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Wechseljahre – Die Serie | Teil 2: Die Schilddrüse – der kleine Schmetterling, der alles regelt

Die Wahrheit über die Wechseljahre – Serie

Stell dir vor, in deinem Hals sitzt ein Organ von der Größe einer Walnuss. Schmetterlingsförmig. Links ein Flügelchen, rechts ein Flügelchen, in der Mitte verbunden. Unscheinbar. Und doch: Dieses kleine Ding regelt so ziemlich alles, was in deinem Körper passiert.

Die Schilddrüse produziert Hormone. T3 und T4 heißen sie, falls dich die Buchstaben interessieren. Ich finde, sie klingen wie Roboter aus einem Science-Fiction-Film. Aber was sie tun, ist ziemlich real: Sie bestimmen, wie schnell dein Herz schlägt, wie warm dir ist, wie gut du verdaust, wie schnell du denkst.

Alles. Wirklich alles hängt von diesen beiden Hormonen ab.

Wenn die Schilddrüse streikt

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie die Schilddrüse aus dem Takt gerät. Entweder sie macht zu viel. Oder zu wenig.

Bei einer Überfunktion rast alles. Dein Herz galoppiert, du schwitzt, kannst nicht schlafen, bist nervös, zittrig. Manche Frauen nehmen ab, obwohl sie normal essen. Klingt erst mal verlockend, ist es aber nicht. Denn gleichzeitig fühlst du dich, als hättest du drei Espresso zu viel getrunken. Die ganze Zeit.

Bei einer Unterfunktion ist es umgekehrt. Alles wird langsam. Du bist müde, morgens kommst du kaum aus dem Bett. Dir ist ständig kalt. Die Haare werden dünner, die Haut trocken. Du nimmst zu, obwohl du nichts anders machst als sonst. Dein Kopf ist wie in Watte gepackt. Brain Fog nennen es die Amerikaner. Hirnnebel.

Und hier wird es heimtückisch: Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sehen verdammt ähnlich aus wie die Wechseljahre.

Müde? Könnte beides sein. Dick? Auch. Deprimiert? Ebenso. Haare fallen aus? Jup. Verstopfung? Check.

Kein Wunder, dass so viele Ärzte einfach sagen: “Das sind die Wechseljahre, meine Liebe. Da muss man durch.” Und dann stehst du da, mit deiner Müdigkeit und deinen zehn Kilo mehr, und denkst: Na toll.

Warum gerade jetzt?

Bei mehr als einem Drittel der über 45-jährigen Frauen finden sich Auffälligkeiten der Schilddrüse. Das Risiko für eine Entzündung der Schilddrüse steigt mit zunehmendem Lebensalter und vor allem mit den Wechseljahren. Meist ist es eine Unterfunktion. Oft steckt dahinter auch Hashimoto-Thyreoiditis – eine Autoimmunerkrankung, bei der dein Körper die eigene Schilddrüse angreift. Als hätte er sonst nichts zu tun.

Warum das ausgerechnet jetzt passiert? Das Östrogen spielt eine Rolle. Dieses weibliche Hormon, das in den Wechseljahren abnimmt, hat nämlich auch seine Finger bei der Schilddrüse im Spiel. Es beeinflusst die Rezeptoren – also die Andockstellen, an denen die Schilddrüsenhormone in die Körperzellen gelangen wollen.

Weniger Östrogen bedeutet: Die Türen gehen nicht mehr so leicht auf. Die Schilddrüsenhormone stehen draußen und klingeln vergeblich.

Und dann ist da noch das Progesteron. Ein weiteres Hormon, das in den Wechseljahren schwindet. Normalerweise verstärkt es die Wirkung der Schilddrüsenhormone. Fehlt es, hört die Schilddrüse schlechter. Sie kriegt die Signale nicht mehr richtig mit.

Das Ergebnis? Eine Schilddrüse, die aus dem Tritt kommt. In einer Lebensphase, in der du ohnehin schon genug am Hals hast.

Was jetzt wichtig ist

Wenn du in den Wechseljahren bist und dich fragst, warum du so verdammt müde bist – lass deine Schilddrüse checken. Aber richtig.

Nicht nur den TSH-Wert. Das ist das Steuerhormon aus der Hirnanhangsdrüse. Es sagt der Schilddrüse, was sie tun soll. Aber es sagt nichts darüber aus, ob die Schilddrüse das auch tut.

Du brauchst auch die Werte für T3 und T4. Am besten die freien Werte – fT3 und fT4. Die zeigen, wie viele Hormone tatsächlich im Körper ankommen und arbeiten können.

Und wenn du schon dabei bist: Lass auch die Antikörper checken. MAK, TAK, TRAK heißen sie. Diese Werte zeigen, ob eine Autoimmunerkrankung dahintersteckt.

Denn nur wenn du weißt, was los ist, kannst du etwas ändern.

Im nächsten Teil schauen wir uns die Bauchspeicheldrüse an. Und warum das Insulin in den Wechseljahren plötzlich Achterbahn fährt.

Ute Schwemmer

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