Augen ab 40: Trockene Augen und Wechseljahre, Lesebrille und was du sonst wissen solltest
Es ist Oktober, die Heizung läuft wieder, und nach einem langen Tag am Laptop fühlen sich deine Augen an wie Schmirgelpapier. Abends im Restaurant hältst du die Speisekarte ein Stück weiter weg, dann noch ein Stück. Beides ist ab 40 weit verbreitet, und beides hat seine Gründe: eine Augenlinse, die mit den Jahren starrer wird, und ein Tränenfilm, der aus dem Gleichgewicht geraten kann, auch durch die Hormone. Was gegen trockene Augen in den Wechseljahren wirklich hilft, welche Vorsorge sich lohnt und bei welchen Zeichen du nicht warten solltest, liest du hier.
Kurz gesagt
Die Alterssichtigkeit beginnt meist Mitte 40, weil die Augenlinse mit den Jahren starrer wird. Dass die Hormone dabei mitspielen, ist nicht belegt. Trockene Augen betreffen Frauen häufiger als Männer, der Unterschied wird mit dem Alter deutlich. Geschlechtshormone spielen für den Tränenfilm eine wichtige Rolle, ob eine Hormontherapie dagegen hilft, ist aber umstritten. Linderung bringen meist Tränenersatz ohne Konservierungsmittel und Wärme für die Lidränder, Bildschirmpausen und feuchtere Raumluft können dazu beitragen.
Warum das Kleingedruckte verschwimmt: Alterssichtigkeit trifft alle
Um nah und fern scharf zu sehen, verändert die Augenlinse ständig ihre Form. Für das Handy wölbt sie sich stärker, für den Blick aus dem Fenster flacht sie ab. Mit den Jahren wird die Linse jedoch starrer und kann sich immer weniger wölben.
Bei den meisten Menschen macht sich das ab Mitte 40 bemerkbar, bei manchen schon mit Anfang 40. Mit 45 brauchen die meisten eine Lesebrille, ab etwa 65 schreitet die Alterssichtigkeit in der Regel nicht weiter fort.
Und die Hormone? Dass sie hier mitspielen, ist nicht belegt. Eine Auswertung von neun Studien ergab zwar, dass Frauen ihre erste Nahbrille oft etwas früher bekommen als Männer. Die Anpassungsfähigkeit der Linse unterschied sich aber nicht. Die Forschenden vermuten andere Gründe, etwa unterschiedliche Sehaufgaben und Leseabstände.
Was hilft, ist eine Lesebrille. Eine Fertigbrille aus dem Drogerieregal kann reichen, berücksichtigt aber weder Unterschiede zwischen beiden Augen noch eine Hornhautverkrümmung. Eine individuell angepasste Brille tut das. Trägst du ohnehin eine Brille, kommt eine Gleitsichtbrille infrage, auch Kontaktlinsen sind möglich.
Trockene Augen: Wechseljahre, Bildschirm und Heizungsluft
Brennen, Kratzen, das Gefühl eines Sandkorns im Auge, schwere Lider, zeitweise verschwommenes Sehen: So melden sich trockene Augen. Überraschend, aber typisch: Auch empfindliche Augen, die leicht tränen, können dazugehören.
Die Tränendrüse liefert die Flüssigkeit, und winzige Drüsen am Lidrand, die Meibom-Drüsen, legen eine dünne Fettschicht darüber, die die Verdunstung bremst. Sind diese Drüsen verstopft, verdunstet der Tränenfilm zu schnell.
Hier kommen die Hormone ins Spiel. Ein internationaler Expertenbericht zum trockenen Auge kommt zu dem Schluss, dass Geschlechtshormone wie Androgene und Östrogene Augenoberfläche, Tränendrüse und Lidranddrüsen maßgeblich mitsteuern und erklären helfen, warum Frauen häufiger betroffen sind. Gut untersucht sind die Androgene, die auch Frauen bilden. Die Meibom-Drüsen besitzen Andockstellen für sie, und ein Androgenmangel geht mit gestörten Drüsen und einem instabileren Tränenfilm einher. Vieles davon stammt allerdings aus Tierversuchen und Studien an besonderen Gruppen. Wie genau die Wechseljahre hineinspielen, ist noch nicht vollständig geklärt.
Gut belegt ist das Muster: Frauen haben häufiger trockene Augen als Männer, und der Unterschied wird erst mit zunehmendem Alter deutlich. Eine große US-Erhebung unter fast 40.000 Frauen zeigte, dass die Beschwerden mit dem Alter zunehmen, aber auch schon viele Frauen in ihren 40ern und 50ern betreffen.
