Die Frau, die einfach macht: Helma Spona über Selbstzweifel und den Mut, den eigenen Weg zu gehen
Helma Spona ist Diplomkauffrau, IT-Beraterin und Autorin von rund 100 Büchern. Außerdem Obedience-Leistungsrichterin. Wie schafft man das alles? Ihr Rat: einfach machen, statt zu zweifeln.
Angefangen hat alles mit einem Labrador-Mix namens Lion, der 2002 in ihr Leben kam und mit dem Rüden ihrer Eltern nicht klarkam. Der Hundeverein sollte bei der Rüpelei helfen und daraus wurde eine zweite Karriere, die Lion zur Landesmeisterschaft trug.
Mit uns spricht Helma darüber, warum sie von Selbstzweifeln wenig hält. Ihr Fazit für alle, die etwas Neues wagen wollen: Wer nicht überzeugt ist, sollte es lassen. Wer überzeugt ist, sollte einfach anfangen.
Helma, schon mit 16 hast du angefangen, die Jagdhunde deiner Eltern auszubilden. Wenn du an diese Zeit zurückdenkst – was hat damals den Funken gezündet, diese besondere Verbindung zu Hunden?
Die Verbindung zu Hunden gab es schon viel früher, als der erste Hund in mein Elternhaus einzog. Damals war ich 8 oder 9. Es war diese nette Hündin, die immer lieb war, für jeden Spaß zu haben, aber auch ihr Ding gemacht hat und über die Bauernhöfe gezogen ist und die Hunde der Bauern besucht hat und oftmals nach Gülle stinkend zurückkam.
Du hast Wirtschaftswissenschaften studiert, eine IT-Beratung aufgebaut und rund 100 Fachbücher geschrieben – eine beeindruckende Karriere. Und dann kam 2002 Lion, dein Labrador-Mix, und hat alles auf den Kopf gestellt. Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du gespürt hast: Hunde sind mehr als ein Hobby, das ist ein Stück von mir?
Ich habe Hunde nie als mein Hobby in dem Sinne verstanden, wie man Hobby im Allgemeinen versteht. Ich habe irgendwann nur den Hundesport als mein Hobby entdeckt. Dazu braucht man natürlich Hunde. Allerdings habe ich nach meinem Labradormix viel Pech gehabt mit der Gesundheit meiner Hunde, was Hundesport schwer gemacht hat. Dennoch wollte ich keinen dieser Hunde missen.
Der Weg in den Hundesport begann bei dir ja ziemlich ungeplant – Lion geriet ständig mit dem Rüden deiner Eltern aneinander, und du bist quasi aus Verzweiflung im Hundeverein gelandet. Es ist schon verrückt, wie manchmal ein Problem zum Startschuss für etwas Großes wird, oder?
Ja, das stimmt. Damals hätte ich das auch nicht gedacht, vor allem, weil die Trainer in meinem ersten Verein das „Problem“ nicht lösen konnten. Aber nach der bestandenen Begleithundeprüfung hatte ich dann „Blut geleckt“.
Von der Begleithundeprüfung zum Obedience – du hast mal geschrieben, dass Agility nichts für euch war, weil Lion „zu langsam“ und du „zu unsportlich“ warst. Das klingt so herrlich ehrlich. War Obedience dann so etwas wie Liebe auf den zweiten Blick?
Nicht so ganz, eher Liebe auf den dritten Blick, denn nach der Begleithundeprüfung habe ich ja erst mal mit Lion gefährtet. Fährten war durchaus unser Ding. Lion hatte Spaß und war ein „Selbstläufer“. Er war wirklich gut. Erst als er 7 war, wurde in meinem Verein Obedience eingeführt und wir haben damit angefangen. Fährten war aber immer noch unser Lieblingssport. Seine letzte Landesmeisterschaft hat er mit 12 Jahren gemacht und bestanden! Meine Mali-Hündin, die ich zu dem Zeitpunkt schon hatte, war überhaupt nicht zum Fährten zu bewegen, leider …
Obedience wird oft als „Gehorsam in höchster Vollendung“ beschrieben – aber wer dich erlebt, merkt, dass da so viel mehr dahintersteckt. Was berührt dich an diesem Sport am meisten?
Dass man sofort merkt, ob Hund und Mensch ein „Team“ sind, dass man erkennt, ob der Hund nur Pflichtübungen ausführt oder Spaß hat und dass es so viele Trainingsansätze für das gleiche Ergebnis gibt.
Dein Lion hat es als Labrador-Mix bis in Klasse 3 auf die DVG-Bundessiegerprüfung geschafft und ist sogar mit 13 Jahren noch bei der Landesmeisterschaft gestartet. Da bekommt man beim Lesen fast feuchte Augen. Was hat dieser Hund dich über Vertrauen und Durchhalten gelehrt?
