Kolumnen

Granny, Butter und das gute Leben

Es gibt ja Menschen, die kommen mit einem Kochlöffel zur Welt. Und dann gibt es Julia Child.
Sie kam mit 1,88 Meter, riesigen Füßen, einer sehr amerikanischen Stimme und – wie sie selbst sagte – ohne den Hauch eines Kochinteresses auf die Welt. „Ich war 32, als ich mit dem Kochen anfing. Bis dahin habe ich nur gegessen.“
Sympathisch, oder?

Aber Gott sei Dank gab es da Granny. Ihre Großmutter. Keine Instagram-Oma mit Häkeldeckchen und Apfelkuchenästhetik, sondern ein echtes Original: wohlhabend, eigensinnig und mit einer Meinung, die sie auch sagte – notfalls ungefragt. Eine Frau mit Rückgrat. Und Buttervorräten.

Granny fand es ganz selbstverständlich, dass Frauen denken, reden, arbeiten und genießen dürfen. Und dass man zum Leben auch mal ein ordentliches Essen braucht – nicht bloß Salat mit Lightdressing.
Julia hörte zu. Und merkte sich das Wichtigste:


Iss, was du willst. Und werde, wer du bist.

Dann ging sie nach Paris. Nicht wegen eines Mannes. Sondern wegen des Geschmacks. Sie verliebte sich in Coq au Vin, in Sauce Béarnaise und in den Duft von richtig guter Butter. Sie schrieb ein Kochbuch, das dicker war als mein Jugendtagebuch (und das will was heißen).
Und sie wurde zur Küchengöttin der Amerikaner.
Nicht sexy. Nicht stylish. Aber wunderbar.

Sie kochte in Fernsehshows, kippte Wein ins Essen, kicherte, wenn was daneben ging, und ließ sich nie aus der Ruhe bringen. Ihr Motto?
„Mit genug Butter ist alles gut.“

Ich habe sie geliebt, bevor ich sie überhaupt gesehen habe.
Weil sie mich daran erinnert, dass man auch mit über 30 noch anfangen kann. Mit dem Kochen. Mit dem Leben. Mit dem „Ich will jetzt wirklich wissen, wie man Hollandaise macht!“.

Julia Child war keine Ikone im klassischen Sinn.
Sie war ein bisschen zu laut, ein bisschen zu groß, ein bisschen zu viel.
Aber genau das war ihre Stärke.

Und am Anfang?
War Granny.
Die Frau, die gesagt hat: „Mach dein Ding, Julia. Und bitte – mit Butter.“

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