Und wenn du die fehlenden Hormone einfach ersetzt? Die Studienlage dazu ist widersprüchlich. In einer großen Beobachtungsstudie mit rund 25.700 Frauen nach den Wechseljahren hatten diejenigen mit Hormonersatztherapie sogar häufiger trockene Augen, vor allem bei reinen Östrogenpräparaten. Mehrere kleinere, meist nur wenige Monate dauernde Studien fanden dagegen teils bessere Messwerte am Auge. Eine Hormontherapie allein wegen trockener Augen ist deshalb keine gesicherte Lösung.
Dazu kommen Faktoren, die du beeinflussen kannst. Wer konzentriert auf einen Bildschirm schaut, blinzelt seltener. Trockene Heizungsluft, Klimaanlagen, Heizlüfter, Zugluft und Tabakrauch trocknen die Augen zusätzlich aus. Auch manche Medikamente können trockene Augen fördern, etwa entwässernde Mittel, Mittel gegen Allergien und manche Antidepressiva. Setz sie nicht eigenmächtig ab, sprich es aber in der Praxis an. Schlägt dir die dunkle Jahreszeit aufs Gemüt, lies unseren Beitrag zum Herbstblues.
Was gegen brennende Augen wirklich hilft
Dein Augen-Programm
Sechs Schritte für die Heizsaison
- Tränenersatz ohne Konservierungsmittel: Benetzende Augentropfen, auch künstliche Tränen genannt, lindern die Beschwerden meist gut. Brauchst du sie häufig, nimm konservierungsmittelfreie Tropfen, denn Konservierungsstoffe wie Benzalkoniumchlorid können trockene Augen zusätzlich reizen.
- Wärme für die Lidränder: Leg eine warme Kompresse auf die geschlossenen Lider. Die Wärme löst das Sekret in verstopften Meibom-Drüsen, sodass es leichter abfließt. Danach die Lidkanten sanft reinigen.
- Bewusst blinzeln, Pausen machen: Achte am Bildschirm und beim Lesen darauf, öfter zu blinzeln. Auch regelmäßige Pausen werden empfohlen, wenngleich die Studienlage dazu noch dünn ist.
- Raumluft befeuchten: Mit Wasser gefüllte Behälter an den Heizkörpern oder ein Luftbefeuchter können helfen. Schreibtisch und Sofa sollten nicht im Luftzug von Heizlüfter oder Klimaanlage stehen.
- Rauch meiden: Tabakrauch fördert trockene Augen, auch beim Passivrauchen.
- Finger weg von Weißmachern: Abschwellende Augentropfen gegen rote Augen verengen die Blutgefäße und können trockene Augen verschlimmern.
Und Omega-3? Die Forschung ist ernüchternd: In einer großen US-Studie nahmen 535 Menschen mit mittelschweren bis schweren trockenen Augen ein Jahr lang täglich 3.000 Milligramm Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder ein Scheinmittel mit Olivenöl. Beiden Gruppen ging es am Ende ungefähr gleich viel besser, auch bei den Messwerten am Auge zeigte sich kein Unterschied. Das unabhängige Forschungsnetzwerk Cochrane bewertet die Studienlage insgesamt als unsicher und widersprüchlich.
Bessern sich die Beschwerden nicht, geh in eine augenärztliche Praxis. Dort lässt sich klären, ob zu wenig Tränenflüssigkeit entsteht oder ob sie zu schnell verdunstet. Stark ausgeprägte trockene Augen können die Hornhaut schädigen.
💡 Dein Learning
Gegen trockene Augen helfen vor allem unspektakuläre Dinge: die richtigen Tropfen und Wärme für die Lider, dazu Pausen und feuchte Luft. Für Fischölkapseln fehlt ein verlässlicher Nutzennachweis, bei Hormonen ist die Studienlage widersprüchlich.
Grüner Star, Grauer Star, Makula: Was ab 40 wichtig wird
Grüner Star (Glaukom): Hier wird der Sehnerv nach und nach geschädigt. Häufige Ursache ist ein zu hoher Augeninnendruck, knapp die Hälfte der Betroffenen hat aber normale Werte. Weil das zentrale Sehen lange intakt bleibt, fallen die Lücken im Gesichtsfeld oft lange nicht auf. Verlorene Nervenfasern kommen nicht zurück, rechtzeitig behandelt lässt sich das Fortschreiten aber meist mit Augentropfen aufhalten. Ein höheres Risiko haben unter anderem Menschen mit Glaukom in der Familie, starker Kurzsichtigkeit oder Diabetes.
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands empfehlen in ihrer Leitlinie, allen Menschen ab 40 eine Glaukom-Früherkennung anzubieten: Untersuchung des Sehnervs plus Messung des Augeninnendrucks, ohne weitere Risikofaktoren bis 59 alle fünf Jahre, ab 60 alle zwei bis drei Jahre. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur bei begründetem Verdacht oder bestimmten Risiken, sonst ist es eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet sie als „tendenziell negativ“: Es fehlen Studien, die zeigen, ob die Früherkennung Erblindungen verhindert, und Nachteile wie Fehlalarme sind möglich. Lass dich vorher zu Nutzen und Grenzen beraten, auch dazu, dass ein auffälliger Befund noch keine Diagnose ist. Ob sich die Untersuchung für dich lohnt, ist also eine Abwägung, mit den oben genannten Risikofaktoren spricht mehr dafür.
