Gesund bleiben

MS und Depression – Wenn die Seele mitleidet

Mein Leben mit MS:

Hallo und herzlich willkommen bei MS-Voices! Ich bin Irene, und hier dreht sich alles um das Leben mit Multipler Sklerose (MS). Als ich vor einigen Jahren die Diagnose erhielt, hat sich mein Alltag auf den Kopf gestellt – und ich war plötzlich mit unzähligen Fragen, Ängsten und Herausforderungen konfrontiert. In diesem Blog möchte ich meine persönlichen Erfahrungen mit euch teilen und Menschen eine Stimme geben, die unter MS leiden. Wie ist das wirklich, mit MS zu leben? Wie verändert es den Alltag, die Beziehungen und die Zukunftsplanung? Hier gibt es ehrliche Einblicke, praktische Tipps und die ein oder andere Anekdote aus meinem Leben – direkt aus dem Herzen einer Betroffenen.

 MS ist nicht nur eine Krankheit des Nervensystems.

Sie ist auch eine Krankheit der Seele.

Etwa 50 Prozent der Menschen mit MS leiden irgendwann an einer Depression. Das ist mehr als doppelt so viel wie in der Allgemeinbevölkerung.

Warum?

Erstens: Die MS selbst.

MS greift das zentrale Nervensystem an. Und dieses System steuert auch deine Stimmung. Läsionen im Gehirn können direkt auf Bereiche wirken, die für Emotionen zuständig sind. Das ist keine Einbildung. Das ist Biologie.

Zweitens: Die Medikamente.

Manche MS-Medikamente, besonders Kortison während der Schubtherapie, können Stimmungsschwankungen auslösen. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Innerhalb von Stunden.

Drittens: Die Fatigue.

Diese bleierne Erschöpfung, die dich lähmt. Die dir jede Energie raubt. Die dich zwingt, Dinge aufzugeben, die dir wichtig waren. Das macht was mit der Psyche.

Viertens: Die Angst.

Angst vor der Zukunft. Angst vor dem nächsten Schub. Angst, den Job zu verlieren. Angst, zur Last zu werden. Angst vor dem Rollstuhl.

Und fünftens: Der Verlust.

Verlust von Kontrolle über deinen Körper. Verlust von Plänen, die du hattest. Verlust von Selbstverständlichkeiten, die du nicht mehr hast.

Das alles zusammen kann dich in ein tiefes Loch werfen.

Wie erkennst du eine Depression?

Du bist dauerhaft niedergeschlagen. Nichts macht mehr Freude. Du ziehst dich zurück. Schlafstörungen. Appetitlosigkeit oder Heißhunger. Konzentrationsprobleme. Grübeln ohne Ende.

Und der gefährlichste Gedanke: “Es wäre besser, wenn ich nicht mehr da wäre.”

Was ist der Unterschied zwischen Fatigue und Depression?

Das ist schwierig, weil beide ähnlich aussehen können. Aber: Bei Fatigue bist du erschöpft, aber die Stimmung ist okay. Du würdest gerne, aber du kannst nicht. Bei Depression fehlt die Lust. Du könntest vielleicht, aber du willst nicht.

Oft treten beide gleichzeitig auf. Dann wird es kompliziert.

Was kannst du tun?

Rede mit deinem Neurologen. Er kann testen, ob es eine Depression ist. Es gibt neuropsychologische Tests dafür.

Hol dir Hilfe. Bei einer leichten Depression kann Psychotherapie helfen. Bei einer mittelschweren oder schweren Depression brauchst du zusätzlich Medikamente. Antidepressiva sind keine Schande. Sie sind Medizin.

Bewege dich. Sport hilft gegen Depression. Nachweislich. Auch wenn es das Letzte ist, worauf du Lust hast.

Such dir Unterstützung. Selbsthilfegruppen, Freunde, Familie. Menschen, die verstehen, was in dir vorgeht.

Nimm es ernst. Depression ist keine Schwäche. Sie ist eine Krankheit. Und sie ist behandelbar.

Ein Psychiater, den ich für einen Podcast interviewt habe, sagte: “Depression bei MS ist wie Schmerzen nach einer Operation. Sie gehört dazu. Aber man muss sie nicht aushalten. Man kann sie behandeln.”

Eine Betroffene beschrieb es so: “Die MS hat meinen Körper angegriffen. Die Depression hat meine Seele angegriffen. Beides musste ich behandeln. Beides habe ich überlebt.”

Mein Fazit:

MS und Depression gehen oft Hand in Hand. Das ist keine Schwäche. Das ist Realität.

Aber Depression ist behandelbar. Mit Therapie, mit Medikamenten, mit Bewegung, mit Unterstützung.

Du musst das nicht alleine durchstehen. Hol dir Hilfe. Bitte.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Beitrag zu lesen! Ich hoffe, dass meine Erfahrungen dir ein Stück Klarheit oder Ermutigung schenken konnten. Als ich die Diagnose MS bekam, fühlte ich mich oft allein und überfordert. Genau deshalb habe ich ein Buch geschrieben, das ich selbst damals so dringend gebraucht hätte. „Spring, damit du fliegen kannst.: Ein Selbsthilfe-Ratgeber für MS-Erkrankte und ihre Angehörigen.“ Es ist bei Minerva-Vision erschienen. Wenn du Interesse hast, schau es dir gerne an – vielleicht ist es genau das, was auch dir weiterhelfen kann. Oder hör dir meinen Podcast „MS-Voices“ an. Bis zum nächsten Mal!

Du hast auch MS und möchtest mit mir in meinem Podcast darüber sprechen? Dann schreib mir eine Mail an: redaktion@minerva-vision.de.


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