Hormonbalance ab 40: Was dein Körper dir sagen will
Hier schreibt die Ute. Über 50, mit mehr Lebenserfahrung als Faltencremes im Badezimmerschrank. Liebt Bücher, guten Rotwein und Gespräche, die auch mal wehtun dürfen. Sie hält nichts von Schönheitswahn und Fitness-Apps, aber viel von ehrlichen Worten und warmem Apfelkuchen. Mit Sahne. Und jeden Dienstag schenkt sie uns ihre Gedanken.
Ach, ab 40! Dieses magische Alter, in dem wir angeblich „wissen, wer wir sind“, „in unserer Mitte ruhen“ und „mit beiden Beinen fest im Leben stehen“. Schön wär’s! In Wirklichkeit stehen wir oft mitten in der Küche, wissen nicht, warum wir da sind, und versuchen uns zu erinnern, ob wir die Herdplatte ausgemacht haben. Und dann kommen sie. Die Hormone. Diese unsichtbaren kleinen Unruhestifter, die plötzlich alles auf den Kopf stellen.
Die heimlichen Regisseure
Hormone sind wie schlechte Regisseure in einer mittelmäßigen Provinztheater-Inszenierung: Sie ziehen im Hintergrund die Fäden, ändern das Drehbuch spontan und schicken dich plötzlich mit schweißnassen Haaren und pochendem Herzen auf die Bühne, obwohl du eigentlich nur schlafen wolltest. Wir weinen beim Anblick einer alten Postkarte, schnauzen den Partner an, weil er zu laut atmet, und können beim kleinsten Anlass eine ganze Schokoladentafel inhalieren. Willkommen in der großen Gefühlsschaukel namens Perimenopause.
Die kleinen großen Veränderungen
Mit 40 beginnt für viele Frauen die sogenannte Perimenopause — ein hübsches Wort für „Dein Körper räumt schon mal auf, bevor die großen Wechseljahre kommen.“ Das Östrogen schwankt fröhlich auf und ab wie ein Betrunkener auf dem Oktoberfest. Das Progesteron winkt manchmal nur noch müde aus der Ferne. Und das Testosteron? Das treibt uns an manchen Tagen zu unbändiger Energie und an anderen direkt aufs Sofa, Chips mampfend, melancholisch „Titanic“ guckend. Und was macht die Gesellschaft? Sie schweigt. Stattdessen wirbt sie mit Seren, Detox-Tees und Instagram-Filtern, die uns versprechen, dass wir mit 50 noch aussehen wie 30. Aber seien wir ehrlich: Wer will das wirklich? Wir wollen doch lieber nachts schlafen, statt Zucchininudeln zu schlürfen und morgens um fünf auf dem Berggipfel zu meditieren.
Was will dein Körper dir sagen?
Unser Körper sagt in dieser Zeit eigentlich nur: „Hör mir endlich mal zu!“ Er will keine Turbo-Diät, kein ständiges Selbstoptimieren, kein toxisches Vergleichen. Er will mehr Schlaf, weniger Perfektion. Mehr Gelassenheit, weniger Drama. Und vor allem: mehr Humor.
Denn mit 40 und darüber hinaus geht es nicht mehr darum, allen zu gefallen. Es geht darum, sich selbst zu gefallen. Nein sagen zu können, sich auf dem Sofa einzukuscheln, statt auf die nächste After-Work-Party zu hetzen. Stattdessen googeln wir nächtelang Symptome, trinken literweise Detox-Tees, kühlen unser Schlafzimmer auf 16 Grad runter und kaufen teure Cremes, die angeblich alles wieder richten.
Dabei sagt der Körper oft ganz einfache Dinge:
- „Schlaf mehr.“
- „Iss endlich das Gemüse, nicht nur den Käse.“
- „Beweg dich, aber nicht wie ein Leistungssportler, sondern wie jemand, der seinen Körper mag.“
- „Atme mal durch und hör auf, dich mit allen zu vergleichen.“
Die Sache mit der Selbstakzeptanz
Viele Frauen glauben, sie müssten ab 40 plötzlich noch perfekter funktionieren als mit 30. Dabei ist es genau umgekehrt: Jetzt dürfen wir endlich entspannter sein. Die Kinder sind (hoffentlich) aus dem Gröbsten raus, der Chef kann uns nicht mehr mit Überstunden erpressen, und wir wissen, dass wir auch mit grauen Haaren noch witzig, schlau und charmant sind.
Hormone zeigen uns: Nichts bleibt für immer gleich. Wir dürfen mitwachsen, mitzittern, mitstaunen. Statt dagegen anzukämpfen, können wir lernen, uns mit den Veränderungen anzufreunden. Sie sind wie eine alte Freundin, die manchmal nervt, uns aber immer ehrlich sagt, was Sache ist: „Du bist nicht mehr 25 — und das ist auch gut so.“ Also: Hör auf, gegen dich selbst zu kämpfen. Dreh die Musik auf, trink ein Glas Rotwein (ja, auch mit ein paar Hitzewallungen), und feiere dich dafür, dass du immer noch da bist, immer noch lachst — und manchmal auch einfach weinst.Legt euch abends ruhig mit Schokolade aufs Sofa, dreht den Tatort lauter, streicht den Termin im Fitnessstudio, wenn euch danach ist.
Denn das Leben ist nicht dazu da, es glatt und faltenfrei durchzupressen. Es ist da, um gelebt zu werden — mit all seinen Hitzewallungen, Lachfalten und diesen wunderbar verrückten hormonellen Achterbahnfahrten.
Denn eines ist sicher: Mit oder ohne Hormonchaos — du bist ziemlich großartig.
Die Ute vom Dienstag




