hause kamen. Der kürzeste Weg führt uns dabei über den Garagenhof.
Wir hatten die Gassirunde beide innerlich schon abgeschlossen und hingen unseren Gedanken nach. Alle unsere Dummys waren versteckt und gefunden worden, alle Leckelis waren vertilgt und alle Lieblingsfeinde waren artgerecht zusammengestaucht worden.
Wir bogen um die Ecke. Im Baum über uns raschelte es, ich schaute irritiert nach oben. Ein großer, dunkler Klops fiel herunter, ich schrie auf, das große Dings prallte mit einem dumpfen „Wwhumppp“, etwa einen Meter neben mir auf den Asphalt. Irritiert sah ich auf das pummelige Eichhörnchen. Kamikaze-Otto, der Erfinder des Eichhörnchen-Bungees, hatte überlebt.
Mit lauten Geckgeckgeckgeck-Lauten, es hörte sich fast an wie Gelächter an, raste er auf den nächsten Baum zu und kletterte im Turbo-Tempo in den Baumwipfel. Finley war empört. Er drehte sich um und fing an zu schimpfen: „Wage es ja nicht meine … äh, die Dings … wie heißt du noch … öh, egal jedenfalls lässt du die in Ruhe, du Klops“! Ich liebte ihn dafür.
Otto verfeinerte seine Techniken. Manchmal segelte er wie ein Paraglider, die Extremitäten seitlich ausgestreckt, zwischen den Eichen hin und her, um dann, zumindest in meiner Vorstellung, wie ein vier Kilogramm schwerer Rollbraten auf meinen Kopf niederzusausen. Ich hatte reagiert und mich mit einem Stockschirm ausgerüstet. Egal bei welchem Wetter, konnten meine Nachbarn nun beobachten, wie Finley und ich unter unserem aufgespannten Schirm über den Garagenhof flanierten und ich dem Baumwipfel der alten Eiche zuraunte: „Spring doch Otto, spring doch…“

Lust auf mehr? Dann empfehlen wir “Dickes Fell und langer Atem” – Vom Überleben an der Schleppleine. Die Leserkommentare: “Zum Brüllen komisch”, “Einfach herrlich”, “Habe mich wieder erkannt” und “Wann kommt der nächste Jaklitsch?”. Birgit Jaklitschs Buch erschien im Minerva-Verlag und ist in jedem Buchhandel erhältlich oder direkt im Minervastore. www.Minervastore.de.




