ErnährungPsychologie

Dein Frühstück denkt für dich!

Die wichtigste Mahlzeit des Tages? Ohne Frage das Frühstück, wissen Forscher der Universitäten Lübeck, München und London. Denn: Was wir frühstücken, beeinflusst, welche Entscheidungen wir treffen. 

Jana steht vor einer großen Entscheidung. Welches Jobangebot soll sie annehmen? Die Stelle, die zwar nicht ganz ihren Vorstellungen entspricht, aber mit einem glänzenden Gehalt winkt? Oder die andere Position, die zwar ein geringeres Gehalt bietet, aber genau in dem Bereich liegt, der sie leidenschaftlich interessiert und ihr die Möglichkeit gibt, sich beruflich weiterzuentwickeln? An diesem Morgen macht sich Jana gedankenverloren das gleiche Frühstück wie jeden Tag. Was sie nicht weiß: Diese Mahlzeit wird maßgeblichen Einfluss auf ihre Entscheidung haben. 

Du bist, was du isst

Doch wie genau funktioniert das Ganze? Wir wissen schon längst, dass unsere Ernährung großen Einfluss auf uns hat: Sie beliefert uns mit Vitaminen und Nährstoffen und gibt uns dadurch genug Kraft, um unseren Tag zu bestreiten. Jetzt hat ein Forscherteam aus Neurowissenschaftlern herausgefunden, dass die erste Mahlzeit des Tages nicht nur stärkt, sondern auch unser Sozialverhalten verändern kann. 

Dazu führten sie zwei Studien durch. In der ersten Studie wurden 87 Probanden gebeten, im Detail anzugeben, was sie zum Frühstück gegessen haben. Danach wurden sie in einer zweiten Studie mit einem unfairen Angebot eines anderen Probanden konfrontiert, worauf sie reagieren konnten. Die Ergebnisse zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Makronährstoff-Komposition des Frühstücks und der Reaktion der Probanden auf unfaire Angebote gibt. Je höher der berichtete Anteil an Kohlenhydraten im zurückliegenden Frühstück war, desto sensibler reagierten die Probanden auf unfaire Angebote.

Achtung bei Low-Carb-Diäten

Im Umkehrschluss bedeutet das: Schluss mit dem Low-Carb-Wahn. Unser Körper braucht Kohlenhydrate – und unsere Psyche scheinbar genauso! „Diäten, wie die derzeit beliebte ‚Low Carb‘-Diät, sollten vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse kritisch betrachtet werden. Sie führen zwar eventuell zu dem gewünschten Gewichtsverlust, beinhalten aber ein extrem unausgewogenes Verhältnis von Kohlenhydraten und Proteinen und können dadurch einen direkten Einfluss auf unser alltägliches Verhalten haben“, gibt die Erstautorin der Studie, Dr. Sabrina Strang zu bedenken. 

Zu bedenken geben sollten diese Ergebnisse vor allem auch den Morgenmuffeln unter uns, die gern mal aufs Frühstück verzichten. Ich kenne das auch – die Zeit ist knapp, und alles scheint wichtiger, als sich jetzt noch in voller Hektik ein Toast reinzuschaufeln. Doch du (und auch ich) solltest dir das nochmal anders überlegen. Wenn du das Frühstück überspringst, fehlt dir einiges an Energie und du bist weniger konzentriert. Gönn dir lieber eine ausgewogene Mahlzeit, mit einem hohen Gehalt an Kohlenhydraten und Proteinen. Du tust dir selbst damit einen Gefallen!

Probier es selbst

Allerdings solltest du nicht nur zu Hause darauf achten, was du zu dir nimmst. Die Leiterin der Studie, Prof. Dr. Soyoung Park, rät nämlich Folgendes: „Auch das Essen in Großkantinen wie zum Beispiel in Schulen, Kindergärten, großen Betrieben oder bei der Bundeswehr sollte in Bezug auf die Makronährstoff-Zusammensetzung überdacht werden.“ 

Was bedeutet das nun also für dich? Ist das das Ende von Pro-Kontra-Listen und langwierigen Diskussionen mit Freunden und Familie vor einer Entscheidung? Nicht unbedingt. Denn jeder Mensch ist anders und nicht bei jedem funktioniert jede Methode gleich gut. Mach doch einfach mal das Selbstexperiment: Morgen frühstückst du zuerst kohlenhydratarm und proteinreich. Dann isst du zum Beispiel eine Scheibe Vollkornbrot mit Schinken, eine Scheibe Sonnenblumenkernbrot mit Frischkäse, etwas Camembert sowie einen Joghurt mit Bananen. Dazu trinkst du noch ein Glas Milch und ein Glas Wasser.

Am nächsten Morgen drehen wir den Spieß um und du probierst das proteinreiche, kohlenhydratreiche Frühstück. Hier kannst du dich zum Beispiel für eine Scheibe Vollkornbrot mit Schinken entscheiden, und eine weitere Scheibe Brot mit Erdbeermarmelade. Dazu gibt es eine Banane und einen Apfel. Außerdem trinkst du ein Glas Apfelsaft, ein wenig Milch und ein Glas Wasser. 

Versuche an diesen beiden Tagen, besonders bewusst durch den Tag zu gehen und darauf zu achten, ob du einen Unterschied in deinem Verhalten wahrnehmen kannst.

Es kann natürlich auch sein, dass du überhaupt keine Veränderung spürst. Dann würde ich dir raten, vor einer Entscheidung wieder zurück zu den Basics á la Pro-Kontra-Liste zu greifen. 

Dein Frühstück ist dein Freund

Was ich Jana, die zwischen den beiden Jobangeboten schwankt, raten würde? Ganz einfach. Frühstücke am Morgen der jeweiligen Bewerbungsgespräche mehr Kohlenhydrate als sonst. Die Mahlzeit sollte zu etwa 80% aus Kohlenhydraten bestehen. So ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du sensibler auf ein unfaires Angebot reagierst. Hör auf dein Bauchgefühl! Manchmal weiß der Bauch mehr als der Kopf! Und: Trau dich, eine Entscheidung zu treffen, die andere vielleicht nicht nachvollziehen können. 

Quelle: When food dictates your choice, the impact of nutrition on social decision making. Sabrina Strang, Christina Hoeber, Olaf Uhl, Berthold Koletzko, Thomas F. Münte, Hendrik Lehnert, Raymond J. Dolan, Sebastian M. Schmid, and Soyoung Q. Park. PNAS. DOI: www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1620245114

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