Er hat mich gelehrt, dass „Alter“ niemals die Grenze vorgeben sollte, dass es keine Rolle spielt, ob ein Hund 8 oder 12 oder 2 ist. Solange der Hund Spaß am Sport hat und körperlich nicht überfordert ist, können auch alte Hunde noch Sport machen. Für mich ist es unverständlich, wenn Leute ihre Hunde generell mit 8 in den „Ruhestand“ schicken. Wenn der Hund gesund ist und der Sport ihn nicht überfordert, warum sollte ein Hund dann nicht auch noch mit 9 oder 10 Prüfungen laufen? Genau wie es beim Menschen welche gibt, die mit 80 topfit sind, und andere, die mit 60 schon gesundheitlich stark eingeschränkt sind, ist das auch bei Hunden so.
Heute bist du selbst Leistungsrichterin und bewertest andere Teams. Wenn du auf dem Prüfungsplatz stehst – was berührt dich, und was wünschst du dir manchmal von den Teams?
Ich würde mir wünschen, dass die Menschen im Team sich mal die Prüfungsordnung durchlesen, den Ablauf der Übungen kennen und wissen, was sie dürfen und was nicht. Ich würde mir wünschen, dass die Hundeführer die Prüfungsordnung so gut kennen, dass sie ihren Hunden auch helfen können, ohne dass gleich die Übung mit 0 Punkten zu bewerten ist. Ich gebe ungern 0 Punkte, aber es kommt leider immer häufiger vor, dass ich die nicht wegen mangelnder Leistung des Hundes, sondern wegen Nicht-Kenntnis der Prüfungsordnung geben muss. Das finde ich sehr schade.
Training mit Herz – und eigenen Regeln
Dein Buch heißt „Hunde-Erziehung für Freigeister“ – allein der Titel macht Mut. Was steckt dahinter: eine Trainingsphilosophie oder auch ein Stück Lebenseinstellung?
Eher eine Lebenseinstellung, aus der sich durchaus auch eine Trainingsphilosophie ergibt. Hundeerziehung geht nicht nach Schema. „Wenn ich hier was belohne und da was ignoriere, verhält sich mein Hund so … “ Das geht eben nicht. Und daher kann man eben auch nicht nach strengen Vorgaben und strikten Regeln trainieren. Man sollte auch immer seiner Intuition folgen. Ganz oft ist die richtig.
Du sagst, jeder Hund ist anders und braucht seinen eigenen Weg. Hand aufs Herz – gab es einen Hund, der dich dazu gebracht hat, das so klar zu sehen?
Jeder meiner Hunde war komplett anders als alle anderen. Es wäre fatal gewesen, mit allen identisch zu trainieren. Schon meine Malinois-Hündin war komplett anders als mein Labrador-Mix. Nicht nur vom Temperament, sondern auch von den Trainingsmethoden, die funktionierten oder scheiterten.
Wenn dir jemand sagt „Ohne Strafe geht es aber nicht“ – wie antwortest du? Und vor allem: Was empfindest du dabei?
Dem stimme ich völlig zu. Es geht auch nicht bei jedem Hund ohne Strafe. Wenn man diesen Standpunkt vertritt, dann muss man aber auch definieren, was man unter Strafe versteht. Eine Strafe im lerntheoretischen Sinn hat ja nicht zwingend etwas mit Prügel oder Gewalt zu tun. Das Training zu beenden, kann für manch einen Hund schon eine Strafe sein. Den Hund oder sein Verhalten zu ignorieren, ist für viele Hunde auch eine Strafe. Und wer sagt, er bestrafe seinen Hund für unerwünschtes Verhalten nicht und arbeite rein positiv, muss sich die Frage gefallen lassen, wie er sicherstellt, dass der Hund „ignorieren“ nicht als Strafe empfindet. Es geht ja nicht darum, was wir als Strafe ansehen, sondern was beim Hund als Strafe ankommt. Wer behauptet, gänzlich ohne Strafe im lerntheoretischen Sinne zu erziehen, der hat die Lerntheorie nicht verstanden oder ordnet Konsequenzen für das Verhalten seines Hundes falsch ein.
Die Frau, die einfach macht
IT-Beraterin, Autorin von rund 100 Büchern, Fotografin, Hundetrainerin, Leistungsrichterin, Vereinsvorsitzende, Online-Shop-Betreiberin – wenn man das so liest, fragt man sich unwillkürlich: Woher nimmst du die Energie? Und gab es Momente, in denen du dachtest, es ist zu viel?
