„Leichenfund“ im Vorstadtgarten
Die mit dem Hund geht… Wie das Leben mit Hund wirklich abläuft.

Hier schreibt: Birgit Jaklitsch. Als die Juristin mit ihrem Golden Retriever Rüden Finley einen “vollkommen unerziehbaren Hund” hatte, entschloss sie sich, selbst eine Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen. Ihren kritischen Blick als Gerichtsreporterin hat sie sich erhalten und gewinnt dadurch immer wieder humorvolle Erkenntnisse auf das Leben mit dem Hund. Birgit Jaklitsch hat eine Kolumne im Magazin Hundewelt und ist Buch-Autorin.
Hundepersönlichkeiten ändern sich zeitlebens.
Und im Alter? Verwandeln sich manche so stark wie ein Teenager. Auch jenseits der 14 sind noch 180-Grad-Wendungen der Persönlichkeit möglich.
Nach fast vierzehn Jahren, da denkt man, man hat gute Erziehungsarbeit geleistet, Der Junge kennt meine Regeln und er hält sich an sie. Freiwillig, ohne mit der Wimper zu zucken. Denkste!
Bisher hatte Finley sich zuverlässig an eine meiner wichtigsten Hunde-Überlebens-Regeln gehalten. Nämlich die “Don’t-Touch-It-Regel”. Meint, ich lasse alle Dinge meiner Menschen einfach unbeachtet liegen. Wir mussten unsere Schuhe nicht mehr außer Reichweite stellen. Wir konnten unsere Fensterbänke wieder dekorieren und Bücher und Zeitschriften herumliegen lassen. Sogar Wurstbrote und andere Leckereien wurden von unserem Musterhund lediglich mit einem kurzen Blick bedacht. What a wonderful Hundehalter-Life.
Doch dann schlug der Schredderhannes ganz unvermittelt zu. Im Garten fand ich auf unserem Rasen die sterblichen Überreste des Polsterbürstenaufsatzes meines Staubsaugers.
Brutal und gnadenlos war der Täter vorgegangen, das Ergebnis – ein Desaster. In meinen Gedanken erklang Trauermusik. „Fiiiiinleeeeeyyy!!!“ rief ich um Fassung ringend. Er kam angetrottet, als wäre nichts geschehen.
Das war nicht ich, schien mir sein Unschulds-Blick sagen zu wollen.
Na warte, nicht mit mir, mein Freundchen! Da musste die Spurensicherung aktiv werden. Die sogenannte HU-KTU (Kriminaltechnische Untersuchung für Hundestraftaten) rückte mit ihrem A-Team an. Tochter Mausi stellte rotblonde Haare auf der Oberfläche der mit dunklen Borsten versehenen Bürste sicher. Die Haare wurden von Tochter Motte im Labor für forensische Caniden-Typisierung untersucht.
Hier ein Auszug des Gutachtens:
“… auf dem zerstörten Objekt (Bürste), im Folgenden Opfer genannt, wurden dunkle Borsten sowie zwei rotblonde Hundehaare sichergestellt. Die dunklen Borsten konnten zweifelsfrei dem Opfer zugeordnet werden.
Bei den auf der Bürste befindlichen hellen Haaren wurde ein DNA-Abgleich mit dem Fell des im Haushalt lebenden Golden Retrievers Finley vorgenommen. Im Ergebnis ist festzustellen, dass Finley zu 99,9% der Spurenleger ist.
Des Weiteren wurde das Opfer einer osteologischen Untersuchung unterzogen. Die auf ihm befindlichen Biss- und Kratzspuren konnten, nach einem Zahnabgleich, wiederum dem im Haushalt lebenden Goldenrüden Finley zugeordnet werden…“
Tja Finley, das nenne ich mal überführt, mein Lieber. Da helfen dir auch deine watteweichen Schmeichel-Blicke nicht mehr weiter. Den Beschaffungspreis eines neuen Polsterbürstenaufsatzes ziehe ich dir vom Leckerli-Konto ab … irgendwann einmal.
Hintergrund: Wir gingen lange davon aus, dass sich die Persönlichkeit des Hundes im Laufe des Lebens stabilisiert. Neue Studien zeigen: der Hund verändert sich ab einem Alter von 13-14 Jahren ebenso stark, wie als Teenager.

Lust auf mehr? Dann empfehlen wir “Dickes Fell und langer Atem” – Vom Überleben an der Schleppleine. Die Leserkommentare: “Zum Brüllen komisch”, “Einfach herrlich”, “Habe mich wieder erkannt” und “Wann kommt der nächste Jaklitsch?”. Birgit Jaklitschs Buch erschien im Minerva-Verlag und ist in jedem Buchhandel erhältlich oder direkt im Minervastore. www.Minervastore.de.




