Kolumnen

Friedhof der Kuscheltiere

Die mit dem Hund geht… Wie das Leben mit Hund wirklich abläuft.


Hier schreibt: Birgit Jaklitsch. Als die Juristin mit ihrem Golden Retriever Rüden Finley einen “vollkommen unerziehbaren Hund” hatte, entschloss sie sich, selbst eine Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen. Ihren kritischen Blick als Gerichtsreporterin hat sie sich erhalten und gewinnt dadurch immer wieder humorvolle Erkenntnisse auf das Leben mit dem Hund. Birgit Jaklitsch hat eine Kolumne im Magazin Hundewelt und ist Buch-Autorin.

Wer kennt sie nicht, die süßen Foto-Posts in den sozialen Medien, von Hunden aller Couleur und einem watteweichen Stofftier, zusammengekuschelt im Körbchen, schlafend oder schmusend.

Unterlegt sind diese Bilder gern mit euphorischen Texten wie: „Bei seinem Schäfchen wird der Harro ganz sanft…“ oder „Mein Rico, nie ohne sein Kuschelkätzchen…“ oder „Ohne Häschen Leila kann der Caruso gar nicht schlafen…“ Dann sieht man in der Regel ausgewachsene Bulldoggen-, Schäferhund- oder *hüstel Retriever-Rüden, wie sie beim Anblick ihres leblosen Lebensabschnittsgefährten dahinschmelzen.

Ich kann es förmlich hören, wie 80 Prozent der Konsumenten dieses Contents ein verklärtes Och-wie-niedlich vor sich hin seufzen. Der erste Gedanke, der mir bei diesen Posts in den Sinn kommt, ist „ihr schummelt doch alle“. Bei Finley und mir ist es nämlich folgendermaßen mit den Kuscheltieren. In Finley schlummern die Gene eines Pathologen. Er hatte seine Kuscheltiere, davon gab es einige, so lieb, dass er unbedingt ihr Inneres kennenlernen wollte. Er arbeitete sich Stück für Stück, akribisch von einem Körperteil zum Nächsten und beendete das Massaker nicht eher, bis er auch das letzte Knopfauge entfernt und untersucht hatte.

Dann nahm er die Leichenteile und vergrub sie, nach guter alter Mafia-Manier, im Garten zwischen meinen Stauden. So nach und nach entwickelte sich mein Ziergarten zu einem Friedhof der Kuscheltiere. Meine Aufgabe war es also, die Fetzen zu suchen, sie wieder auszugraben und in die entsprechenden Mülltonnen zu verteilen. Hundespielzeug sollte wirklich biologisch abbaubar sein. Wer denkt denn an sowas, wenn er sich einen Hund zulegt.

In der Regel war es Finley egal, was ich mit den Fragmenten seiner Schmusetiere machte. Die Ausnahme war Pünktchen, eine säuglingsgroßer Dalmatiner aus einem großen, schwedischen Möbelhaus. Finley schleppte sie wirklich überall mit hin, es war so süss … nein, ich will ehrlich bleiben. NATÜRLICH zerlegte Finley auch Pünktchen in ihre Einzelteile. Der Unterschied war, dass er sich von keinem dieser Bruchstücke trennen wollte. ACHTUNG, kleine Vorwarnung. Wir betreten jetzt die Hanibal-Lecter-Abteilung!

Die Beine positionierte er neben seinem Trinknapf, den Torso an seinem Lieblingsplatz im Garten und der abgebissene Dalmatiner-Kopf ruhte fortan in seinem Körbchen. Ich habe die Hoffnung inzwischen aufgegeben, auch mal so einen zuckersüßen Schmuse-Post in den sozialen Medien absetzen zu können. Was sollte ich auch schreiben? „Ohne Pünktchens Köpfchen kann der Finley gar nicht einschlafen…?“

Lust auf mehr? Dann empfehlen wir “Dickes Fell und langer Atem” – Vom Überleben an der Schleppleine. Die Leserkommentare: “Zum Brüllen komisch”, “Einfach herrlich”, “Habe mich wieder erkannt” und “Wann kommt der nächste Jaklitsch?”. Birgit Jaklitschs Buch erschien im Minerva-Verlag und ist in jedem Buchhandel erhältlich oder direkt im Minervastore. www.Minervastore.de.

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