Ich denke immer, es ist zu viel. Ist es auch definitiv. Nicht umsonst arbeite ich an vielen Tagen bis tief in die Nacht. Aber arbeiten muss ich nun mal, um über die Runden zu kommen, und den Verein im Stich zu lassen, ist auch nicht mein Ding. Der Verein und Hundesport sind eben Abstand von der Arbeit, den ich auch brauche. Wäre ich zu Hause, würde ich weiterarbeiten und hätte nichts, was nur annähernd als Freizeit zu bezeichnen wäre.
Du bewegst dich in Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten – Technik, Hundesport, Ehrenamt. Hattest du jemals das Gefühl, dich beweisen zu müssen, weil du eine Frau bist?
Nein, das eigentlich nicht. Vor allem ist Hundesport, mit Ausnahme einiger weniger Sportarten, eine Frauendomäne.
Viele Frauen tun sich schwer damit, sich selbst als Expertin zu bezeichnen. Dir scheint es leichtzufallen, dein Wissen zu teilen. War das immer so, oder musstest du da auch erst reinwachsen?
Wissen zu teilen und sich als Experte zu bezeichnen, sind in meinen Augen auch zweierlei. Ich selbst bezeichne mich nicht als Experte. Das machen dann andere und damit kann ich leben.
Wenn du einer Frau begegnen würdest, die spürt, dass sie etwas Neues wagen möchte, sich aber nicht traut – was würdest du ihr mit auf den Weg geben?
Sich „nicht trauen“ ist für mich ein Ausdruck von Selbstzweifeln. Das ist kein guter Ausgangspunkt für Änderungen im Leben. Wer etwas Neues wagen möchte, sollte davon überzeugt sein, dass es gut ist. Nur dann kann es auch erfolgreich werden. Wer diese Zweifel nicht ablegen kann, ist nicht bereit für „Neues“ und sollte es besser lassen. Aber das hat nichts mit Frauen zu tun. Gleiches gilt auch für Männer, nur wurden die oftmals nicht so erzogen, dass sie zu Selbstzweifeln neigen.
Du zeigst mit „Hunde-Erziehung für Freigeister“, dass man auch ohne Hundeschule seinen eigenen Weg gehen kann. Ist das auch eine Botschaft an Frauen generell: Trau dir deinen eigenen Weg zu?
Man kann immer seinen eigenen Weg gehen, aber man sollte seinen Weg kennen oder eine Vorstellung davon haben, wohin man will. Selbstzweifel sollte man dabei ablegen, denn mit Zweifeln ist man nicht zielstrebig und sieht mehr zurück als vorwärts und das bremst.
Und zum Schluss, ganz persönlich: Was ist für dich der schönste Moment im Zusammenleben mit einem Hund – so ein Augenblick, in dem die Welt für einen Moment stillsteht?
Ich bin nicht so emotional. Aber natürlich freue ich mich über Momente, in denen mein Hund offensichtlich glücklich ist und mich an seinem Glück teilhaben lässt. Klar würde ein Jagdhund glücklich sein, wenn er einen Hasen hetzt. Aber das meine ich nicht, und da wäre ich auch nicht Teil seines Glücks. Ich meine eher gemeinsame Aktionen wie Training, Spaziergänge oder auch Turniere, auf denen wir gemeinsam etwas schaffen und mein Hund ganz offenbar Spaß hat, so wie heute auf einem SHS-Turnier, auf dem er völlig in seine Suche vertieft war und sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis war.

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Helma Spona, Jahrgang 1968, lebt am Niederrhein in Kerken. Diplomkauffrau mit Schwerpunkt Betriebsinformatik (Universität Duisburg-Essen). Seit dem Studium selbstständig als IT-Beraterin, Webdesignerin und Fachautorin – sie hat rund 100 Bücher zu IT-, Programmier- und Fotografie-Themen veröffentlicht (u. a. bei KOSMOS, Markt+Technik, Franzis).
2002 kam mit ihrem ersten Hund, einem Labrador-Mix namens Lion, der Wendepunkt: Was als Notlösung begann (ein Hundeverein sollte bei Rüpelei helfen), wurde zur Lebensberufung. Heute ist Helma Spona Obedience-Trainerin und Vorsitzende im HSV Crazy-Dogs Niederrhein, Obedience-Leistungsrichterin im DVG (seit 2016) und Autorin mehrerer Hundebücher, darunter „Hunde-Erziehung für Freigeister“ (2023) und „Hundefotografie“ (Markt+Technik). Zusätzlich betreibt sie einen Online-Shop für Hundesportzubehör.
Ihr Credo: „Es gibt nicht die einzig wahre Ausbildungsmethode, die auf jeden Hund passt. Jeder Hund ist anders und muss daher auch anders trainiert werden.“