Grauer Star (Katarakt): Hier trübt sich die Augenlinse allmählich ein. Du siehst wie durch einen Schleier, Farben verblassen, Licht blendet stärker. Meist sind Menschen über 50 betroffen. Medikamente helfen nicht, wohl aber eine Operation: Die trübe Linse wird durch eine Kunstlinse ersetzt, der Eingriff dauert etwa 20 bis 30 Minuten und findet meist ambulant statt. Rauchen und viel UV-Licht stehen im Verdacht, das Risiko zu erhöhen.
Makuladegeneration (AMD): Sie betrifft die Stelle des schärfsten Sehens, die du zum Lesen und zum Erkennen von Gesichtern brauchst, und wird mit dem Alter häufiger. Rauchen ist ein gut belegter Risikofaktor. Eine vorbeugende Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht belegt. Für die feuchte Form gibt es Medikamente, die ins Auge gespritzt werden und das Fortschreiten aufhalten oder verlangsamen können.
Die Lancet-Kommission zur Demenzprävention hat 2024 unbehandelte Sehbeeinträchtigungen neu in ihre Liste von 14 beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz aufgenommen. Grundlage sind Beobachtungsstudien. Ob die Behandlung das Demenzrisiko senkt, ist nicht bewiesen, erste Studien zur Operation des Grauen Stars deuten aber in diese Richtung. Mehr dazu, was deinem Kopf guttut, liest du in Dein Gehirn in den Wechseljahren.
Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest
Bei diesen Zeichen gehst du sofort in eine augenärztliche Praxis oder Augenklinik. Nachts und am Wochenende hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, im Zweifel der Notruf 112.
- Lichtblitze, ein plötzlicher „Rußregen“ oder ein Schatten wie ein Vorhang: Das können Zeichen einer Netzhautablösung sein. Sie tut nicht weh und muss trotzdem rasch behandelt werden.
- Plötzlich deutlich schlechter sehen auf einem Auge.
- Ein gerötetes Auge mit heftigen Augen- oder Kopfschmerzen, Sehstörungen und Übelkeit: So kann sich ein Glaukomanfall äußern.
- Verzerrtes Sehen in der Mitte des Blickfelds: Das kann auf eine Makuladegeneration hindeuten. Die feuchte Form schreitet unbehandelt schnell voran.
Unterm Strich: Die Lesebrille gehört zum Älterwerden der Linse, gegen trockene Augen in den Wechseljahren kannst du selbst viel tun, und bei Warnzeichen wartest du nicht ab.
Häufige Fragen zu trockenen Augen in den Wechseljahren
Können die Wechseljahre trockene Augen auslösen?
Sie können dazu beitragen. Geschlechtshormone steuern Tränendrüse und Lidranddrüsen mit, und Frauen haben mit zunehmendem Alter häufiger trockene Augen als Männer. Meist kommen aber mehrere Dinge zusammen, etwa Bildschirmarbeit, Heizungsluft oder Medikamente.
Hilft eine Hormontherapie gegen trockene Augen?
Das ist umstritten. In einer großen Beobachtungsstudie mit rund 25.700 Frauen nach den Wechseljahren traten trockene Augen unter Hormonersatztherapie sogar häufiger auf, kleinere und kürzere Studien fanden dagegen teils bessere Messwerte am Auge.
Welche Augentropfen sind bei trockenen Augen sinnvoll?
Benetzende Tropfen, auch künstliche Tränen genannt. Wenn du sie häufig brauchst, sind Tropfen ohne Konservierungsmittel die bessere Wahl. Abschwellende Tropfen gegen rote Augen sind ungeeignet.
Ab wann sollte ich zur Glaukom-Früherkennung?
Die augenärztliche Leitlinie empfiehlt, sie allen Menschen ab 40 anzubieten, ohne weitere Risikofaktoren bis 59 alle fünf Jahre, ab 60 alle zwei bis drei Jahre. Ohne begründeten Verdacht oder bestimmte Risiken zahlst du sie in der Regel selbst.
Kann ich meine Augen trainieren, damit ich keine Lesebrille brauche?
Nein. Augenübungen machen die Linse nicht wieder elastisch und können die Alterssichtigkeit deshalb nicht verhindern. Eine passende Lesebrille ist die einfachste Lösung.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei anhaltenden Augenbeschwerden wende dich an deine augenärztliche Praxis, bei Warnzeichen wie plötzlichem Sehverlust, Lichtblitzen oder starken Schmerzen sofort an eine Ärztin oder einen Arzt.
