Warum uns mancher Werbesong nicht aus dem Kopf geht
Wissenschaft deckt auf: Das passiert in deinem Kopf, wenn du Werbung siehst
Kennst du das? Da läuft eine Kampagne, die vor Alkoholkonsum warnt, mit dramatischer Musik und ernsten Gesichtern – und fünf Minuten später steht trotzdem das Feierabendbier auf dem Tisch. Warum passiert das? Liegt es an mangelnder Willenskraft? Oder daran, dass manche Botschaften schlicht nicht ins Hirn gehen? Genau das haben Forschende der Universität Konstanz untersucht – und das nicht mit Fragebögen, sondern direkt mit EEGs auf dem Kopf der Zuschauer!
Wenn Gehirne gemeinsam schwingen
Stell dir eine Gruppe Menschen vor, die sich zusammen ein Präventionsvideo anschauen. Dabei tragen sie tragbare EEG-Geräte – ein bisschen wie eine Mischung aus Kopfmassage und Gedankenleser. Und was zeigt sich? Bei besonders guten, einprägsamen Botschaften synchronisiert sich die Hirnaktivität der Zuschauer. Das bedeutet: Alle denken im gleichen Moment dasselbe – und genau das ist ein Zeichen dafür, dass die Botschaft ankommt.
Das ist, als würde man eine WhatsApp-Nachricht in eine Gruppe schicken: Wenn alle sofort darauf reagieren, war sie entweder genial – oder jemand hat ein peinliches Foto gepostet. Aber wenn nur Funkstille herrscht, hat die Botschaft wohl niemanden interessiert.
Vom sterilen Labor in den Alltag
Bislang wurden solche Experimente in Hightech-Laboren mit aufwendiger Technik durchgeführt. Aber jetzt haben die Forschenden gezeigt: Es geht auch ohne sterilen Kittel-Charme. Mit tragbaren EEGs wurde die Hirnaktivität ganz einfach in einem Seminarraum gemessen – und siehe da: Auch dort zeigte sich das gleiche Muster! Starke Gesundheitsbotschaften bringen Hirne zum Mitschwingen, schwache Botschaften hinterlassen dagegen kaum Spuren.
Das ist ein großer Schritt, denn bisher mussten solche Messungen mit riesigen Maschinen gemacht werden, die so futuristisch aussehen, dass man denkt, gleich beamt sich Captain Kirk in den Raum. Jetzt kann das Ganze viel alltagstauglicher eingesetzt werden – vielleicht bald sogar in echten Testgruppen für Kampagnen.
Warum das wichtig ist
Erinnerst du dich noch an die Schockbilder auf Zigarettenpackungen? Zerstörte Lungen, vergilbte Zähne – gruselig, oder? Aber genau diese Art von Bildern schafft es, das Gehirn auf Trab zu bringen. Jetzt stell dir vor, es gäbe eine ähnlich eindrückliche Kampagne gegen Alkohol – aber vorher würde getestet, ob sie wirklich wirkt!
Bisher wurden Kampagnen oft nach Bauchgefühl entwickelt: Man zeigt Menschen ein Video, fragt sie hinterher, wie sie es fanden – und hofft, dass sie ehrlich sind. Aber sind wir mal ehrlich: Wer gibt schon gerne zu, dass er eine Botschaft komplett ignoriert hat? Hier kommt die Hirnaktivitätsmessung ins Spiel. Das Gehirn lügt nämlich nicht.
Ein EEG ist quasi ein Lügendetektor für den Kopf – es zeigt, ob dein Hirn sich wirklich mit einer Botschaft beschäftigt oder ob du beim Video schon an den nächsten Snack gedacht hast.
Ein Blick in die Zukunft
Diese Methode könnte nicht nur für Alkoholprävention eingesetzt werden. Stell dir vor, Klimakampagnen würden so optimiert, dass sie wirklich etwas bewirken! Oder politische Aufklärungsvideos könnten so gestaltet werden, dass sie nicht nur verstanden, sondern auch wirklich ernst genommen werden.
Vielleicht gibt es in Zukunft sogar einen „Werbe-TÜV“, der Kampagnen auf Wirksamkeit testet, bevor sie veröffentlicht werden. Stell dir vor, Werbung müsste beweisen, dass sie wirklich hängen bleibt – das würde im Gesundheitssektor einiges verändern! Aber wahrscheinlich wird sich zunächst die Zuckerindustrie darauf stürzen und von ihren Werbeagenturen einen Wirksamkeitsnachweis verlangen.
Werbebotschaften sind wie Ohrwürmer: Die besten bleiben hängen, die schlechten vergisst man sofort. Und Hand aufs Herz – wer summt jetzt gerade den letzten Werbesong, der einfach nicht aus dem Kopf gehen will? Jetzt stehen wir nur noch vor der Frage, wie wir uns selbst kraftvolle Botschaften senden, mit denen wir unser Leben so leben können, wie wir es wollen. Anleitungen findet ihr hier auf Minerva-Vision genug. Denn wir alle glauben an eines: Es lebe der freie Wille!
Hier schreibt Jonas Weber. Mit einer Mischung aus fundierter Forschung und einem Augenzwinkern vermittelt er komplexe Themen verständlich und unterhaltsam.Wenn er nicht gerade über die neuesten Erkenntnisse aus der Gehirnforschung schreibt, findet man ihn bei einem guten Espresso, auf der Suche nach dem perfekten Wortspiel oder beim Diskutieren über die großen Fragen des Lebens – zum Beispiel, warum man sich an peinliche Momente von vor zehn Jahren noch glasklar erinnert, aber nicht daran, wo man den Autoschlüssel hingelegt hat.