Neustart 40+

Schönheit studieren? Ernsthaft jetzt?

An der Hochschule für angewandtes Management gibt es ab Herbst einen Bachelor in “Beauty Studies”. Klingt erst mal nach Schminkkurs für Fortgeschrittene. Ist es aber nicht.

Ismaning – Als ich das erste Mal davon hörte, dachte ich: Ach komm. Jetzt kann man also auch noch Schönheit studieren? Was kommt als Nächstes – ein Master in Selfie-Optimierung? Aber dann – und das ist das Verblüffende – stellte sich heraus: Das ist tatsächlich gar nicht so blöd.

Die Hochschule für angewandtes Management startet zum Wintersemester 2025/26 den neuen Studiengang “Beauty Studies” mit Bachelor-Abschluss. Und bevor jetzt jemand die Augen rollt: Es geht nicht darum, wie man den perfekten Lidstrich zieht oder welches Serum gegen Krähenfüße hilft. Es geht um sehr viel mehr.

Die Beauty-Branche ist erwachsen geworden

“Die Beauty-Branche braucht heute mehr als nur gute Manager oder reine Naturwissenschaftler. Sie braucht interdisziplinäre Experten, die die Brücke zwischen Wissenschaft, Markt, Psychologie und Nachhaltigkeit schlagen können”, erklärt Prof. Dr. Dr. Claudius Schikora, Dozent für Beauty Studies. “Genau diese ganzheitlich denkenden Köpfe bilden wir aus. Wir geben unseren Studierenden das Rüstzeug, um die Schönheitsideale und Geschäftsmodelle von morgen aktiv mitzugestalten.”

Und wenn man mal ehrlich ist: Die Beauty-Industrie ist ein Milliardengeschäft. Eine globale Maschinerie, die sich ständig neu erfindet. Da geht es um Dermatologie und Anatomie, um Wahrnehmungspsychologie und Trendforschung, um Marketing, Finanzplanung und Unternehmensführung. Also um ziemlich ernste Themen, die man nicht mal eben zwischen zwei YouTube-Tutorials lernt.

Mehr als nur hübsch aussehen

Dr. Marina Fischer, die Studiengangsleiterin, beschreibt das Programm so: “Es verbindet naturwissenschaftlich-medizinische Grundlagen wie Dermatologie und Anatomie, psychologisch-soziologische Aspekte wie Wahrnehmungspsychologie und Trendforschung sowie essenzielle Management-Kompetenzen in Marketing, Finanzplanung und Unternehmensführung – eine Kombination, die so in Deutschland einzigartig ist.”

Das klingt nach richtig viel Input. Und wer jetzt denkt, das sei alles nur graue Theorie: Über 40 Prozent des Studiums sind praktisch angelegt. Die Studierenden arbeiten von Anfang an an realen Projekten, oft zusammen mit Unternehmen. Sie können eigene Geschäftsideen entwickeln, Schwerpunkte wählen – von “Produktmanagement” über “Spa Treatments” bis hin zu “Beauty Journalism”. Elf Spezialisierungen stehen zur Auswahl.

Flexibel studieren, ohne verrückt zu werden

Das Studium läuft semi-virtuell: Online-Selbststudium kombiniert mit Live-Sessions und kompakten Präsenzphasen. Man kann es in sechs bis sieben Semestern in Vollzeit durchziehen oder dual studieren – dann übernimmt ein Partnerunternehmen die Studiengebühren. Praktisch, wenn man nicht gerade ein Vermögen auf dem Konto hat.

Und während ich das alles so lese, denke ich: Vielleicht ist das genau die richtige Antwort auf eine Branche, die uns alle betrifft. Ob wir wollen oder nicht. Weil Schönheit eben nicht nur eine Frage von Geschmack ist, sondern auch von Wissenschaft, Psychologie, Ethik und Nachhaltigkeit.

Wer hätte gedacht, dass man das studieren kann? Ich jedenfalls nicht. Aber jetzt finde ich: Es wird Zeit.

Ist das was für euch? Mehr Informationen zum neuen Studiengang gibt es auf der Website der Hochschule für angewandtes Management.



Marlene Sommer übersetzt komplizierte Forschungsergebnisse in unterhaltsame Kolumnen, die zeigen, dass die Natur oft absurder ist als jede Dating-App. Nach ihrer eigenen chaotischen Scheidung vor drei Jahren hat sie ein besonderes Gespür für die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen entwickelt.

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